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Ehepaar startet Rettungsmission für Flüchtlinge: "Wir wollen nicht zulassen, dass das Mittelmeer ein Friedhof wird"

Ehepaar startet Rettungsmission für Flüchtlinge: "Wir wollen nicht zulassen, dass das Mittelmeer ein Friedhof wird"

"In ihren Augen spiegelt sich so viel Dankbarkeit"

Immer wieder wird Kritik an der europäischen Flüchtlingspolitik laut: Zu langsam laufen Hilfen für die zahlreichen Flüchtlinge an, die vor der italienischen Küste stranden. Tausende kommen jährlich bei der riskanten Fahrt über das Mittelmeer ums Leben. Wo die Nationen versagen, werden Einzelne zu wichtigen Helfern – das zeigt ein Ehepaar aus Malta. Regina und Christopher Catrambone ziehen mit ihrem Schiff 'Phoenix 1' selbst los und retten Flüchtlinge aus der See.

Flüchtlingsprojekt MOAS im Mittelmeer
"Wenn wir diese Menschen hier an Bord holen, fällt erstmal ein ganzes Stück Anspannung von ihnen ab", berichtet Regina Catrambone.

Rund zwei Millionen Euro ihres Privatvermögens hat das US-italienische Unternehmerpaar bis jetzt in sein Projekt gesteckt und die Rettungsmission MOAS (Migrant Offshore Aid Station) ins Leben gerufen. Die Idee entstand in einem Mittelmeer-Urlaub: "Wir sahen eine Jacke auf dem Wasser treiben und der Kapitän sagte: 'die gehörte wohl einem Flüchtling, der es nicht geschafft hat'", berichtet Regina Catrambone. "Wir machten also Urlaub, wo andere auf der Suche nach einem besseren Leben starben. Mein Mann und ich lieben das Mittelmeer und wir wollten nicht zulassen, dass es zu einem Friedhof wird."

In den USA kaufen sie einen Fischtrawler - lassen ihn umrüsten und überqueren den Atlantik. Nach acht Monaten Vorbereitungszeit, beginnt diesen Sommer der Einsatz vor der sizilianischen Küste. Mit zwei Drohnen, ausgestattet mit Nachtsicht- und Wärmebildkameras suchen sie nach Kuttern in Not: In nur 60 Tagen rettet die 18-köpfige Crew rund 3.000 Leben. "Wenn wir diese Menschen hier an Bord holen, fällt erstmal ein ganzes Stück Anspannung von ihnen ab, wir kümmern uns um sie, geben ihnen zu essen, vor allem zu trinken, reden ihnen gut zu", berichtet Regina Catrambone. "In ihren Augen spiegelt sich so viel Dankbarkeit."

Projekt ist auf Spenden angewiesen

Der Geschäftsführer von MOAS, Martin Xuereb, berichtet: "Wir leisten unmittelbar Nothilfe, wir holen die Menschen an Bord, hier bleiben sie für ein paar Stunden, dann übergeben wir sie Schiffen der italienischen Marine." Auf den Booten sind viele Kinder. Kranke und Schwache werden im Bordkrankenhaus versorgt.

Es ist eine aufwändige, private Hilfsaktion, die das Paar Catrambone viel Geld kostet, 450.000 Dollar pro Monat. Das Millionenvermögen ist jetzt angeblich aufgebraucht. Viele Flüchtlinge verdanken der kleinen Organisation ihr Leben. Jetzt ist das Projekt auf Spenden angewiesen, damit die 'Phoenix 1' auch im nächsten Jahr wieder auslaufen kann.