Ein Insider packt aus: So schmiert die Pharmaindustrie Ärzte

30. Juli 2015 - 10:09 Uhr

Ein Golfurlaub unter Palmen, ein wertvolles Geschenk, ein Restaurantbesuch

Die Bundesregierung will künftig stärker gegen korrupte Ärzte, Apotheker und Pflegekräfte vorgehen. Ihnen droht sogar eine Gefängnisstrafe. Gegenüber RTL hat nun ein Insider ausgepackt, der erklärt, wie die Pharmaindustrie Mediziner umgarnt.

So schmiert die Pharmaindustrie Ärzte
15.000 Pharmavertreter machen jährlich 20 Millionen Besuche bei niedergelassenen Ärzten, um Werbung für ihre Produkte zu machen, und haben dabei oft die Spendierhosen an.

Der Neurologe Stefan Fegers empfängt in seiner Praxis schon längst keine Pharmavertreter mehr, und er ist Mitglied einer Initiative unbestechlicher Ärzte, die jede Fortbildung und damit verknüpfte Essenseinladungen selbst bezahlen und sich damit gegen den Einfluss der Pharmaindustrie wehren. Früher hatte auch Fegers spendierwilligen Besuch: "Ich hatte mal einen Pharmareferenten, der uns vorgeschlagen hat, bei der Umstellung eines Medikaments die gesamte PC-Anlage zu erneuern. Für mich ist es der bessere Weg, ohne eine solche Unterstützung zu arbeiten", so der Arzt.

Mal ein Golfurlaub unter Palmen, mal ein wertvolles Geschenk, mal ein schicker Restaurantbesuch: 15.000 Pharmavertreter machen jährlich 20 Millionen Besuche bei niedergelassenen Ärzten, um Werbung für ihre Produkte zu machen, und haben dabei oft die Spendierhosen an. Um rund zehn Milliarden Euro sollen die Kassen durch die Mauscheleien betrogen werden – im Jahr. Justizminister Heiko Maas (SPD) will dem nun einen gesetzlichen Riegel vorschieben: "Insofern können sich die Patientinnen und Patienten mit dieser Regelung sicher sein, dass die schwarzen Schafe, die es gibt, künftig ein Fall für den Staatsanwalt werden, und damit die Integrität und das Vertrauen in die Heilberufe insgesamt gestärkt wird."

"Korruption will niemand"

Ab 2016, wenn das Gesetz in Kraft tritt, drohen den niedergelassenen Ärzten, Therapeuten und Apothekern bei solch krummen Geschäften bis zu drei Jahre Haft. Bisher war es nicht strafbar, wenn ein Arzt zum Beispiel die teureren Pillen verordnete und damit der Pharmafirma und gleich auch dem Apotheker Gewinn zuschusterte. Das Gros der Ärzte verwahrt sich allerdings dagegen, unter Generalverdacht gestellt zu werden.

"Korruption will niemand, wir als Allerletzte, aber hier handelt es sich doch letztlich um ein Nischenproblem – und dass man das so gesetzgeberisch angeht, misst dem Ganzen doch eine Bedeutung zu, die vielleicht der realen Lage nicht ganz entspricht", meint Andreas Gassen

von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung.

Ein Nischenproblem? Diese "Unterstützung" ist seit Jahrzehnten Praxis. Haben Patienten jetzt aber den Verdacht, ihr Arzt denke nur an den eigenen Vorteil, können sie die Kasse darauf hinweisen, auch anonym. Florian Lanz vom GKV Spitzenverband erklärt, wie es dann weitergeht: "Die kann dann aktiv werden und zum Beispiel an die Staatsanwaltschaft herantreten. Sie kann aber auch Abrechnungsdaten überprüfen und sagen: Da haben ein paar Patienten ein komisches Gefühl gehabt. Geben die Abrechnungsdaten dafür Indizien her, könnte man die Strafverfolgung einschalten."

Doch trotzdem bleibt vieles auch jetzt noch erlaubt: Werden Ärzte von der Pharmalobby zu Fortbildungen eingeladen oder bezahlt die Industrie sie, damit sie an Studien teilnehmen, bleibt das auch künftig erst einmal legal.