Ehebruch ist in Indien keine Straftat mehr - ein Schritt Richtung Gleichberechtigung?

Indische Flagge vor Parlamentsgebäude
Nach dem 158 Jahre alten Gesetz aus der britischen Kolonialzeit drohten einem Mann für Ehebruch bis zu fünf Jahre Haft.
dpa

Bis zu fünf Jahre Haft gab es für Ehebruch

Indiens Oberster Gerichtshof hat ein Gesetz gegen Ehebruch für verfassungswidrig erklärt. Nach dem 158 Jahre alten Gesetz aus der britischen Kolonialzeit drohten einem Mann bis zu fünf Jahre Haft, wenn er mit der Ehefrau eines anderen Mannes ohne dessen Einverständnis Geschlechtsverkehr hatte. Die fünf Richter gaben in Neu Delhi einstimmig einem Kläger recht, dass dies die Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen verletze.

Ehemann soll nicht mehr das Sagen über die Frau haben

"Es ist Zeit zu sagen, dass der Ehemann nicht der Herr ist", schrieb Chefrichter Dipak Misra in dem Urteil. Frauen dürften nicht mehr als Eigentum von Männern behandelt werden. Ehebruch solle aber im Zivilrecht weiter als Scheidungsgrund gelten. Die indische Regierung hatte argumentiert, das Gesetz müsse beibehalten werden, um die Unantastbarkeit der Ehe zu schützen.

Das Oberste Gericht hatte erst wenige Wochen zuvor entschieden, dass ein Gesetz aus dem Jahr 1862, das gleichgeschlechtlichen Sex unter Strafe stellte, ebenfalls gegen die indische Verfassung verstieß.