Keine 24 Stunden nach Kontakt folgten heftige Symptome

"Als ob meine Kehle zugeschnürt wird": Sophie (23) warnt vor Eichenprozessionsspinner

Sophie G. ist beim Waldspaziergang mit den gefährlichen Brennhaaren des Eichenprozessionsspinners in Berührung gekommen. Die Folge: Eine heftige allergische Reaktion.
Sophie G. ist beim Waldspaziergang mit den gefährlichen Brennhaaren des Eichenprozessionsspinners in Berührung gekommen. Die Folge: Eine heftige allergische Reaktion.
© dpa / Sophie G. (Privat)

14. Mai 2022 - 11:26 Uhr

von Vera Dünnwald

Gerade jetzt, wo das Wetter wieder schön ist, erfreut man sich an einem Freitagabend ganz besonders über einen netten Feierabend-Spaziergang mit der Familie. Dass sich daraus ein echtes Horror-Szenario entwickeln und plötzlich die Gesundheit auf dem Spiel stehen würde, darauf wäre Sophie G. (23) aus Mittelhessen nicht gekommen. Doch dann kam der Eichenprozessionsspinner.

Sophie kommt mit den Brennhaaren des Eichenprozessionsspinners in Berührung

"Am Freitagabend war ich mit meinem Freund und mit meinen Eltern im Wald unterwegs. Wir wohnen eher ländlich, deswegen ist es immer sehr schön, dort mit den Hunden spazieren zu gehen. Weil mein Freund und mein Vater einen eher abenteuerlichen, steileren Weg gehen wollten und wir darauf keine Lust hatten, haben meine Mutter und ich uns für einen längeren Umweg entschieden. Und dort muss es dann passiert sein", erzählt Sophie gegenüber RTL. Sie habe die Äste aus dem Weg gedrückt, damit ihre Mutter hinter ihr her gehen konnte. Diese nette Geste sollte sich keine 24 Stunden später als Fehler erweisen.

"Nach dem Spaziergang war eigentlich alles unauffällig und ruhig, ich war samstags sogar noch unterwegs. Doch dann hab ich auf einmal Pusteln und Quaddeln am Körper bekommen, die sehr geschmerzt haben und kurz darauf sogar zu richtigen Blasen wurden. Das Ganze hat angefangen zu jucken und zu brennen; es war die Hölle." Weil Sophie allergisch gegen Pollen, Gräser, Bienen und Wespen ist, habe sie sich zunächst nicht viel dabei gedacht. "Ich habe öfter mit allergischen Reaktionen zu kämpfen. Meine Stimme bleibt sogar manchmal weg. Das war dieses Mal auch der Fall, aber ich dachte halt, dass es schon nicht so schlimm sein wird und sich von alleine wieder beruhigt."

Pusteln am Körper, im Rachen und in der Nase

Doch eine Sache habe sie verunsichert: "Plötzlich fing auch mein Hals an wehzutun und es bildeten sich Pusteln im Mundbereich und im Rachen. Sogar in der Nase hatte ich welche. Das hat sich angefühlt, als ob mir meine Kehle zugeschnürt wird – und da hab ich schon ein bisschen Panik bekommen, so etwas kannte ich nicht." Auch am nächsten Morgen war ihre Situation fast unverändert. "Wir haben uns dann mal meine Klamotten vom Spaziergang genauer angeguckt, weil wir überzeugt davon waren, dass da irgendetwas dran sein musste. Als ich die Kleidung dann erneut angefasst habe, kam wirklich sofort ein neuer Ausschlag", so die Verwaltungsangestellte.

Sie fasste den Entschluss, nach Gießen ins Krankenhaus zu fahren. Ein Arzt bestätigte ihr den Kontakt mit dem gefährlichen Eichenprozessionsspinner, einer Schmetterlingsart, deren Brennhaare leicht abbrechen, auf Spaziergänger und Radler herabfallen und solche allergischen Reaktionen auslösen können. Die Hochphase des Eichenprozessionsspinners sind die Wochen von Ende Mai bis Juni, da werden die meisten Brennhaare der Raupen aus den Nestern geweht und über die Luft verteilt.

RTL NEWS empfiehlt

Anzeigen:

Heftige Reaktion: Arzt warnt vor weiterer Begegnung mit dem Eichenprozessionsspinner

Sophie nach Begegnung mit Eichenprozessionsspinner.
Jetzt muss Sophie einen Verband tragen.
© Sophie G. /(Privat)

Am Montag war sie nochmal beim Hausarzt, der sie vor einem weiteren Kontakt mit dem Eichenprozessionsspinner gewarnt hat: "Er hat mir ebenfalls erklärt, dass der Eichenprozessionsspinner aktuell Hochsaison hat und dass ich aufpassen soll, denn der zweite Kontakt wäre meist noch schlimmer. Wenn so etwas nochmal passiert, könnte es bei mir sogar bis zu einem anaphylaktischen Schock kommen, denn ich habe laut ihm hochallergisch auf die Brennhaare reagiert."

Jetzt muss Sophie erst einmal warten und wieder gesund werden: "Ich habe ein paar Tage lang täglich hohe Dosen Cortison sowie einen Epipen bekommen. Meine Arme müssen regelmäßig mit Salbe eingeschmiert werden und befinden sich die meiste Zeit im Verband. Der Juckreiz macht mich fast wahnsinnig und ist wirklich furchtbar. Es brennt auch sofort, wenn Luft, Sonne oder Wasser dran kommen, denn teilweise habe ich ja noch immer offene Blasen." Wann sie den Verband los wird, wisse sie noch nicht. Im schlimmsten Fall könne es aber wohl bis zu drei Wochen dauern, wie Sophie uns im Interview sagt.

Mit ihrer Geschichte möchte sie andere Spaziergänger, Jogger, Fahrradfahrer und Co. warnen und Bewusstsein für die Begegnung mit dem Eichenprozessionsspinner schaffen: "Es geht schnell, man bemerkt erst nichts – doch es kann wirklich etwas passieren. Ich bin erwachsen – aber ich will mir gar nicht vorstellen, wie es ist, wenn ein Kind das durchmachen muss, was ich gerade durchmache. Und auch für Hunde kann es gefährlich werden."

Lese-Tipp: Gefährliche Plagegeister! Vorsicht vor diesen Insekten

Das hat es mit dem Eichenprozessionsspinner auf sich - und was Sie tun können

Das gefährliche am Eichenprozessionsspinner (EPS) sind seine Brennhaare – diese sind von innen hohl und enthalten das Nesselgift Thaumetopoein. Die Härchen der Raupe brechen schnell ab, werden über die Luft transportiert und möglicherweise eingeatmet. Sie sind an der Außenseite mit Widerhaken versehen, mit denen sie sich an der Haut oder in den Schleimhäuten festsetzen können.

Lese-Tipp: Eichenprozessionsspinner lösen heftige Allergien aus: Das hilft im Notfall

Die dadurch entstehenden allergischen Reaktionen können sich als Ausschläge, leichte Schwellungen, starker Juckreiz und Brennen äußern. Aber auch stärkere Reaktionen sind bei manchen Menschen möglich, etwa die Bildung von Quaddeln. Werden die Haare eingeatmet, kann das Bronchitis, schmerzhaften Husten und Asthma verursachen.

Schwindel, Fieber, Müdigkeit und Bindehautentzündungen sind Begleiterscheinungen, in Einzelfällen sind sogar allergische Schockreaktionen möglich. Bei schweren Symptomen sollte ein Arzt aufgesucht werden.

Bei Kontakt mit dem Eichenprozessionsspinner hilft im Notfall folgendes:

  • Bei kleineren Reaktionen Lotionen oder Gels auftragen, die auch bei Mückenstichen zum Einsatz kommen.
  • Befallene Gebiete vermeiden und stets lange Kleidung tragen.
  • Getragene Kleidung schnell wechseln und waschen.
  • Die Kleidung getrennt von anderer Wäsche waschen.
  • Vor dem Waschen eine Kleiderbürste oder Fusselrolle nutzen.