Ehe für alle - nix für die SPD: Wähler von 'Schulz-Coup' unbeeindruckt - Merkel weiter obenauf

05. Juli 2017 - 12:34 Uhr

Ehe für alle: Mehrheit befürwortet Entscheidung

Die Turbulenzen um die Ehe für alle haben die Wähler bislang kaum beeinflusst. Die SPD konnte von ihrem vermeintlichen Coup nicht durch höhere Umfragewerte profitieren - umgekehrt hat die Union in der Gunst der Wähler aber auch keinen Schaden genommen.

Merkel geht unbeschadet aus Debatte um Ehe für alle

Im stern-RTL-Wahltrend hat die Union einen Prozentpunkt eingebüßt und kommt auf 39 Prozent. Die SPD liegt unverändert bei 23 Prozent - und damit 16 Punkte hinter der Union. Auch in Sachen Kanzlerpräferenz hat die Diskussion um die Ehe für alle noch keine Spuren hinterlassen: Angela Merkel (CDU), die bei der Abstimmung im Bundestag mit 'Nein' votiert hatte, verliert einen Prozentpunkt, während der Wert von SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz unverändert bleibt. Würde der Kanzler direkt gewählt werden, würden sich 51 Prozent für Merkel entscheiden, 22 Prozent für Schulz.

Ein herber Dämpfer für Schulz, der von seiner SPD schon für seinen Vorstoß bei der Ehe für alle gefeiert wurde. Er hatte zusammen mit der Linken und den Grünen im Rechtsausschuss des Bundestages durchgesetzt, dass das Thema kurzfristig auf die Tagesordnung des Parlaments kam - gegen den Willen der Unions-Spitze. Ein bemerkenswerter Vorgang, der eine offene Konfrontation zwischen den Koalitionspartnern darstellt.

Ehe für alle: Mehrheit der Wähler glaubt an Wahltaktik

Eine Mehrheit von 69 Prozent der Befragten befürwortet die völlige rechtliche Gleichstellung homosexueller Partnerschaften mit der traditionellen Ehe von Mann und Frau. Das hat eine weitere Forsa-Umfrage im Auftrag des stern ergeben.

Aber welche Partei hat sich in der Wahrnehmung der Wähler am stärksten für die Ehe für alle engagiert? Auf Platz 1 liegen die Grünen mit 32 Prozent, 20 Prozent nennen die SPD und 7 Prozent die Linke, die sich schon seit Jahren für die Ehe für alle einsetzen. Nur 5 Prozent entfallen auf die CDU. Schlusslicht ist mit 2 Prozent die FDP, die wie die Grünen und die SPD die Einführung der Ehe für alle zur Bedingung für eine Koalition nach der Bundestagswahl machen wollte.

82 Prozent der Bundesbürger unterstellen der Union und der SPD angesichts ihres Umgangs mit dem Thema in der vergangenen Woche vor allem wahltaktische Motive.

21 Prozent Nichtwähler und Unentschlossene

Auch bei den anderen Parteien tut sich nicht viel: Während die Linke bei 9 Prozent bleibt, geben die Grünen im Vergleich zur Vorwoche einen Zähler ab und stehen nun bei 8 Prozent. Die FDP legt zu auf ebenfalls 8 Prozent. Wie in den Wochen zuvor stagniert die AfD bei 7 Prozent. Auf die sonstigen kleinen Parteien entfallen zusammen 6 Prozent. Der  Anteil der Nichtwähler und Unentschlossenen beträgt 21 Prozent.