22. Mai 2019 - 11:10 Uhr

Paar wollte Frau nach Afrika verkaufen

Sie sind gleich wegen zwei Taten angeklagt. Am Dienstag muss sich ein Ehepaar vor dem Landgericht Meiningen unter anderem wegen Menschenhandels verantworten. Sie sollen eine 31-Jährige und ihre Zwillinge festgehalten haben. Angeblich planten Patrik und Andrea M., die Frau nach Afrika zu verkaufen und ihre Kinder zu behalten. Außerdem wird Patrik M. der sexuelle Missbrauch seiner zwei Söhne in drei Fällen vorgeworfen.

Unter Vorwand ins Haus gelockt

Als der Angeklagte, Patrik M., den Gerichtssaal betrat, versuchte er, sein Gesicht mit einem weißen Blatt Papier zu verdecken. Die Anklage gegen ihn und seine Ehefrau, Andrea M., lautet: Menschenhandel und schwerer sexueller Missbrauch von Kindern. "Die Angeklagten sollen im September 2018 eine Frau mit deren Zwillingen im Säuglingsalter unter einem Vorwand in ihr Haus gelockt haben", sagte Gerichtssprecher Bernhard Landwehr im RTL-Interview. Das Paar hätte geplant, die Kinder allein großzuziehen und als seine eigenen auszugeben. Die Mutter hätten Patrik und Andrea M. nach Afrika verkaufen wollen.

Das Ausmaß ist "hammerhart"

Die Mutter und ihre Zwillinge lebten eigentlich in einem Mutter-Kind-Heim. Um die geistig behinderte Frau daran zu hindern, dorthin zurückzukehren, hielten sie sie mit einer Lüge bei sich. Sie erklärten der Mutter, dass sie, wenn sie nach Ende der Ausgehzeit ins Heim käme, das Jugendamt ihre Kinder wegnehmen würde. Später konnte sich die Zwillingsmutter jedoch selbständig aus den Fängen des Ehepaares befreien und darüber berichten, was ihr widerfahren war.

Als die Anklage und der angebliche Tathergang verlesen wurden, sah man fassungslose Gesichter im Publikum. Die Familie des Opfers - darunter auch der Vater der Zwillinge - sagten später, dass sie das Ganze "hammerhart" fänden und ihnen das Ausmaß jetzt erst bewusst werde.

Nicht die einzige Anklage

Neben der oben genannten Anklage muss sich Patrik M. außerdem wegen eines noch viel schwereren Delikts verantworten, das ihn lebenslänglich hinter Gitter bringen könnte. "Der angeklagte Ehemann soll außerdem in drei Fällen sexuelle Handlungen an zwei seiner Söhne vollzogen haben, die zur Tatzeit nicht älter als sieben Jahre alt gewesen sein sollen", so Gerichtssprecher Bernhard Landwehr. Weil die Ehefrau von den Taten gewusst, aber nichts dagegen unternommen hatte, muss auch sie sich vor Gericht verantworten.