"Erstaunt, teilweise überfordert, aber sehr glücklich!"

Ein Ausflug zurück ins Leben: Tübingen macht es möglich

Modellprojekt in Tübingen - aufbauend auf Tests

Unser Leben vor dem Lockdown fühlt sich sehr weit weg an. Wer wissen möchte, wie das genau war, kann es in Tübingen erleben. Cappuccino trinken im Café, shoppen im Kaufhaus mit anderen Menschen, im Kino sitzen oder ins Theater gehen. All das ist im baden-württembergischen Tübingen möglich. Unsere Reporterin Romy Schiemann hat sich das Tübinger Leben einen Tag angeschaut. Ihr Fazit: „Ich war erstaunt, teilweise überfordert, aber sehr glücklich!“

Aber lesen Sie selbst…

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von Romy Schiemann

Tübingen macht auf. Reporterin Romy Schiemann macht den Test.
Tübingen macht auf. Reporterin Romy Schiemann macht den Test.
RTL

Seit dem 16. März 2021 testet das Land gemeinsam mit der Stadt Tübingen das Modellprojekt „Öffnen mit Sicherheit.“Bis Ostersonntag will man versuchen, ein Leben mit der Corona-Pandemie zu ermöglichen. Unabhängig von den Inzidenzzahlen in Deutschland hält der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer an dem Projekt fest. „ Ich hoffe, dass sich bei uns die Zahlen besser entwickeln als im Rest des Landes, weil wir so intensiv testen. Aber wenn sich zeigen würde, dass bei uns die Zahlen zu schnell ansteigen, würde das Landesgesundheitsamt den Abbruch des Versuchs anordnen“, so Boris Palmer. Das ist derzeit aber nicht der Fall. Das Projekt läuft wie geplant weiter.

Doch wie funktioniert das genau?

Ich probiere es aus. Zuerst muss ich mich in der Schlange an einer der 9. Teststationen anstellen. Der Andrang ist groß. Dr. Lisa Federle ist Ärztin und hat die Idee zum Projekt mitentwickelt. Sie führt den Schnelltest bei mir durch und erzählt, dass derzeit täglich 3.000-4.000 Corona-Tests durchgeführt werden, finanziert durch Steuergelder. Mit dem Projekt kann Tübingen ihrer Meinung nach nur gewinnen, sagt Dr. Lisa Federle: „entweder schaffen wir das so, dann wird das Projekt übernommen und ist eine riesige Chance für die Menschen. Sollte es so nicht funktionieren, haben wir zumindest dem Bürger gezeigt, dass wir alles tun um ihn/sie mitzunehmen“.

Nach 20 Minuten habe ich mein Ergebnis: negativ. Ich bekomme also meinen Tagespass ausgestellt auf meinen Namen und das heutige Datum. Jetzt darf ich bis zum Abend alle Angebote in Tübingen nutzen und kann es kaum erwarten.

Ein kurzer Ausflug ins Leben

Romy Schiemann wird getestet. Nur mit negativem Test kann in Tübingen das "normale" Leben wieder stattfinden.
Romy Schiemann wird getestet. Nur mit negativem Test kann in Tübingen das "normale" Leben wieder stattfinden.
RTL

Zuerst trinke ich einen Cappuccino im Café, genauer gesagt im Freien denn nur die Außengastronomie darf öffnen. Ich muss meinen Tagespass zeigen und eine Selbstauskunft ausfüllen mit meinen Kontaktdaten. Auch wenn es bei 5 Grad ziemlich kalt ist, überwiegt das gute Gefühl, in Ruhe sitzen zu dürfen und das ohne Maske. Gestärkt geht es weiter zum Shoppen. Auch hier zeige ich meinen Tagespass, desinfiziere die Hände und darf das Kaufhaus direkt betreten. Ganz normal shoppen und das mit anderen Menschen fühlt sich eigenartig an. Ich bin irritiert und auch etwas überfordert, da das Bild, das sich mir hier bietet, so ungewohnt ist. Kleidung in der Kabine vor Ort anprobieren, mit der Verkäuferin plaudern ohne jeglichen Zeitdruck, wie sehr habe ich das vermisst. So geht es auch anderen Menschen. Im Modehaus Zinser shoppen jetzt Kunden aus Frankfurt oder vom Bodensee. Sorgen macht sich der Sprecher des Modehauses Christian Klemp wegen des Tourismus aber nicht. „Wieviel Sicherheit wollen wir denn noch? Wir haben total funktionierende Hygienekonzepte. Wir laufen alle mit Maske rum, schützen uns damit und sind negativ getestet.“

Das gilt auch für einen Kino- oder Theaterbesuch. Eine Vorstellung ist hier leider nicht geplant. Kinobetreiber Dieter Betz erzählt mir, dass man das Angebot eigentlich nur am Wochenende geplant hat. Die Nachfrage sei aber so groß, dass künftig vermutlich auch Vorstellungen unter der Woche stattfinden sollen.

Ein schöner Tag in Tübingen neigt sich dem Ende zu. Es war ein Tag, der sich ein bisschen angefühlt hat wie „früher“, ein kurzer Ausflug zurück ins Leben.