Skandal vor kanadischem Gericht: Richter verhöhnt Vergewaltigungsopfer

Eine obdachlose Frau beklagte vor Gericht, auf einer Hausparty im Badezimmer vergewaltigt worden zu sein. Doch der Richter reagierte darauf offenbar nur mit Spott und Hohn (Foto: Symbolbild).
Eine obdachlose Frau beklagte vor Gericht, auf einer Hausparty im Badezimmer vergewaltigt worden zu sein. Doch der Richter reagierte darauf offenbar nur mit Spott und Hohn (Foto: Symbolbild).
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07. September 2016 - 16:47 Uhr

"Konnten Sie Ihre Beine nicht einfach zusammenhalten?"

Was sich ein Richter in Kanada vor Gericht erlaubte, stimmt fassungslos: Er verspottete vor Gericht ein mutmaßliches Vergewaltigungsopfer. Deswegen läuft gegen den Richter nun ein Disziplinarverfahren.

Für das Opfer einer Vergewaltigung ist der Gang zur Polizei schon belastend genug: ellenlange Verhöre, in denen der Tathergang quälend genau beschrieben werden muss, ärztliche Untersuchungen. Und falls der mutmaßliche Vergewaltiger geschnappt wird, rollt ein Gericht noch einmal den gesamten Fall auf. Im kanadischen Calgary wurde ein Vergewaltigungsprozess für das mutmaßliche Opfer (19) zum Spießrutenlauf. 

Laut BBC verhöhnte der der Richter das obdachlose Opfer vor Gericht

"Warum konnten Sie nicht einfach Ihre Beine zusammenhalten?", soll er dem Bericht zufolge gesagt haben. Auch soll der Mann während des Prozesses die mutmaßliche Vergewaltigung heruntergespielt haben. So soll der Richter herablassend erklärt haben, dass "Sex und Schmerz eben manchmal zusammengehören" würden. Videobänder dokumentieren die Kommentare des Richters.

Berufungsgericht kippt Urteil des Skandal-Richters

Der Richter sprach den Angeklagten in dem Prozess frei. Zuvor hatte die junge Frau Gericht angegeben, von dem Mann auf einer Hausparty im Badezimmer vergewaltigt worden zu sein. Ein Berufungsgericht kippte mittlerweile das Urteil. Gegen den Richter wurde ein Disziplinarverfahren in die Wege geleitet.

Die Begründung: Die Aussagen des Richters würden belegen, dass er gegenüber dem mutmaßlichen Opfer voreingenommen war. Zudem beklagt das Disziplinargericht, dass er der Zeugin "diskreditierende Fragen basierend auf einem stereotypischen Denken" gestellt hätte.