"Ein Enttäuschter würde schon reichen": Spannung vor möglicher Ramelow-Wahl zum ersten linken Landeschef

05. Dezember 2014 - 19:21 Uhr

RTL-Reporter Thomas Präkelt berichtet aus Thüringen

Er hat nur diese hauchdünne Mehrheit von einer Stimme - aber sie soll reichen, damit Bodo Ramelow heute zum ersten Ministerpräsidenten der Linkspartei gekürt wird. Trotz der Zuversicht des 58-Jährigen, es könnte eine Zitterpartie im Erfurter Parlament werden. Die rot-rot-grüne Allianz hat in ganz Thüringen viele Kritiker. Am Abend demonstrierten fast 2.000 Gegner der wahrscheinlich neuen Landesregierung.

Spannung vor Ramelow-Wahl
Bodo Ramelow will erster linker Ministerpräsident werden.
© dpa, Britta Pedersen

Im Parlament vereint die Dreierkoalition 46 Sitze auf sich, CDU und AfD haben zusammen 45 Mandate. "Knappe Mehrheiten disziplinieren ja", meint RTL-Reporter Thomas Präkelt in Erfurt. "Aber nirgendwo ist der Abgeordnete stärker und mutiger als bei einer geheimen Wahl in der Wahlkabine – da kann es schon mal einen Enttäuschten geben, und der eine Enttäuschte würde ja schon reichen, um Ramelow durchfallen zu lassen."

Politologe aus Jena gegen Ramelow?

Die CDU würde in dem Fall im dritten Wahlgang, wo eine einfache Mehrheit reicht, wohl einen unabhängigen Kandidaten aufstellen, der auf dem Papier für alle wählbar scheint. "Das wird wohl, so heißt es, ein Hochschuldirektor aus Jena sein", so Präkelt. "Ein Politologe, der nicht im tagespolitischen Parteiengezänk verhaftet ist." Noch-Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (CDU) hatte zuvor ausgeschlossen, dass sie antritt. Der CDU steht nach 24 Jahren Regierungsverantwortung vor dem Gang in die Opposition.

Rot-Rot-Grün ist bundesweit umstritten. Bei einer Kundgebung am Landtag in Erfurt hatten am Abend fast 2.000 Menschen mit Kerzen und 'Stasi raus!'-Parolen gegen das Bündnis unter Führung der SED-Nachfolgepartei protestiert.

Aber auch die CDU sieht sich einiger Kritik gegenüber, weil sie mit der AfD gemeinsame Sache machen müsste, um die Wahl Ramelows zu verhindern. Die Union hatte zuletzt auch auf Druck von Kanzlerin Angela Merkel eine Zusammenarbeit mit der Alternative für Deutschland auf Bundes- und Landesebene ausgeschlossen.