"Ein möblierter Roman": Hellmuth Karasek rezensiert den IKEA-Katalog

12. Februar 2016 - 12:50 Uhr

Vernichtende Kritik des Literaturexperten

Im Netz macht gerade ein besonders kreativer PR-Gag von IKEA die Runde. Dem schwedischen Möbelkonzern ist es gelungen den berühmten Literaturkritiker Hellmuth Karasek für sich einzuspannen. Ihm wurde der das bekannteste Druckerzeugnis der Welt vorgelegt: Der IKEA-Katalog. Und die Kritik des Literaturfreundes fällt vernichtend aus. Die Frage, was dem Buch fehlt, um als "schöngeistiger Roman" durchgehen zu können, beantwortet er mit einem sehr deutlichen "alles".

"Ein möblierter Roman": Hellmuth Karasek rezensiert den IKEA-Katalog

"Eigentlich ist es ein Skandal, dass das meistverbreitete Buch der Welt mit einer Auflage von sage und schreibe fast 220 Millionen Exemplaren bisher nie rezensiert wurde", beginnt der 81-jährige Karasek. "Man könnte dem IKEA-Buch vorwerfen, dass es mehr Bilder als Personen hat", es sei geradezu "vollgemüllt mit Gegenständen", erklärt er.

Darum nennt Karasek das Werk einen "möblierter Roman". Besonders stört ihn, dass die Personen sich zwischen die Möbel drängen müssten und selten zur Wort kämen. Der Erfolg des Buchs sei unerklärlich, denn die Personen würden kaum zusammenhängend reden. Außerdem stört den Kritiker die Art und Weise, wie der Leser angesprochen wird: "Ich muss gestehen, ich liebe Bücher nicht so sehr, die sich altmodisch, aufdringlich mit einem 'Du' an den Leser wenden."

"Wo ist denn das Wohnzimmer? Verdammt noch mal"

Auch an den im Katalog enthaltenen Texten hat der Literaturfreund einiges auszusetzten. Die Alltagsschilderungen in dem Buch seien im Vergleich zum realen Leben doch sehr "idyllisch". Und auch andere Formulierungen werden von Karasek in der Luft zerfetzt. "Wir blinzeln mit den Augen", steht beispielsweise im Katalog. "Womit sollen wir sonst blinzeln?", fragt der Kritiker. "Es ist sehr verlockend, das Buch an dieser Stelle zur Seite zu legen", meint er.

Auch an Übersichtlichkeit schein es zu mangeln. "Wo ist denn das Wohnzimmer? Verdammt noch mal", schimpft Karasek, als er eine bestimmte Textstelle sucht. Vor allem mit der Glücksdefinition von IKEA ist Karasek nicht einverstanden. Er hält sich lieber an Sigmund Freud und erklärt: "Glück ist als Dauerzustand in der Schöpfung nicht vorgesehen."

Bei der knapp fünfminütigen, nicht ganz ernst gemeinten Rezension des Katalogs hat Karasek keine Vorgaben von dem Möbelhersteller erhalten. Er sollte den Katalog nach seinem Gutdünken besprechen und die gleichen Maßstäbe anlegen, wie er es bei anderen literarischen Werken zu tun pflegt. Karasek, der als einer der einflussreichsten Literaturkritiker des deutschsprachigen Raumes gilt, wurde vor allem durch die Sendung 'Das Literarische Quartett' und als Leiter des Kulturressorts der Zeitschrift 'Spiegel' bekannt. Darüber hinaus hat er selbst zahlreiche Bücher veröffentlicht.

Mit diesem kleinen Werbefilm ist dem Möbelhaus ein gelungener PR-Gag geglückt. Im Internet wird der Clip hoch gelobt. "Oh, wie wunderbar!", schreibt eine Twitter-Nutzerin; "großes Kino", meint eine andere. "Vielen Dank, Herr Karasek, dass Sie Ihre Gedanken zu diesem geistreichen Buch mit uns teilen!", schreibt ein User auf der Videoplattform YouTube.