Ein stiller Mann mit "hasserfülltem Gesicht": Wer war Salman Abedi, der Attentäter von Manchester?

29. Mai 2017 - 10:42 Uhr

Wer war Salman Abedi, der Attentäter von Manchester?

Nun hat das Grauen ein Gesicht und einen Namen. Und: Salman Abedi, der Attentäter von Manchester, war dem britischen Geheimdienst bekannt. Das sagte die britische Innenministerin Amber Rudd dem TV-Sender Sky News. "Ich bin sicher, dass wir in den nächsten Tagen und Wochen mehr Informationen über ihn bekommen werden", so Rudd. Wie ein großes Puzzle setzt sich nun Teil für Teil ein Bild des Attentäters zusammen.

In Libyen oder Syrien radikalisiert?

People stop to look at flowers and messsages on an impromptu memorial in St Anns Square for the victims of an attack at Manchester Arena, Manchester, Britain, May 24, 2017.  REUTERS/Jon Super
Eine Stadt trauert.
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Die britischen Behörden weisen darauf hin, dass Abedi womöglich kein Einzeltäter war. Es könnte eine größere Gruppe von Personen hinter der Tat in Manchester stecken. Die Polizei teilte  mit, dass drei Männer in der nordenglischen Stadt festgenommen worden sind. Weitere Einzelheiten gaben die Behörden nicht bekannt. Bereits einen Tag zuvor war ein Mann festgenommen worden - laut britischen Medien soll es sich um den Bruder des Attentäters handeln.

Nach Angaben des französischen Innenministers Gérard Collomb sei der Attentäter zudem wahrscheinlich in Syrien gewesen. Er habe sich "plötzlich nach einer Reise nach Libyen und dann wahrscheinlich nach Syrien radikalisiert und hat entschieden, diesen Anschlag zu begehen".

"Hasserfülltes Gesicht" nach Kritik an Terrororganisationen

Salman Abedis Vater und einer seiner Brüder, Ismail, hatten sich stark in der Gemeindearbeit der Didsbury-Moschee engagiert. Der Zugang zum Gotteshaus ist inzwischen unmöglich. Viele Polizisten schirmen die Moschee ab.

Der Imam erinnert sich an Salmans Reaktion auf einen Vortrag von 2015, in der Terrororganisationen kritisiert worden seien. Mit einem "hasserfüllten Gesicht" habe ihn Salman damals angeschaut, zitierte die Zeitung 'The Telegraph' den Geistlichen. Diese Person habe ihn definitiv nicht gemocht.

Der Attentäter war ein stiller Zeitgenosse, der unauffällig und zurückgezogen lebte. Ruhig, respektvoll, freundlich. So lauten Beschreibungen von Menschen, die ihn von früher kannten. Mit wem hat er zusammengelebt? Womit hat er überhaupt sein Geld verdient? Es gibt viele Fragezeichen. Bekannt ist, dass er ein Wirtschaftsstudium an der Salford-University in Manchester nach zwei Jahren geschmissen hat.

Erinnerungen an Anschlag in London werden wach - Vergleiche mit Attentäter

Anfangs soll die Familie in London gewohnt haben. Dort wurde Salman Abedis älterer Bruder Ismail geboren. Sein jüngerer Bruder heißt Hashim, die Schwester Jomana. Die meiste Zeit lebte die Familie in Manchester. Es wird spekuliert, dass mit den Eltern auch Jomana nach Libyen zurückkehrte. Der Attentäter soll dort oft hingereist sein.

Einiges erinnert an den Attentäter, der vor zwei Monaten den Anschlag im Londoner Regierungsviertel Westminster verübt hatte, den 52-jährigen Khalid Masood. Auch er lebte zurückgezogen, wurde von Nachbarn als freundlich und unauffällig bezeichnet. Doch näheren Kontakt hatte kaum jemand zu ihm.

Seine dunkle Seite: Er war mehrfach verurteilt wegen gewalttätiger Übergriffe, schwerer Körperverletzung, unerlaubten Waffenbesitzes und Störung der öffentlichen Ordnung. Solche Vorstrafen sind von Abedi nicht bekannt. Einem Mann hatte Masood im Streit sogar das Gesicht aufgeschlitzt. Wie Abedi war er mit seiner extremistischen Haltung dem Geheimdienst aufgefallen. Genützt hat es nichts: Masood tötete fünf Menschen.

22 Menschen und der Mörder starben bei der Explosion

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Der Ort des blutigen Geschehens, die Manchester-Arena
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Am Montagabend war am Ende des Konzerts von Teenie-Star Ariana Grande in Manchester ein Sprengsatz detoniert. Der mutmaßliche Attentäter hatte so mindestens 22 Menschen mit sich in den Tod gerissen. Der Anschlag traf vor allem Kinder und Jugendliche. Insgesamt 20 Verletzte waren am Mittwoch noch in einem kritischen Zustand. Unter den Todesopfern des Terroranschlags sind mindestens zwei Polen, ein weiterer wurde verletzt, wie das Außenministerium in Warschau mitteilte. Bei den Toten handelt es sich demnach um ein Elternpaar, das seine beiden Töchter von dem Popkonzert abholen wollte.