Ein kleiner Ring könnte das Leben von Millionen Blinden verändern

RTL-Reporterin Christina Endruschat in den USA

Am Kiosk die Titel der Zeitschriften oder im Supermarkt schnell die Lebensmitteletiketten lesen, für blinde Menschen ist das nicht möglich. Ein unscheinbarer weißer Ring könnte das bald ändern und den Alltag von Millionen Menschen erheblich erleichtern. Denn bisher benötigen Blinde große und schwere Scanner, um Schrift in Audiodateien umzuwandeln. Für den Alltag eine eher unpraktische Lösung.

Eine im Ring integrierte Kamera scannt den Text ein.
Eine im Ring integrierte Kamera scannt den Text ein.

Mehr als ein Jahr haben Forscher der US-amerikanischen Uni MIT in Boston und der technologischen Universität in Singapur die neue Software entwickelt. Roy Shilkrot, Student des MIT, erklärt wie der sogenannte "Fingerreader" funktioniert: "Die kleine Videokamera in dem Ring filmt und unsere Software analysiert und verarbeitet Wort für Wort." Der Text wird dann als Audiodatei wiedergegeben.

Riesige Hilfe im Alltag

Antonio Guimaraes ist blind und durfte den Prototyp der Erfindung bereits testen. "Wenn mir jemand eine Visitenkarte gibt oder eine Broschüre, dann wäre ich in der Lage sie sofort zu lesen, sonst bin ich immer auf veröffentlichte Texte angewiesen", erklärt er die Vorteile im Alltag. Denn bisher muss er diese erst einscannen, um sie später als Audiodatei abspielen zu können. Bei dem neuen Ring wäre dieser Umweg nicht mehr notwendig.

Noch ist der Ring mit einem Kabel an einen Computer angeschlossen. Doch schon bald wollen die Forscher eine kabelfreie Version vorstellen, die dann auch mit einem Handy funktionieren soll. Dann wäre der Ring problemlos unterwegs einsetzbar. Blinde könnten den Ring dann nahezu unbemerkt im Alltag nutzen.

Aber nicht nur Blinde könnten von der Erfindung profitieren. "Der Fingerreader könnte auch helfen das Lesen schneller zu erlernen. Wenn man eine Fremdsprache lernen möchte, könnte die Software die Texte übersetzen oder auch bei der Aussprache helfen", erklärt RTL-Reporterin Christina Endruschat. Das könnte schon bald der Fall sein. Denn die Entwickler werden bereits von mehreren Firmen umworben, die den Ring möglichst schnell auf den Markt bringen wollen.