Ein Jahr nach Fukushima: So leben die Menschen nach dem Super-GAU in Japan

EXTRA-Reporter Jenke von Wilmsdorff auf Spurensuche in Fukushima

Am 11. März 2011 hielt die ganze Welt den Atem an: Die unvorstellbare Nuklearkatastrophe von Fukushima, ausgelöst durch ein Erdbeben vor der Küste und einen daraus entstandenen Tsunami, hatte verheerende Auswirkungen auf Japan. Doch wie sieht es in der betroffenen Region heute aus? RTL-Reporter Jenke von Wilmsdorff ist für EXTRA an den Ort des Reaktorunglücks gereist und hat mit Menschen gesprochen, die noch heute, selbst außerhalb der offiziellen Sperrzone, der extrem hohen Strahlenbelastung ausgesetzt sind.

Knapp ein Jahr nach der Katastrophe ist EXTRA-Reporter Jenke von Wilmsdorff nach Japan gereist. Rund um die Unglücksstelle in Fukushima wurde ein 20 Kilometer umfassendes Sperrgebiet eingerichtet. Darin liegen nicht nur die Ruinen des Reaktors, sondern auch das 'J Village', das ehemals größte Sportgelände Japans. In den Tagen der Katastrophe wurde es zum Krisenzentrum für Ingenieure, Techniker, Experten und tapfere Aufräumarbeiter. Eigentlich darf niemand diese "No-Go-Zone" betreten, auch das RTL-Team wird immer wieder abgewiesen.

Eingeschleust in die Todeszone

Ein Bauer, der gegen die Informationspolitik des Kraftwerkbetreibers Tepco kämpft, schleust den EXTRA-Reporter und seinen Kameramann in das Sperrgebiet ein: Unter Futtersäcken, versteckt auf einem Viehlaster, schafft es Jenke von Wilmsdorff als erster Journalist, die verstrahlte Ranch des Bauern zu erreichen, um von dort zu berichten. Die Orte, die das RTL-Team auf dem Weg passiert, sind durch die starke Radioaktivität zu Geisterstädten geworden – mittlerweile ist die Unglücksstelle mit der Ruine des Reaktors nur noch 14 Kilometer entfernt. Mit dem Geigerzähler misst Reporter Jenke von Wilmsdorff die nukleare Belastung: 200 Mal höher pro Stunde als bei uns in Deutschland – erschreckend hohe Werte. Im Vergleich entspricht das dem stündlichen Röntgen des gesamten Brustkorbs, 24 Mal pro Tag.

Im 'J-Village' spricht der Reporter mit einem 22-Jährigen Arbeiter, der zum Unglückzeitpunkt Dienst im Atomkraftwerk hatte. Er weist den Reporter auf etwas Unglaubliches hin: So soll die Strahlenbelastung in anderen, frei zugänglichen, Gebieten in den angrenzenden Bergen noch viel höher sein als im gesperrten Bereich rund um den Reaktor. Jenke von Wilmsdorff folgt den Spuren der radioaktiven Wolke und misst am Rande eines frei zugänglichen Waldgebietes die höchste, verbliebene Strahlendosis: 47 Mikrosievert/Stunde, ein Wert, der 60 Röntgenaufnahmen am Tag und unvorstellbaren 22.000 im Jahr entspricht! Das deutsche Bundesamt für Strahlenschutz, welches den Reporter während seiner Reise mit Informationen zu den zugelassenen Höchstwerten versorgt, spricht von einem empfohlenen Höchstwert von 0,1 Mikrosievert.

EXTRA-Reporter Jenke von Wilmsdorff: "An einem Sonntag haben wir ein kleines Städtchen besucht. Dort lag Schnee und es sah idyllisch aus, aber eines war seltsam: Es herrschte Totenstille, ich konnte nur den Wind hören. Doch der Blick auf den Geigerzähler zeigte: Die Werte der Radioaktivität waren extrem hoch. Kein Mensch könnte dort langfristig überleben. Und genau das ist das Hinterhältige an der nuklearen Verseuchung: Sie ist der unsichtbar umherschleichende Tod. Mir wurde klar, wie hilflos ausgeliefert die Menschen doch waren. Ohne korrekte und schnelle Informationen hatten sie keine Chance, sich zu schützen. Ich selber konnte mich auch nur kurze Zeit mit dem Team gefahrlos in den betroffenen Regionen aufhalten."