Ein Jahr nach dem tödlichen Anschlag

Hessens Landtag trauert mit Familien der Hanau-Opfer

02. Februar 2021 - 18:01 Uhr

Schweigeminute für die Opfer von Hanau

Der hessische Landtag hat an diesem Dienstag der Opfer des rassistisch motivierten Anschlags in Hanau gedacht. Je ein Vertreter von fünf Opferfamilien nahm an der Veranstaltung im Wiesbadener Parlament teil. Zwei weitere Familien lassen sich durch jeweils eine Person vertreten, die aber ebenfalls von dem Attentat betroffen ist. Landtagspräsident Boris Rhein (CDU) hielt eine Rede. Außerdem wurde eine Schweigeminute im Landtag abgehalten.

Politiker in Wiesbaden zeigen große Anteilnahme

Neun Menschen mit ausländischen Wurzeln starben in Hanau

Schon ein Jahr ist es her, aber die Trauer der Opfer-Familien und das Entsetzen aller bleibt. Am 19. Februar vergangenen Jahres hatte der 43-jährige Deutsche Tobias R. neun Menschen mit ausländischen Wurzeln erschossen. Zuvor hatte der Mann Pamphlete und Videos mit Verschwörungstheorien und rassistischen Ansichten im Internet veröffentlicht. Nach der Tat soll der 43-Jährige seine Mutter umgebracht haben, bevor er sich selbst tötete.

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Landtagspräsident Rhein gedenkt der Opfer des Anschlags

02.02.2021, Hessen, Wiesbaden: Boris Rhein (CDU), Präsident des Landtages in Hessen, hält die Rede zur Gedenkveranstaltung. Der Hessische Landtag hat der Opfer des rassistisch motivierten Anschlags im Februar 2020 in Hanau gedacht. Angehörige und Übe
Landtagspräsident Boris Rhein: "Wir werden nicht vergessen."
© dpa, Andreas Arnold, arn kde

Hessens Landtagspräsident Boris Rhein hat den Angehörigen der Opfer Unterstützung zugesagt und zum Widerstand gegen jede Form von Rechtsextremismus aufgerufen. "Liebe Angehörige, wir versprechen Ihnen, wir werden nicht vergessen", sagte Rhein in seiner Rede. "Dieses Parlament wird immer offen für den Dialog mit Ihnen sein, wir werden das Andenken an Ihre Kinder, Eltern, Geschwister immer wahren." Der Landtagspräsident versicherte: "Ich gebe Ihnen mein Wort, dass in diesem Parlament immer Platz für Ihre Geschichte sein wird". Diese niederträchtige Tat werde nicht in Vergessenheit geraten.

Innenminister Beuth bestätigt Engpass bei Polizeinotruf in Tatnacht

Die Hanauer Staatsanwaltschaft leitete vor wenigen Tagen ein Prüfverfahren ein, nachdem es Berichte über einen möglicherweise mangelhaft besetzten Polizeinotruf in der Stadt gab. Hessens Innenminister Peter Beuth (CDU) bestätigte knapp ein Jahr nach dem Anschlag einen Engpass beim Notruf der Hanauer Polizeistation in der Tatnacht. "Es ist richtig, dass die Polizeistation nur eine begrenzte Anzahl von Anrufen in dieser Nacht entgegennehmen konnte», erklärte der Minister am Dienstag in Wiesbaden.

Das gesamte Notrufaufkommen für die Polizeistation Hanau betrage täglich durchschnittlich 80 Anrufe. "Eine Weiterleitung von vielen gleichzeitig eintreffenden Notrufen war zum Zeitpunkt der Tatnacht technisch nicht möglich", so Beuth. Mit dem Umzug des Polizeipräsidiums Südosthessen in die neue Dienststelle werde eine Zentralisierung aller polizeilichen Notrufe des Zuständigkeitsbereichs in einer Leitstelle realisiert.

Doch nicht nut der unterbesetzte Notruf wirft Fragen auf: Laut Zeugen sei der Notausgang der Arena-Bar in der Tatnacht verschlossen gewesen. Im RTL-Interview klagt ein Vater an: "Wenn der Notausgang offen gewesen wäre, wäre mein Sohn nicht gestorben."

11.08.2020, Hessen, Hanau: Unter dem Brüder Grimm-Denkmal auf dem Hanauer Marktplatz wird an die Opfer des rassistisch motivierten Anschlags vom 19. Februar erinnert. Der 43-jährige Deutsche Tobias R. erschoss damals neun Menschen an mehreren Orten i
Die Bilder der ermordeten Hanauer unter dem Brüder Grimm-Denkmal in Hanau.
© dpa, Christine Schultze, rho

Beuth: Einsatzkräfte trotz allem schnell gehandelt

Zugleich hob Beuth erneut das schnelle Handeln der Einsatzkräfte hervor. "Nach meinem Kenntnisstand hat die hessische Polizei nach dem Eingang erster Notrufe unmittelbar gehandelt und war innerhalb von nur ein bis zwei Minuten am ersten Tatort am Heumarkt", erklärte er. "Am Tatort in Hanau-Kesselstadt trafen polizeiliche Kräfte drei bis vier Minuten nach der Meldung per Notruf ein."

Zum Jahrestag des Anschlags ist am 19. Februar auch in Hanau eine Gedenkveranstaltung geplant. Neben dem Hanauer Oberbürgermeister wird Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) vor Ort sein. Die Teilnahme von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD) ist ebenfalls für die Gedenkveranstaltung angefragt.

Quelle: dpa/ RTL.de