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Ein alter Mann rechnet ab - Kohl will Schwan-Buch stoppen

Ein alter Mann rechnet ab - Kohl will Schwan-Buch stoppen

Deutliche Worte über Merkel, Blüm und Wulff

Altkanzler Helmut Kohl geht nach einem 'Focus'-Bericht erneut juristisch gegen seinen früheren Biografen Heribert Schwan vor. Wie das Magazin berichtet, beauftragte Kohl seine Anwälte, die Veröffentlichung eines neuen Schwan-Buches beim Heyne Verlag zu stoppen. Grund des Streits sei der Verdacht, Schwan habe für die Publikation jene 200 Tonbänder aus Gesprächen mit Kohl verwertet, deren Nutzung ihm nach seinem Bruch mit dem Altkanzler vom Oberlandesgericht Köln im August untersagt wurde.

Abrechnung des Einheitskanzlers
Kohl rechnet ab
dpa, Uwe Anspach

Der langjährige CDU-Vorsitzende stellt laut 'Focus' am Mittwoch persönlich die Neuausgabe seiner Erinnerungen auf der Frankfurter Buchmesse vor. Am 3. November folge dann die Präsentation seines neuen Buches 'Aus Sorge um Europa - ein Appell'. Wie 'Der Spiegel' schreibt, hat Kohl in den Schwan-Interviews teils drastisch mit Parteifreunden abgerechnet. Er klagte nach den Informationen in deutlichen Worten über CDU-Politiker wie die jetzige Kanzlerin Angela Merkel, seinen früheren Arbeitsminister Norbert Blüm oder den späteren Bundespräsidenten Christian Wulff.

In den Interviews äußerte sich Kohl auch zur friedlichen Revolution in der DDR. Nach Auffassung des Altkanzlers trug nicht in erster Linie die ostdeutsche Bürgerrechtsbewegung zum Zusammenbruch des Regimes bei - vielmehr sei dafür die wirtschaftliche Schwäche der Sowjetunion ursächlich gewesen. Über den Streit zwischen Kohl und Schwan muss wohl der Bundesgerichtshof entscheiden. Der Journalist hat in Karlsruhe Revision gegen das Kölner Urteil eingelegt. Danach darf Kohl die 200 Tonbänder behalten. Schwan erhebt als Ghostwriter ebenfalls Anspruch darauf. Kohl war 2001/2002 von Schwan befragt worden.