Eiffelturm, Capitol und Neuschwanstein im Vorgarten

Albert Diekmann steht neben seinem Nachbau vom Pariser Eiffelturm in seinem Vorgarten. Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa
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29. August 2020 - 8:42 Uhr

Paris, Las Vegas, Abbensen - den Eiffelturm kann man auch in der Provinz besuchen, ohne in ferne Großstädte zu reisen. Aber nicht nur das Pariser Wahrzeichen, auch das Capitol in Washington, Big Ben in London oder Schloss Neuschwanstein hat ein Rentner in Abbensen, einem Ortsteil von Wedemark bei Hannover, in Miniatur nachgebaut - in seinem Vorgarten, aus Holz, Draht und Estrichbeton. Insgesamt zwölf Bauwerke, darunter auch der markante Wasserturm in Lehrte, habe er seit 1998 errichtet, sagte der 78 Jahre alte Albert Diekmann. Seit einigen Jahren nimmt er sich allerdings keine neuen Bauprojekte mehr vor - aus Altersgründen, wie er sagt. So hat er sich aufs Renovieren verlegt: Denn wie die großen Vorbilder leiden auch die Nachbauten manchmal unter Frostschäden oder brauchen neue Fassadenfarbe.

Für die Bauten in seinem Garten hat er einiges in Bewegung gesetzt: "Wenn man ein Hobby pflegt, schaut man nicht unbedingt aufs Geld", erklärte der 78-Jährige. War er klamm an Materialien, mussten seine Einnahmen als musikalischer Alleinunterhalter herhalten. Dabei war sein Beruf eigentlich ein ganz anderer: Bahnbeamter im Innendienst, mit dem Handwerk hatte er "nichts zu tun".

Wie kommt ein Eisenbahner mit Bürojob auf den Bau? Vor 22 Jahren habe seine Frau das Modell einer Burg für den Garten geschenkt bekommen, erzählte Diekmann. Das habe er sich angesehen - und es leicht verbessert, kleine Dachziegel statt Pappe etwa. Dann fand er Spaß daran, und als er in Pension ging, hatte er Zeit. Und suchte Motive in der Umgebung - die Abbenser Kapelle steht praktischerweise gewissermaßen nebenan.

"Es ist spannend, mit Holz und Beton umzugehen", sagte der 78-Jährige. Seine Technik: Aus Estrichbeton gießt er etwa drei Zentimeter dicke Platten in selbstgebauten Holzformen, Drahtmatten geben den Platten Festigkeit. Ist der Beton nach einigen Wochen getrocknet, fügt er die Platten zusammen und baut Fenster ein. Seine Motive aber fand er nicht nur nebenan, sondern besorgte sich Fotos, Zeichnungen oder Modelle - oder verwendete eigene Urlaubsfotos. Ganz schwierig: Schloss Neuschwanstein. Denn Baupläne seien nicht zu bekommen, sagte Diekmann.

Also fuhr er hin - und fand im Kiosk ein 3D-Puzzle des Märchenschlosses. "Als ich das für 12 oder 13 Euro in Händen hielt, war die Besichtigung für mich gelaufen", erinnerte sich der 78-Jährige lachend. Anhand der Puzzleteile habe er Maß genommen, diese vergrößert in Beton gegossen - insgesamt 90 Teile. Nicht höher als 1,80 Meter sollte das Modell werden. "Das hat mich fast ein Jahr gekostet", sagte er. Erst ein Jahr später habe er die Teile zum Schloss zusammengesetzt. Und das, so sagte er, "ist mir mit 78 Jahren zu anstrengend". Künftig erhält er seine Sammlung nur noch.

Warum eigentlich Beton? Mit Holz habe er nicht so gut umgehen können, beim Estrichbeton habe er viel dazugelernt - und es sollte haltbar sein. Teils verzierte er die Gebäude mit gefundenen Kieseln oder Muscheln. Seine Lebensgefährtin unterstütze sein Hobby: Sie sei immer stolz gewesen, bestimmen zu dürfen, wo welche Bauwerke im Garten aufgestellt werden. Und die Menschen hätten Spaß daran, Radfahrer oder Schulklassen kämen vorbei.

Doch größer wird die Miniaturwelt im Vorgarten nicht mehr, dabei hat er sich seinen eigentlichen Traum nicht einmal erfüllen können: Das berühmte indische Mausoleum Taj Mahal wollte Diekmann nachbauen, dazu kommt es jetzt aber nicht mehr: "Das bleibt ein Traum."

Quelle: DPA