EHEC an Sprossen in NRW gefunden

© dpa, Friso Gentsch

20. Juni 2011 - 12:19 Uhr

Bio-Betrieb ist Quelle der Infektionen

In Nordrhein-Westfalen sind nach Angaben des Düsseldorfer Verbraucherschutzministeriums erstmals EHEC-Bakterien des aggressiven Typs O104 auf Sprossen gefunden worden. Die Sprossen stammten nach den bisherigen Erkenntnissen aus dem unter EHEC-Verdacht stehenden Betrieb im niedersächsischen Bienenbüttel, erklärte das Ministerium.

Die geöffnete Packung habe sich bereits in der Mülltonne eines Haushalts im Rhein-Sieg-Kreis bei Bonn gefunden. Zwei der drei in diesem Haushalt lebenden Familienmitglieder hätten Sprossen verzehrt und seien Mitte Mai an den EHEC-Bakterien erkrankt. "Damit ist erstmalig eine ununterbrochene Kette mit dem Erreger O104 infizierten Sprossen aus dem Betrieb in Bienenbüttel und erkrankten Personen hergestellt", teilte das Ministerium mit.

NRW-Verbraucherschutzminister Johannes Remmel sagte dazu: "Der Fund bes­tätigt unsere aktuelle Warnung vor dem Verzehr von Sprossen. Es wird damit immer wahrscheinlicher, dass Sprossen die Ursache der EHEC-Erkrankungen sind." Da aber nur eine geöffnete und keine geschlos­sene Packung untersucht wurde, verbleibt ein Rest an Unsicherheit. "Auch deshalb rufen wir weiterhin zur Einhaltung strenger Hygiene und besonderer Vorsicht im Umgang mit rohen Lebensmitteln auf", so Remmel.

Der Biohof in Bienenbüttel im Kreis Uelzen ist inzwischen komplett gesperrt und darf kein Gemüse mehr in den Handel liefern, wie Niedersachsens Landwirtschaftsminister Gert Lindemann (CDU) in Hannover sagte. Bisher galt das Verkaufsverbot nur für Sprossen. Der Betrieb sei nun definitiv als Hauptauslöser für die Erkrankungswelle ausgemacht worden. Im Labor konnte der grassierende EHEC-Erreger auf Sprossen bisher aber nicht nachgewiesen werden.

Bereits am Vormittag hatte der Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI), Reinhard Burger, in Berlin die jüngsten Untersuchungsergebnisse seiner Experten vorgestellt und die Sprossen als Ursache der EHEC-Seuche ausgemacht. "Wir sind sehr sicher, dass die Quelle der Infektionen bei dem inzwischen geschlossenen Bio-Betrieb in Niedersachsen ist", sagte die agrarpolitische Sprecherin der FDP-Bundestagsfraktion, Christel Happach-Kasan nach einem Gespräch mit Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU).

EHEC-Warnungen teilweise aufgehoben

Tomaten, Gurken und Blattsalate könnten wieder ohne Bedenken gegessen werden, sagte Andreas Hensel, Präsident des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR). Die Warnung vor Sprossen bleibe dagegen bestehen. Besonders rohe Sprossen sollten nicht gegessen werden. Vor Gurken, Tomaten und Salat hatten RKI und BfR am 25. Mai gewarnt. Grundlage dafür waren Patientenbefragungen.

"Wir sind ein Stück weit erleichtert", sagte Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU). Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) betonte, es sei gut, dass die Warnung nun auf Sprossen beschränkt wurde. Für die Bürger sei jetzt klarer, wie sie sich schützen könnten. EHEC-Entwarnung könne weiterhin nicht gegeben werden.

Die Zahl der Neuerkrankungen sei aber weiter deutlich rückläufig. Er sei sicher, dass die Lage in vielen Krankenhäusern sich wieder normalisiere. RKI-Chef Burger sagte: "Der Ausbruch ist noch nicht vorbei." In Deutschland hat der aggressive Darmkeim bislang 30 Menschen getötet.

Nach einem Bericht der 'Hannoverschen Allgemeinen Zeitung' unter Berufung auf das hessische Gesundheitsministerium könnte die infizierte Angehörige einer Cateringfirma ebenfalls den Erreger übertragen haben. Acht Gäste einer Festgesellschaft im niedersächsischen Göttingen, die von dem Unternehmen beliefert wurde, seien an EHEC erkrankt. Mindestens einer der erkrankten Gäste habe angegeben, weder Salat noch Gemüse oder Sprossen gegessen zu haben.