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Ein Jahr danach - was hat die Silvesternacht 2015 verändert?

Das Jahr nach den Übergriffen

Silvesternacht. Der Mob greift Frauen an. Danach war nicht alles anders – zumindest nicht für die, die nur die Bilder der Übergriffe kennen und nicht selbst bestohlen, bedrängt oder belästigt wurden. Aber etwas hat sich dennoch verändert: Das naive, unbeschwerte "Wird schon nix passieren!"-Modul im Gehirn springt nun viel schneller in den Vorsicht!-Modus.

Von Ursula Willimsky

Man wechselt schneller in den Vorsicht!-Modus

Zum ersten Mal fiel mir das auf, als ich im Frühling zu Fuß zum Bahnhof einer Großstadt (nicht Köln, nicht Hamburg, nicht Stuttgart) ging. Viele Menschen waren an diesem lauen Abend unterwegs, die ersten nippten schon draußen an ihrem Aperol, man trug die neue Frühjahrsgarderobe spazieren. Eine wunderbare Atmosphäre, weit weg von klassischen Angstszenarien wie der verlassenen Unterführung.

Und trotzdem machte ich um jede größere Gruppe einen Bogen. Wer weiß? Sicher ist sicher. Vor dieser Silvesternacht hätte ich mir auf einem belebten Platz niemals Gedanken um meine persönliche Sicherheit gemacht – allerhöchstens um meinen Geldbeutel oder das Handy.

Jetzt plötzlich machte mir der Bahnhof in Kombination mit vielen Menschen … nein, nicht Angst, ich fühlte mich einfach nur etwas unwohl, obwohl es sehr, sehr unwahrscheinlich war, dass ich hier in eine gefährliche Situation geraten würde. Meine Antennen hatten sich anscheinend neu justiert. Und das ist auch so geblieben, ich bin einen Hauch vorsichtiger geworden; was ich allerdings nicht als Einschränkung meiner Lebensqualität empfinde: Hätte ich schon vor drei Jahren so gedacht, hätte ich die hübsche blaue Handtasche wahrscheinlich immer noch. Ein bisschen Vorsicht hat noch nie geschadet. 

Städte bereiten sich vor

Viele Städte bereiten sich derzeit auf die nächste Silvesternacht vor und bauen ihre Sicherheitskonzepte aus. Vielerorts wird die Polizei stärker präsent sein als in den Vorjahren. An vielen Hotspots gilt Böllerverbot – keine Raketen zum Beispiel auf der Domplatte in Köln, dafür spendiert die Stadt den Feiernden eine Multimedia-Inszenierung, zu der man nur durch Sicherheitskontrollen kommt. Kölns Polizeipräsident Jürgen Mathies will sicherstellen, dass „die, die friedlich feiern wollen“, das auch können.

Das sollen sie auch! Viele Menschen finden es toll, zusammen mit tausenden Anderen ins neue Jahr zu feiern. Einfach so. Frei, unbeschwert, im Vertrauen auf die Sicherheitskräfte – oder mit der Gabe, das persönliche mulmige Gefühl in eine der hinteren Ecken zu setzen und sich nicht von ihm herumkommandieren zu lassen. 

Vermutlich genauso viele zogen es aber schon vor den Vorfällen beim letzten Jahreswechsel vor, im kleinen Kreis zu bleiben. Einer bringt verkohlte Frikadellen mit, eine andere einen Nachtisch von absolut undefinierbarer Konsistenz und der dritte knallt eine Flasche Billigsekt auf den Tisch. Auch schön.

Leute, jetzt wird gefeiert! Auf ein Jahr, das uns hoffentlich nur wenig Anlass zu mulmigen Gefühlen und keinen Anlass zu großer Angst gibt!

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