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Ein Rückblick auf die TV-Saison 17/18

"Bella Block" - "Stille Wasser"
Hannelore Hoger als Bella Block mit Henrik Birch in einer Szene des TV-Krimis "Bella Block - Stille Wasser". Foto: Hans-Joachim Pfeiffer © deutsche presse agentur

Abschied von "Bella Block", Abschied von Mario Kopper, Abschied vom "Club der Roten Bänder" und der ZDF-Abschied von der Champions League - in der Fernsehsaison 2017/2018, die im September begann und im Mai endete, hörte die ein oder andere Ära auf.

Zu den Siegern gehören auf jeden Fall das Duell zwischen der Bundeskanzlerin und ihrem Herausforderer im Vorfeld des Bundestagswahlkampfs und die ein wenig im Schatten des unschlagbaren ARD-"Tatorts" stehenden ZDF-Krimis am Samstag oder Montag, die teilweise auf ähnliche Quoten kommen. Schwer einzuschätzen ist in Ermangelung von Zahlen die Präsenz der Streamingdienste. Eine kleine Bilanz zum Thema Fernsehen:

- 16 Millionen: So viel Publikum hat gewöhnlich nur ein EM- oder WM-Spiel der deutschen Fußball-Nationalmannschaft. Auf diesen Wert brachten es aber auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und ihr Herausforderer Martin Schulz (SPD) Anfang September, jedoch verteilt auf fünf Sender - mit 9,3 Millionen hatte das Erste in diesem Fall die Nase vorn. 16 Millionen reichten auch aufgrund fehlender sportlicher Großereignisse zum Saisonrekord. Zum Vergleich: Den Münster-"Tatort" am 19. November sahen 12,89 Millionen und das Ausscheiden des FC Bayern München aus der Champions League im April 11,64 Millionen im ZDF, wo die Champions League jetzt nicht mehr zu Hause ist.

- das ZDF-Krimidrama: häufig unterschätzt, weil es im Schatten des ARD-"Tatorts" steht, aber oft ähnlich viel Publikum hat: Gleich zum Jahresbeginn brachte es der "Taunuskrimi" mit einem Zweiteiler auf 6,98 und 7,46 Millionen Zuschauer. Leonard Lansink kam mit seinem "Wilsberg" am 6. Januar sogar auf 8,31 Millionen, Natalia Wörner mit ihrer Reihe "Unter anderen Umständen" am 19. Januar auf 7,71 Millionen und "Die Toten vom Bodensee" mit Nora Waldstätten und Matthias Koeberlin ein paar Tage später auf 8,01 Millionen.

- die Kehrseite: Der Sat.1-Film am Dienstag wird kaum noch wahrgenommen. Die Gründe sind schwer nachvollziehbar, vielleicht sind sie darin zu suchen, dass der Münchner Privatsender zu selten, zu unregelmäßig auf den eigenproduzierten Film am Dienstag setzt und wenn, dann auf zu wenig relevante Stoffe. Die Liebeskomödie "Rockstars zähmt man nicht" mit Cristina do Rego und Tom Beck hatte im Spätsommer nur 1,49 Millionen Zuschauer, "Love is in the Air" Ende September lediglich 1,44 Millionen, der Veronica-Ferres-Film "Liebe auf den ersten Trick" im März 1,82 Millionen und der Zweiteiler "Der Staatsfeind" jeweils rund 2 Millionen.

- der Flop des Jahres: Auch der gehört Sat.1. Die Unternehmensgründerreihe "Start up!" mit Investor Carsten Maschmeyer sollte eines der Highlights 2018 werden, wurde aber wegen ganz schwacher Resonanz im linearen TV auf die Internetseite Sat1.de geschoben - auch hier lässt sich über Gründe nur spekulieren. Vermutlich verträgt der Markt nur eine gut gemachte Showreihe in diesem Genre, und die hat eben Vox mit "Die Höhle der Löwen" - auch mit Maschmeyer - im Programm.

- die Abschiede: Lena Odenthals Mitstreiter Mario Kopper, gespielt von Andreas Hoppe, sagte im Winter adé und bescherte dem Ersten mit seinem letzten Krimi eine Schnapszahl von 9,99 Millionen Zuschauern. Im ZDF endete nach 25 Jahren und 38 Filmen im März die Krimireihe "Bella Block" mit ihrem Aushängeschild Hannelore Hoger - rund sieben Millionen Menschen waren dabei. Schluss war auch mit dem Vox-Überraschungserfolg "Club der roten Bänder" im Dezember - 2,5 Millionen waren bei der finalen Folge im Dezember dabei.

- der Coup des Jahres: Der gelang ZDFneo, dem kleinen Ableger des Mainzer Traditionssenders, der immer besser in Fahrt gekommen ist. Am 14. Februar wiederholte ZDFneo den Krimi "Blutsschwestern" aus der Reihe "Ein starkes Team" - der acht Jahre alte Fall mit Florian Martens und der inzwischen gestorbenen Maja Maranow holte mit 3,16 Millionen Zuschauern die beste Quote, die bislang für den kleinen Sender gemessen wurde. Sogar das Erste lag mit seiner gewagten Film-Utopie "Aufbruch ins Ungewisse" über die Flucht von Europäern nach Afrika zeitgleich etwas schlechter.

- und die Show? Weiter keine Neuerscheinungen in Sicht. Horst Lichter schaffte mit der abendfüllenden Ausgabe seiner Reihe "Bares für Rares" immer zwischen fünf und sechs Millionen Zuschauer. Die deutsche ESC-Vorentscheidung verlief nach Quoten im Ersten mies, das Finale von Lissabon mit rund 7,7 Millionen Zuschauern unterdurchschnittlich. Die Premiere der Show "Buschi vs. Köppen" blieb Ende November mit 1,50 Millionen Zuschauern für RTL enttäuschend. Eine Fortsetzung dürfte ausbleiben. Die ist beim Dschungelcamp "Ich bin ein Star - Ich will hier raus!" dagegen garantiert, auch wenn selbst bei der Deutschen derzeit liebster Show zuletzt der Rückwärtsgang eingeschaltet war: 6,72 Millionen sahen beim Finale, eine Million weniger als im Jahr davor. Und auch ProSieben hat inzwischen gesehen, dass ein Steffen Henssler ("Schlag den Henssler") nicht unbedingt ein vollwertiger Nachfolger des unvergessenen Stefan Raab ist.

- noch ein bisschen Show, die lustige Talkshow: "Late Night Berlin" war der Versuch von ProSieben im Winter, an gute alte Zeiten mit Harald Schmidt anzuknüpfen. Ob Klaas Heufer-Umlauf das geschafft hat, ist schwer zu beurteilen. Zeugen sind dünn gesät: Am 4. Juni guckten noch 500.000 Zuschauer (3,7 Prozent) spätabends zu. Und die ganz normale Talkshow? Fast nichts Neues, abgesehen vom RTL-II-Versuch, Detlef Soost täglich um 15 Uhr im Talk antreten zu lassen - ein gescheitertes Experiment im Stil der späten neunziger Jahre.

- weiterhin schwer überschaubar: Der Streamingmarkt in Deutschland wird bereits von Millionen Menschen zu Hause oder auch mobil genutzt. Doch exakte Angaben über das Nutzungsverhalten machen die großen Anbieter wie Amazon Prime Video oder Netflix nicht. Immerhin startete aus deutschen Landen auf Netflix im Dezember die Mysteryserie "Dark" - sie wird weiterproduziert. Auch die Krimiserie "Dog of Berlin" wartet auf ihre Veröffentlichung. Gegenwärtig steht bei Amazon Matthias Schweighöfers zweiter Durchgang von "You are Wanted" zum Abruf bereit. Ob eine weitere Fortsetzung folgt, ist noch offen.


Quelle: DPA

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