Tendenz: Es wird weniger

Bilanz nach einem Jahr Hochzeits-Korsos: Fast 500 Polizei-Einsätze in NRW

«Hochzeits-Blockade» auf A3
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25. März 2020 - 12:12 Uhr

117 Mal fielen Schüsse

Seit einem Jahr macht das Phänomen Schlagzeilen – Angeber, die bei Hochzeitsfeiern Straßen blockieren, um mit aufgemotzten Autos wilde Manöver zu veranstalten. Eskalierende Hochzeits-Korsos erregten im März 2019 erstmals größere Aufmerksamkeit. So viel, dass die Unsitte seit 1. April des Vorjahres in Nordrhein-Westfalen statistisch vom Innenministerium erfasst wird. Ergebnis: Fast 500 Mal mussten die Einsatzkräfte deswegen ausrücken.

Höhepunkt des Treibens im April 2019

Polizei stoppt Hochzeitskorso
Eine Polizistin steht vor den Fahrzeugen eines türkischen Hochzeutskorsos. Foto: Thomas Kraus
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Bis zum 2. März dieses Jahres kam es exakt zu 496 Polizeieinsätzen mit dem "Anlass Hochzeit". Das ist zwar viel, aber immerhin gingen die Zahlen laut Innenministerium zuletzt zurück. Laut einem Sprecher sind "einige Tendenzen erkennbar."

So stellte die Polizei insgesamt einen "Rückgang der Einsatzanlässe im Zusammenhang mit Hochzeiten" fest. Höhepunkte waren der April 2019 mit 104 Einsätzen, der Juni mit 105 Einsätzen und der September - nach einer Pause in den Sommerferien - mit 75 Einsätzen.

Duisburg ist Chaos-Hochburg

Polizei stoppt Hochzeitskorso
Polizisten kontrollieren ein Auto des gestoppten Hochzeitskorsos. Foto: Daniel Bockwoldt
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Vorfälle nach Tagen

  • Samstag: 290
  • Sonntag: 134
  • Freitag: 41

Die allermeisten Vorkommnisse spielten sich mit 315 innerhalb geschlossener Ortschaften ab. 49 Mal ereignete sich das Theater auf Autobahnen.

Ort

  • Duisburg: 64 Einsätze
  • Köln: 53

Anlass:

  • Autokorso: 218 Fälle
  • Schüsse: 117 Mal
  • Vollsperrungen oder Staus durch Korsos: 10

Maßnahmen

  • 140 Anzeigen
  • 122 Knöllchen
  • 181 Verwarngelder
  • 1.697 Personalien aufgenommen
  • 7 Autos beschlagnahmt

„Mutter aller Hochzeitskorsos“ blockierte die A3

Hochzeitskonvoi
Ein Bräutigam sitzt auf dem Dach eines Autos in einem Hochzeitskorso. Foto: epa Anatoly Maltsev/Archiv
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Der erste bekannt gewordene Vorfall dieser Art, von Ermittlern auch "Mutter aller Hochzeitskorsos" genannt, beschäftigt die Staatsanwaltschaft bis heute. Am 22. März 2019 hatten mehrere Luxusautos die A3 bei Ratingen blockiert (Foto oben). Vor dem künstlichen Stau drückte der Fahrer eines Cabrios runde Bremsspuren ("Donuts") in den Asphalt. Aus dem Wagen lehnte der selbst ernannte Hochzeitsfotograf - und dokumentierte alles.

Die Polizei gründete eine Ermittlungskommission. Bei Razzien sammelten die Beamten - mit Hilfe eines Spezialeinsatzkommandos - diverse Handys ein, um das Geschehen auf der A3 zu belegen. Die Auswertung der Datenträger brauchte Zeit, die polizeilichen Ermittlungen sind laut Düsseldorfer Staatsanwaltschaft inzwischen abgeschlossen. Elf Personen werden aktuell als Beschuldigte geführt. Ihnen wird unter anderem Nötigung vorgeworfen. Dieses Verfahren läuft noch immer.

Wie viele Ermittlungsverfahren wegen Hochzeits-Chaoten insgesamt bei den Staatsanwaltschaften anhängig sind, ist unklar.