Welche Alternativen jetzt diskutiert werden

Ein Jahr nach dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts: Das Kükenschreddern in Deutschland geht weiter

Wenige Tage alte Küken stehen in einem Hähnchenmastbetrieb.
Wenige Tage alte Küken stehen in einem Hähnchenmastbetrieb.
© deutsche presse agentur

13. Juni 2020 - 9:47 Uhr

Männliche Küken? Unerwünscht!

Gut 45 Millionen männliche Küken werden jedes Jahr getötet, weil sie sich nicht für die Mast – also die Fleischproduktion - eignen. Vor genau einem Jahr, am 13. Juni 2019, urteilte das Bundesverwaltungsgericht, dass das massenhafte Töten der Küken rechtmäßig sei. Aber nur so lange es nicht für alle Betriebe möglich ist, das Geschlecht des Embryos schon im Ei zu bestimmen. Forscher suchen seitdem nach einer Lösung. Doch die ist schwer zu finden und stellt nicht alle Seiten zufrieden.

Tierschützer: „Es hat sich so gut wie nichts getan“

"Es ist ein Jahr vergangen und wir müssen feststellen: Es hat sich so gut wie gar nichts getan in der Zeit. Das Kükenschreddern ist immer noch Realität. 45 Millionen in Deutschland, 280 Millionen in Europa werden einfach getötet, weil sie nicht gebraucht werden", sagt Christian Rehmer vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) gegenüber RTL.

Bis zur Einführung alternativer Verfahren dürften Brutbetriebe weiter so vorgehen, urteilte das Bundesverwaltungsgericht vor einem Jahr. Politik, Geflügelwirtschaft und Handel stehen seitdem unter Druck, eine Alternative für das Töten von Millionen männlicher Küken zu finden.

Kükenschreddern: Forscher arbeiten an Alternativen

Dabei sind verschiedene Verfahren im Gespräch. Projekte wie die "Bruderhahn"-Initiative oder die so genannten "Zweinutzungshühner" können zum Teil das Töten männlicher Eintages-Küken verzichtbar machen. Die frisch geschlüpften Küken werden bislang getötet, weil sie das falsche Geschlecht haben: Sie gehören zu einer Geflügellinie, die auf das Legen von Eiern hin optimiert wurde. Während die Weibchen als Legehennen begehrte Nutztiere sind, hat die Geflügelbranche für die männlichen Tiere keine Verwendung.

"Bruderhahn" und "Zweinutzungshuhn" sollen das praktizieren, was vor der Industrialisierung der Landwirtschaft üblich war: Für die Mast, also die Fleischproduktion und die Eierproduktion wird ein und dieselbe Hühnerrasse verwendet.

Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft setzt auf eine technische Lösung: Mit fünf Millionen Euro hat das Ministerium um Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) ein Verfahren zur Geschlechtsbestimmung im Ei gefördert. Eier aus diesem Verfahren sind bereits im Handel erhältlich.

Wie die Früherkennung im Ei funktioniert, zeigen wir hier im Video:

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Supermärkte machen der Geflügelbranche Druck

In einer aktuellen Werbekampagne verspricht Aldi, das Kükentöten bis Ende 2022 ganz zu beenden. Auch Rewe und Penny bieten unter dem Label "respeggt" (engl. "Egg", zu dt. Ei) Eier an, bei denen das Kükentöten durch Geschlechtsbestimmung vermieden wurde.

Das Frühstücksei könnte teurer werden

Erste entsprechende Eier sind zwar schon im Handel, es wird aber noch dauern, bis eine ausreichend große Zahl an Eiern getestet werden kann, meint Friedrich-Otto Ripke vom Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft: "Man braucht ein Geschlechtsbestimmungsverfahren, das sehr früh bestimmen kann und das preiswert ist. Die Kosten sind im Moment noch sehr hoch. Bei Eierpreisen von ungefähr unter 10 Cent pro Stück im Verkauf, sind zwei Cent Geschlechtsbestimmungskosten relativ viel."

Werden diese Kosten an den Kunden weitergegeben, dann könnte eine Packung mit zehn Eiern in Zukunft rund 20 Cent teurer werden. "Wir müssen über den Einzelhandel die Verbraucher bitten, diesen Mehrpreis zu zahlen. Sonst werden wir unsere Wettbewerbsfähigkeit gegenüber Anbietern aus dem Ausland verlieren, die über Kükentöten noch gar nicht reden", so Friedrich-Otto Ripke.

Tierschützer sind enttäuscht von bisherigen Verfahren

Bei einigen dieser Verfahren gibt es auch Bedenken seitens des Tierschutzes: Es sei nicht ausreichend bewiesen, dass die Embryos in den Eiern bei den Tests wirklich keine Schmerzen empfänden. Bis zum Ende des Leidens von jährlich Millionen männlicher Küken ist es also noch ein weiter Weg.