Kinostart: 16. Januar 2020

Ein Kriegsfilm wie ein Ego-Shooter: Sam Mendes' „1917“

Dean-Charles Chapman als Blake in Sam Mendes' „1917“
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16. Januar 2020 - 14:15 Uhr

von Mireilla Zirpins

Bei den Golden Globes räumte "1917" überraschend ab: bester Film und beste Regie. Und auch bei den Oscars kann sich Regisseur Sam Mendes ("American Beauty") Hoffnungen auf einen Goldjungen in zehn Kategorien machen. Dabei fällt es zunächst schwer, sich auf den extravaganten Kriegsfilm einzulassen. Dennoch lohnt der Kinobesuch.

Ein einziger Tag an der Front - und eine einzige Kamereinstellung

Ein einziger Tag an der Front im ersten Weltkrieg – und zwar so gedreht, dass es so aussieht, als wäre es eine einzige Einstellung. Es ist Sam Mendes' erster Film nach den James-Bond-Abenteuern "Skyfall" und "Spectre". Und ganz anders in seinem ersten Kriegsfim "Jarhead" zeigt der Regisseur hier extrem selbstbewusst, was er, sein Kameramann Roger Deakins ("Blade Runner 2049") und sein Cutter Lee Smith ("The Dark Knight Rises") so draufhaben. Dass sich die technische Brillanz so in den Vordergrund drängt, hält uns erstmal auf Abstand.

So folgen wir erst emotional etwas distanziert zwei Jungspunden durch die Schützengräben an der Somme in Nordostfrankreich. Die britischen Soldaten Schofield (George Mackay aus "Captain Fantastic") und Blake (Dean-Charles Chapman, der in "Game Of Thrones" Tommen Baratheon spielt) werden ausgesandt mit dem einfachen Befehl, eine Nachricht zu überbringen. Die Botschaft soll die Kameraden an vorderster Front davor bewahren, in eine Falle der Deutschen zu laufen. Das Überleben von 1.600 Soldaten hängt vom Erfolg ihrer Mission ab – auch das Leben von Blakes Bruder.

Wer hat denn gesagt, dass Krieg natürlich aussehen muss?

Benedict Cumberbatch, Colin Firth, Mark Strong oder Richard Madden mit ein paar Textzeilen zu Nebendarstellern zu degradieren – das ist fast schon so cool wie George Clooneys Tod nach zehn Minuten in "Gravity". Dafür bekommen wir mit George Mackay und Dean-Charles Chapman zwei erfrischende Hauptdarsteller. Und die wachsen uns ans Herz, obwohl die Videospiel-Optik uns erst auf Distanz hielt.

Und weil Roger Deakins den beiden Helden so oft über die Schulter filmt, um einen Schnitt zu vermeiden, nimmt man oft eine Perspektive ein wie in einem Egoshooter. Seine Bilder sind zwar extrem künstlich, aber auch grandios. Wer hat denn gesagt, dass Krieg natürlich aussehen muss?

​Am Ende passt die Beschränkung auf eine einzige Kamerafahrt perfekt zum Thema, und technisch ist das einfach brillant umgesetzt. Und die ein, zwei schlechten Spezialeffekte vergessen wir ganz schnell wieder!