Ein Katz-und-Maus-Spiel: So radikalisieren Salafisten junge Menschen in Deutschland an den Behörden vorbei

13. Februar 2017 - 13:24 Uhr

'LIES!'-Aktion verboten - prompt gibt es eine neue Masche

In Göttingen hat die Polizei bei einer Großrazzia zwei Terrorverdächtige aus Algerien und Nigeria festgenommen. Die Ermittler befürchteten, dass die zwei Männer, die der Salafistenszene angehören, einen Anschlag geplant hatten. Und der Fall zeigt wieder, warum gerade die Salafistenszene so sehr im Blick der deutschen Sicherheitsbehörden steht: Salafisten vertreten eine extrem radikale Auslegung des Islam. Ihre Koran-Verteilaktionen wurden jüngst verboten - nun verteilen sie Bücher über das Leben des Propheten Mohammed - ein Katz-und-Maus-Spiel mit den Behörden.

"Dieselben Protagonisten, für Frankfurt habe ich das klar nachgewiesen, die vorher bei LIES! aktiv waren, sind jetzt auch bei 'We love Muhammad' aktiv", sagt die Islamismus-Bloggerin Sigrid Herrmann-Marschall. Im November hatte das Innenministerium die Koran-Verteilaktion 'LIES!' verboten. Weil die Aktion mit der Radikalisierung von jungen Menschen in Verbindung gebracht wurde.

Prof. Susanne Schröter, Expertin für Islamismus, erklärt das so: "Immer, wenn eine Organisation verboten wird, dann sind die gleichen Leute plötzlich unter anderen Namen unterwegs." Sicherheitsorgane müssten dann wieder mit ihrer Arbeit von vorn anfangen. Wieder müsse erst nachgewiesen werden, dass eine Gefahr von der Gruppe ausgeht: "Man schindet da Zeit, und in der Zwischenzeit macht man weiter wie gehabt", so Prof. Schröter.

Vor dem 'LIES!'-Verbot war das Verteilen der Korane eine der wichtigsten Rekrutierungskampagnen des dschihadistisch-islamistischen Milieus. Die Masche: Zunächst mit Jugendlichen ins Gespräch kommen, sie später radikalisieren. 140 nach Syrien ausgereiste Kämpfer sollen den Koran-Verteilungen der 'LIES'-Stiftung entstammen. Und das läuft jetzt unter neuem Etikett weiter.

Als direkte Nachfolgeorganisation wäre das Verteilen der Mohammed-Biografien automatisch verboten. Aufgrund kleiner struktureller Unterschiede dürfen die Behörden sie bislang aber nicht als solche einstufen – und deshalb geht das Katz-und-Maus-Spiel der Salafisten vorläufig weiter.