Grausame Teufelsaustreibung: Eigene Familie quält Frau (41) zu Tode - Prozess in Frankfurt beginnt

11. Oktober 2016 - 13:50 Uhr

Die Familie vermutete einen Dämon in ihr

In Frankfurt ist eine 41-jährige Südkoreanerin Opfer eines Aberglaubens geworden. Weil sie unvermittelt um sich geschlagen und Selbstgespräche geführt haben soll, sollen fünf Familienangehörige versucht haben, einen Exorzismus an der Frau durchzuführen – mit tödlichem Ausgang. Dafür stehen sie ab Montag in Frankfurt vor Gericht.

Ihr eigener Sohn (16) war an der Tat beteiligt

Nach Ansicht des Gerichts sollen die fünf Verwandten ihr Opfer bei den rituellen Handlungen mindestens zwei Stunden auf unterschiedliche Art und Weise gequält haben und ihr Schmerzen zugefügt haben, "die über das für die Tötung notwendige Maß erheblich hinaus gingen". Ihr eigener Sohn (16) und dessen Cousin (15) setzten sich auf ihre Beine. Andere hielten ihre Arme fest. Gemeinsam versuchten die mutmaßlichen Täter, ihre Verwandte wehrlos zu machen, um so den "Dämon" auszutreiben. Sie drückten das Opfer zu Boden. Staatsanwältin Sandra Dittmann sagte, diese Tat sei "von gefühlloser, unbarmherziger Gesinnung" getragen gewesen.

Um die Schreie der Frau zu unterdrücken, soll ihr außerdem ihre 44-jährige Cousine brutal ein Handtuch und einen Kleiderbügel in den Mund gesteckt haben. Letztendlich sei die Frau gestorben, als sich mehrere Personen auf ihren Brustkorb gekniet hätten und ihr der Hals zugedrückt wurde. Durch diese qualvollen Handlungen sei sie dann erstickt. Der Körper der Toten sei von blauen Flecken gezeichnet und ihre Mundwinkel eingerissen und blutig gewesen.

Nach dem tödlichen Exorzismus hatte die Cousine der Getöteten dann einen Pfarrer der koreanischen evangelischen Zion-Gemeinde gerufen. Von der Tat entsetzt verständigte er die Polizei.

Viele Koreaner glauben auch heute noch an Schamanen und Geister

Pater Gabriele Amorth, langjähriger Chef-Exorzist der Diözese Rom
Auch in der katholischen Kirche gibt es vereinzelt den Ritus der Teufelsaustreibung. Pater Gabriele Amorth war langjähriger Chef-Exorzist der Diözese Rom.
© dpa, Giulio Napolitano, lc sup

Die Staatsanwaltschaft hat Anklage wegen Mordes erhoben. Alle fünf Beteiligten "nahmen ein Ersticken der Frau zumindest billigend in Kauf", heißt es zur Begründung. Ein psychologisches Gutachten hat bei den fünf Angeklagten keine Auffälligkeiten ergeben. Sie sind wohl schuldfähig.

Beim Prozessauftakt wirkten die Angeklagten sichtlich nervös. Sie haben sich zu den Tatvorwürfen bisher nicht geäußert. Sie starrten meist auf den Boden. Die Verständigung mit der Familie gestaltete sich trotz Dolmetscher schwierig.

Alle Beschuldigten stammen aus Südkorea und sind erst vor kurzem nach Frankfurt gekommen, um dort einen Export-Import-Handel aufzubauen. Sie hatten eigentlich ein Haus im Taunus gemietet. Dort sind sie aber wieder ausgezogen, weil dort angeblich Dämonen hausten. Deshalb seien sie in ein Frankfurter Hotel gezogen, wo die grausame Tat stattfand.

In Südkorea ist es nicht unüblich, althergebrachte Riten und Handlungen zu vollziehen. Auch der christliche Glaube hält viele Koreaner nicht davon ab, an Schamanismus zu glauben.