Seehofer: Verdächtiger im Fall Susanna im Irak gefasst

08. Juni 2018 - 16:13 Uhr

Kurdische Sicherheitskräfte nehmen Ali Bashar fest

Sie haben ihn! Der Tatverdächtige im Fall der getöteten 14-jährigen Susanna, Ali Bashar, ist im Irak festgenommen worden. Er wurde von kurdischen Sicherheitskräften verhaftet. Das sagte Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) in Quedlinburg. Der Mord an dem Mädchen hatte bundesweite Anteilnahme und Entsetzen ausgelöst, allerdings auch Kritik an den deutschen Behörden.

Kein Auslieferungsabkommen mit dem Irak

07.06.2018, Rheinland-Pfalz, Mainz: Kerzen und Plüschtiere stehen vor dem Haus der Mutter der getöteten Susanna F.. Die 14-jährige wurde Opfer eines Sexualdeliktes. Ihre Leiche war im benachbarten Wiesbaden (Hessen) entdeckt worden. Der Tatverdächtig
Der Mord an Susanna hatte großes Entsetzen und Anteilnahme ausgelöst.
© dpa, Boris Roessler, brx tba

Wörtlich sagte der Innenminister: "Der im Zusammenhang mit dem Tötungsdelikt an Susanna F. beschuldigte Ali B. ist heute Nacht, am 8. Juni 2018, gegen 2.00 Uhr durch kurdische Sicherheitsbehörden im Nordirak auf Bitten der Bundespolizei festgenommen worden." Ferner sagte er: "Das mit der Auslieferung läuft jetzt nach den internationalen Regeln. (…) Ich danke den beteiligten kurdischen Sicherheitskräften, dass diese die Verhaftung möglich gemacht haben. Dieser Erfolg ist das Ergebnis der guten Zusammenarbeit zwischen den kurdischen Sicherheitsbehörden im Irak und der deutschen Bundespolizei."

Die Wiesbadener Staatsanwaltschaft hofft auf eine Auslieferung des 20-Jährigen. Das könnte aber kompliziert werden. "Wir haben wenig Erfahrung, wie sich der Irak in so einer Lage verhält", sagte eine Sprecherin. Die Bundesrepublik hat keine Auslieferungsabkommen mit dem Irak. Die dortigen Behörden sind daher nicht vertraglich zu einer Auslieferung verpflichtet. Der Antrag auf Auslieferung müsse über die Generalstaatsanwaltschaft gestellt werden. 

Dass der Tatverdächtige sich als irakischer Bürger in seinem Heimatland für den Tod der 14-Jährigen zu verantworten habe, sei rechtlich nicht möglich. "Im Irak droht ihm die Todesstrafe. Wir können daher keinen Strafverfolgungsantrag stellen", sagte die Sprecherin.

Vermutlich wurde sie ermordet, um die Vergewaltigung zu vertuschen

dpatopbilder - 08.06.2018, Hessen, Wiesbaden: Blumen liegen neben und auf einem Foto in der Nähe des Leichenfundortes von Susanna F. Die 14-jährige wurde Opfer eines Sexualdeliktes. Der mutmaßliche Täter hat sich in sein Heimatland Irak abgesetzt. (K
Trauer um die Getötete in der Nähe des Tatorts.
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Die 14-jährige Susanna war nach  Angaben der Ermittler durch eine "Gewalteinwirkung" auf den Hals zu Tode gekommen. Ob sie erwürgt oder erdrosselt wurde, blieb zunächst unklar. Die Ermittler gehen davon aus, dass das Mädchen ermordet wurde, um eine Vergewaltigung zu vertuschen. Sie war am 22. Mai von ihrer Mutter als vermisst gemeldet worden. Der entscheidende Hinweis auf die mutmaßlichen Täter kam von einem 13-jährigen Jungen, der in der gleichen Flüchtlingsunterkunft wie Ali Bashar wohnte.