Prozess gegen Bruno D. kurz vor Ende

Ehemaliger KZ-Wachmann entschuldigt sich: "Ich habe mich niemals freiwillig zur SS gemeldet"

Fortsetzung Prozess gegen ehemaligen SS-Wachmann
Fortsetzung Prozess gegen ehemaligen SS-Wachmann
© dpa, Daniel Bockwoldt, dbo cul

20. Juli 2020 - 17:22 Uhr

Die letzten Worte von Bruno D. im KZ-Prozess

Er soll für den Tod von 5.230 Menschen mitverantwortlich sein: Bruno D. war während des 2. Weltkriegs Wachmann im Konzentrationslager Stutthof. Heute sprach der 93-Jährige sein Schlusswort vor dem Landgericht Hamburg. Darin richtete er sich auch an die Angehörigen der Opfer.

"So etwas darf niemals wiederholt werden"

Knapp drei Minuten sprach der Angeklagte mit leiser, aber klarer Stimme seine Schlussworte. "Dass ich mich verantworten muss, hat mich viel Kraft gekostet", sagt der 93-Jährige. "Ich will hier betonen, dass ich mich niemals freiwillig zur SS oder sonst einer Einheit gemeldet habe. Erstrecht nicht zum KZ Stutthof." Dann wendet sich Bruno D. an die Angehörigen der Opfer: "Dass ich damals als Wachmann arbeitete, belastet mich sehr. Heute will ich mich bei den Menschen und Angehörigen entschuldigen. So etwas darf niemals wiederholt werden."

Verteidiger fordert Freispruch

Der Anwalt von Bruno D. sieht keine Mitschuld beim Angeklagten, da er nicht gewusst habe, was im KZ vor sich ging. Die Wachleute hätten die  Wachtürme auch erreichen können, ohne das Lager zu betreten. "Sie wussten nichts über die Lebensumstände im KZ Stutthof", sagt Verteidiger Stefan Waterkamp heute vor Gericht.

Die Staatsanwaltschaft sieht das anders: Sie fordert eine Jugendstrafe von drei Jahren, weil der Angeklagte zur Tatzeit erst 17 bis 18 Jahre alt war.

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Der wohl letzte KZ-Prozess der Welt

Von August 1944 bis April 1945 war Bruno D. Wachmann in dem KZ. Im Prozess sagte er aus, dass er vom Kriegsgeschehen kaum etwas mitbekommen habe und bei der Arbeit als SS-Wachmann keine Wahl gehabt hätte. Ein Historiker wiedersprach dieser Schilderung. Der Prozess könnte das letzte Verfahren gegen einen KZ-Wachmann sein. Das Urteil soll am Donnerstag fallen.