Prosper-Haniel beschließt ein Kapitel deutscher Geschichte

Die letzte Zeche schließt: So trauern die Kumpel im Revier

Nach 200 Jahren gibt Deutschland die Steinkohle auf

Es ist ein historischer Tag für den Ruhrpott und ganz Deutschland: In Bottrop schließt mit Prosper-Haniel die letzte Zeche. Nun ist endgültig Schluss mit dem Steinkohlebergbau. Mehr als zweihundert Jahre lang wurde das schwarze Gold im Ruhrgebiet aus der Erde geholt; der Kohle und den Bergleuten verdankt die Bundesrepublik das Wirtschaftswunder nach dem Zweiten Weltkrieg. Jetzt herrschen Trauer und Wehmut im Revier.

"Das ist hier nicht nur Arbeit und ein Job, das ist wie eine zweite Heimat"

14.12.2018, Fussball, Saison 2018/2019, Bergleute der Zeche Prosper Haniel übergeben den letzten Steinkohlehobel an den FC Schalke 04 Alexander Jobst (FC Schalke 04) präsentiert das Sondertrikot Gelsenkirchen Veltins Arena NRW Deutschland *** 14 12 2
Schalke-Sondertrikot mit dem Namen der letzten deutschen Steinkohle-Zeche.
imago sportfotodienst, imago/RHR-Foto, RHR-FOTO

Der Bergmann ist ein stolzer Vertreter seiner Zunft, Einstellung und Solidarität der Kumpel sind legendär. Kameradschaft, Zuverlässigkeit, Hilfsbereitschaft - auf diese Werte ihrer Gemeinschaft sind sie immer besonders stolz gewesen. Vielen ist die Wehmut anzumerken, sie haben "Pipi inne Augen", wie man im Ruhrgebiet sagt.

Als beim Bundesligaspiel in Gelsenkirchen 60.000 Menschen ergriffen das berühmte Steigerlied ("Glückauf, Glückauf, der Steiger kommt") sangen, war die Emotionalität greifbar. "Das war ein Höhepunkt. Dieser Moment wird uns immer in Erinnerung bleiben", sagt ein Bergmann, der dabei war. "Es tut einem in der Seele weh", meint ein anderer. "Bergbau ist eine Gemeinschaft, das ist Kultur", erklärt Markus Freitag, einer der letzten aktiven Kumpel auf Prosper-Haniel. "Das ist hier nicht nur Arbeit und ein Job, das ist wie eine zweite Heimat."

Fördergerüst des Bergwerks Prosper Haniel in Bottrop, letzte Ruhrgebiets Zeche, wird 2018 geschlossen, hinten die Skyline der Innenstadt von Essen,
Förderturm des Bergwerks Prosper-Haniel in Bottrop
imago stock&people, imago/Jochen Tack

​Eine ganze Region nimmt Anteil am Schlussakkord für die Kohle. Schalke spielte ohne Trikotwerbung, auf den Hemden der Spieler standen Namen von Zechen, auf jedem ein anderer. Revierrivale Borussia Dortmund folgt der Geste, auf den schwarzgelben Trikots wird beim letzten Spiel des Jahres ein schlichtes "Danke, Kumpel" stehen.

Bergbau hing jahrzehntelang am Subventions-Tropf von Bund und Ländern

Es wird ein Moment für die Geschichtsbücher sein, wenn Bundespräsident Steinmeier am Nachmittag symbolisch das letzte geförderte Stück Kohle überreicht bekommt. Rund 200 Jahre Industriegeschichte gehen dann zu Ende. Hinter dem Steinkohlenbergbau liegt ein Ausstieg mit langer Vorbereitung, hohen Subventionen und ohne Entlassungen.

Beschlossen wurde er 2007, der deutsche Bergbau war zu diesem Zeitpunkt schon lange nicht mehr wettbewerbsfähig. Die Branche wurde mit gewaltigen Subventionen am Leben gehalten (allein von 1996 bis heute etwa 61 Milliarden Euro aus Bundes- und Landesmitteln).