Eigene Wikipedia-Seite auf Facebook: Was steckt hinter der Funktion?

Hier erteilt der Nutzer die Zustimmung für die Datenfreigabe.

29. Mai 2015 - 14:07 Uhr

Von Sarah Herpertz

Diese Status-Meldung verwirrt Facebook-User seit einiger Zeit: Plötzlich kann sich vermeintlich jeder eine eigene Wikipedia-Seite anlegen lassen. Was hinter der nicht ganz ernst gemeinten Funktion steckt und welche Risiken sie birgt, erfahren Sie hier.

Über eine Facebook-Verlinkung oder die Website ˈmein-wahres-ich.deˈ selbst gelangt der User ganz einfach auf eine Startseite, die zeigt, wie eine sogenannte Wiki-Parodie aussieht. Der Haken: Bevor ein eigener Beitrag erstellt werden kann, verlangt die Website Zugriff auf öffentliches Profil und E-Mail-Adresse. Erklärt sich der User einverstanden, erscheint nach einem Klick der Wikipedia-Eintrag. Eine Parodie, wonach der Nutzer mal Schlangenmelker, mal Drogenschmuggler ist. Außer Vor-, Nachnamen und Profilbild sind persönliche Informationen Fehlanzeige. Und ob der Fake-Eintrag letztendlich bei Facebook geteilt wird, kann jeder selbst entscheiden.

Was passiert mit freigegebenen Daten?

Wiki-Parodie
So sieht meine persönliche Wiki-Parodie aus.

Viele Datenschützer warnen vor der neuen Anwendung. Durch die Verknüpfung mit Facebook nimmt sich die App das Recht heraus, auf alle Informationen aus dem Profil zuzugreifen. Der Website ist laut dem Landesdatenschutzbeauftragten Oliver Berthold aus Berlin in diesem Punkt jedoch keine Vorwurf zu machen. Immerhin gebe jeder, der die Funktion nutzt, seine Daten freiwillig preis. Zudem sei der Zugriff auf das öffentliche Facebook-Profil die Basis für das System sämtlicher Funktionen, die mit dem sozialen Netzwerk verknüpft sind.

Einzig die Frage bleibt, weshalb die Website überhaupt Drittportale wie Facebook einbindet. "Datenschutzfreundlich wäre es, wenn neben der Verbindung mit Facebook weitere Zugangsmöglichkeiten geschaffen würden, insbesondere die Möglichkeit, notwendige Daten direkt ohne Rückgriff auf Drittdienste einzugeben", so Experte Berthold.

Die gute Nachricht: Die App kann rückwirkend über die Option ˈEinstellungˈ bei Facebook wieder gelöscht werden. Damit wird den Betreibern automatisch das Recht entzogen, weiter auf persönliche Daten zuzugreifen. "Die Regeln von Facebook schreiben zudem meines Wissens vor, dass die Betreiber des Angebotes in diesem Fall bereits erhobene Daten löschen müssen", sagt Datenschützer Berthold. Am Ende stehen jedoch die üblichen Datenschutz-Bedenken, wenn es um die Info-Krake Facebook geht.