Ein Prost - auf den Lockdown

Peters Peinlichkeiten

Unser Politikreporter Benjamin Holler hält die Bier-Aktion für ein falsches Signal.
Unser Politikreporter Benjamin Holler hält die Bier-Aktion für ein falsches Signal.
© rtl.de/frankfurt.de, Salome Roessler

02. März 2021 - 13:52 Uhr

Ein Kommentar von Politik-Reporter Benjamin Holler

Zuletzt war die Sieben-Tage-Inzidenz in Frankfurt wieder gestiegen, auf aktuell 74,9. Ab 75 übernimmt üblicherweise das Land Hessen die Corona-Bekämpfung. Besser ist das wohl.

Feldmann verbietet Alkohol - und schenkt zeitgleich Bier aus. Ein fatales Signal.

Die Bundeswehr ist in der Corona-Krise eine wichtige Hilfe: Soldaten forschen Infektionsketten hinterher oder sie testen Besucher von Alten- und Pflegeeinrichtungen auf das Virus. Den Frauen und Männern in Flecktarn gebührt unser aller Dank in diesen Wochen und Monaten. Aber Dank mit Bier?

So groß auch das Bedürfnis danach ist, auf die geleistete Arbeit nach Feierabend mit einem kühlen Pils anzustoßen, so falsch ist das Signal, das der SPD-Oberbürgermeister der Stadt Frankfurt damit aussendet. Peter Feldmann hat ein stadtweites Alkoholverbot in der Öffentlichkeit ausgesprochen. Wer an diesen lauen Abenden am Mainufer seinen Wein eingießt, riskiert also ein Bußgeld – selbst wenn der Trinkpartner aus dem selben Haushalt stammt. Und eben jener Peter Feldmann lädt nun Soldaten zum Bier?

Unternehmen sind angehalten, ihre Beschäftigten ins Homeoffice zu schicken. Jeder vermiedene Kontakt sei eine Hilfe beim Weg raus aus dieser Pandemie. Feldmann dagegen schenkt 90 Soldaten Alkohol aus. Auch das passt nicht zusammen.

Es bleibt der schale Beigeschmack, dass hier jemand mit Bier Wahlkampf machen will: Schicke Fotos, gut aussehen. Spricht man mit der SPD-Basis, schütteln sie dort nur die Köpfe über den nächsten Corona-Fehltritt des Stadtoberhaupts. Und das keine zwei Wochen vor der Kommunalwahl. Na Danke, mögen manche Genossen denken.

Immun gegen Kritik

Es gehört schon einiges dazu, Frankfurts wichtigste Virologin, die ansonsten sehr sachliche Prof. Sandra Ciesek vom Uniklinikum, aus der Reserve zu locken. Peter Feldmann hat es geschafft. Mit einer Fahrscheinaktion wollte er im Advent Kunden zum Weihnachtsshoppen locken – während die Ansteckungszahlen explodierten. Ob der 1. April sei, fragte Ciesek damals auf Twitter. Feldmann musste sich entschuldigen.

Als Feldmann im Oktober die Bundeswehrsoldaten in Frankfurt begrüßt, muss er erst an die damals schon geltende Maskenpflicht erinnert werden. Er verteilte auf dem Römerberg Mini-Bembel und gab sie den Soldaten persönlich in die Hand. "Reichen Sie die mal nach hinten durch an die anderen", bat er die Helfer in der ersten Reihe. Abstand, Handhygiene, Alltagsmaske – alle drei Punkte der AHA-Regeln ignoriert. So sieht kein Vorbild aus.

Ebenfalls im Oktober bringt er die ZDF-Moderatorin Marietta Slomka beinahe zur Weißglut: Er lässt das Team des heute Journals für eine Live-Schalte hängen. Ein geleaktes Video des Vorgesprächs zeigt eine Reihe von Missverständnissen zwischen dem Politiker und der Journalistin. Im Interview selbst will er keine Kritik an einer von ihm initiierten Innenstadt-Kirmes anerkennen. "Das sind nur drei Buden", beschwichtigt er und muss sich von Slomka korrigieren lassen. Über 40 seien es gewesen.

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Hauptsache Feldmann ist mit auf dem Foto

Peter Feldmann muss genauer überlegen, wie seine Bilder wirken – und er sollte sich seiner Vorbildfunktion bewusst sein. Gerade in der Corona-Pandemie tragen Politiker hier eine besondere Verantwortung.

Wie will er an Menschen appellieren, daheim zu bleiben, Kontakte zu beschränken – und vor allem dem Drang nach weinseliger Gemeinsamkeit am Mainufer zu widerstehen, wenn er selbst zum Zapfhahn lädt?

Die Corona-Zahlen in Frankfurt steigen wieder. Es gilt also voranzugehen, um eine dritte Welle zu verhindern. Wenn ein Bier dazu gehört, dann nur daheim. Jeder für sich. Auf seinem Sofa. Und dann eben ohne Fotograf.