EHEC: Aigner warnt weiter vor Rohkost

Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner warnt wegen des EHEC-Erregers vor dem Verzehr von Rohkost
Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner warnt wegen des EHEC-Erregers vor dem Verzehr von Rohkost
© dpa, Tobias Kleinschmidt

09. Februar 2016 - 12:57 Uhr

Zahl der Toten auf zehn gestiegen

Der Höhepunkt der EHEC-Welle ist offenbar noch nicht erreicht. Die Zahl der Krankheits- und Verdachtsfälle steigt. Wo die Ursache liegt, ist weiter unklar. Bis zum Samstag sind dem gefährlichen Darmkeim zehn Menschen zum Opfer gefallen. Mehr als die Hälfte der Bundesbürger verzichtet als Konsequenz auf viele Gemüsesorten. Betroffene Bauern beklagen Riesenschäden. Deutsche Erzeugerverbände meldeten unterdessen nach Labortests ihre Ware "EHEC-frei".

Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) hält wegen der anhaltenden Erkrankungswelle durch den Darmkeim EHEC an der Warnung vor dem Verzehr für rohe Gurken, Blattsalate und ungekochte Tomaten fest.

Aigner sagte 'Bild am Sonntag': "Solange es den Experten in Deutschland und Spanien nicht gelungen ist, die Quelle des Erregers zweifelsfrei zu benennen, haben die allgemeinen Warnhinweise für Gemüse weiterhin Bestand."

Deutschlandweit wurden mittlerweile mehr als 1.000 bestätigte und EHEC-Verdachtsfälle registriert. Normalerweise gibt es im ganzen Jahr etwa 900 gemeldete Infektionen mit den Bakterien. Von den zehn Toten waren neun Opfer Frauen. Bislang stammen alle Todesopfer aus Norddeutschland. Bundesweit schweben mehrere Menschen in Lebensgefahr.

Allein in Niedersachsen wurden bis Samstag 141 bestätigte Erkrankungen, 48 EHEC-Verdachtsfälle und 42 HUS-Fälle registriert. HUS steht für hämolytisch-urämisches Syndrom. "Wir müssen davon ausgehen, dass die Zahl der Schwererkrankten noch weiter steigt", sagte der Sprecher des Sozialministeriums. Wegen Überlastungen verlegen Hamburger Kliniken Erkrankte derzeit nach Niedersachsen. In Hamburg liegt die Zahl bei etwa 400 Patienten.

EU-Behörde: Infektionsquelle noch aktiv

Der Ausbruch der gefährlichen Darmerkrankung in Deutschland ist der europäischen Gesundheitsbehörde zufolge einer der größten seiner Art weltweit. In einem Gefahren-Gutachten geht das Europäische Zentrum für Krankheitskontrolle und Prävention in Stockholm (EDCD) zudem davon aus, dass "die Quelle der Infektionen noch aktiv ist", da die Zahl der Erkrankten weiter steige.

Überdies seien die Vorfälle außergewöhnlich, da hauptsächlich Erwachsene an dem von dem Ehec-Erreger ausgelösten hämolytisch-urämischen Syndrom (HUS) erkrankten. "Gewöhnlich wird HUS bei Kindern unter fünf Jahren festgestellt. Dieses Mal sind 87 Prozent der Betroffenen Erwachsene und hauptsächlich Frauen (68 Prozent)", teilte die Behörde am Samstag mit. Es handele sich nicht nur um einen der größten Ausbrüche der Krankheit weltweit, sondern auch um den größten jemals in Deutschland.

Mediziner setzen gegen HUS inzwischen auf eine neue Behandlung. So bekommen in der Hamburger Uniklinik Eppendorf (UKE) sechs EHEC-Infizierte mit Komplikationen den Antikörper Eculizumab, wie UKE-Professor Rolf Stahl berichtete. Ärzte und Wissenschaftler aus Heidelberg, Montreal und Paris stellten im Fachblatt 'New England Journal of Medicine' die erfolgreiche Behandlung von drei Kleinkindern mit diesem Antikörper vor. Die Kinder waren im vergangenen Jahr nach EHEC-Infektionen an HUS erkrankt.

Angesichts wachsender Skepsis der Verbraucher durch die EHEC-Krise gehen die deutschen Obst- und Gemüseproduzenten in die Offensive. Große Erzeuger haben Stichproben ihrer Produkte testen lassen und meldeten nach entsprechenden Laborbefunden ihr Obst und Gemüse als "EHEC-frei".