Egoismus: Was steckt hinter der extremen Ich-Bezogenheit?

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13. März 2018 - 11:45 Uhr

Egoismus und das Desinteresse am Gegenüber macht Sie unsympathisch!

Nahezu jeder hat in seinem Leben das ein oder andere Mal mit Menschen zu tun, die sich deutlich mehr für sich selbst als für andere interessieren. Sie sind meist schlechte Zuhörer, sprechen gerne und viel von sich selbst. Doch kann man dieses Verhalten bereits als Egoismus bezeichnen? Ist Egoismus grundsätzlich ein schlechter Charakterzug oder tut er uns in Maßen nicht vielleicht sogar gut?

Der irische Schriftsteller Oscar Wilde lieferte bereits im 19. Jahrhundert eine Definition des Verhaltens, welches allgemeinhin als Egoismus bezeichnet wird:

'Egoismus besteht nicht darin, dass man sein Leben nach seinen Wünschen lebt, sondern darin, dass man von anderen verlangt, dass sie so leben, wie man es wünscht.'

Was ist Egoismus eigentlich?

Auch wenn die Definition von Oscar Wilde etwas überspitzt ist, ist sie dennoch treffend. Wer egoistisch handelt, ist stets darauf bedacht, seine persönlichen Wünsche und Ziele zu erreichen. Ihm ist es egal, ob dabei andere Personen zurückstecken müssen oder sogar in ihren Zielen behindert werden. Wer unter starkem Egoismus leidet, handelt also nach dem Ellenbogenprinzip. Mit ihrem Verhalten zwingen Egoisten andere Menschen dazu, sich Ihrem Willen unterzuordnen und – wie von Wilde beschrieben – "so leben, wie man es wünscht".

Ein fehlendes Mitgefühl und die Unfähigkeit, sich in andere Personen hineinzuversetzen, zählen zu den größten Schwächen eines Egoisten. Andere Ansichten sind ihm oftmals egal. Ausgeprägter Egoismus bringt Menschen dazu, sehr zielstrebig zu sein. Oft können sie nicht genug bekommen und setzten sich so immer weitere Ziele.

Auf Ihrem Weg zum nächsten Gipfel nutzen sie Beziehungen zu anderen Menschen als eigenes Sprungbrett. Wer an starkem Egoismus leidet, überschätzt sich zudem häufig, kann seine eigenen Schwächen nicht reflektieren und versucht diese dann durch ein überhebliches, arrogantes Auftreten zu kaschieren.

Video: Macht zu viel Stress Männer egoistischer?

Naturgemäß sind Frauen und Männer schon sehr unterschiedlich. Unter anderem reagieren sie auch total verschieden auf Stress. Forscher warnen Frauen: Männer neigen durch Stress zu Egoismus. 68 Prozent der Männer gestehen darüber hinaus, vom Alltag oft überfordert zu sein.

Egoismus vs Egozentrik vs Narzissmus

Neben dem Egoismus existieren noch weitere Formen der Ich-Bezogenheit.

Egozentrik

Egozentrik leitet sich von den lateinischen Wörtern `ego= Ich´ und `centrum= Mittelpunkt´ ab. Ähnlich wie an Egoismus leidende Menschen, können Egozentriker sich ebenfalls nicht in andere Menschen hineinversetzen und demnach auch deren Meinung nicht nachvollziehen. Folglich erachteten sie ihre eigene Meinung als der Weisheit letzter Schluss.

Egozentriker wollen, wie ihr Name bereits sagt, immer im Mittelpunkt stehen. Sie denken, sie wären unfehlbar und fühlen sich in vielen Dingen direkt angesprochen.

Anders als unter Egoismus leidende Personen befinden sich Egozentriker jedoch in einer Abhängigkeit, denn Sie empfinden das dringende Bedürfnis bei anderen Leuten gut anzukommen und von diesen als etwas Besonderes wahrgenommen zu werden. Darin verbirgt sich auch eine weitere Schwäche des Egozentrikers, denn er nimmt Kritik in der Regel sehr persönlich und ist schnell gekränkt.

Narzissmus

Narzissmus ist eine krankhafte Persönlichkeitsstörung, bei der Betroffene Wesensmerkmale aufweisen, die dem Egoismus recht ähnlich sind. Jedoch wird bei Narzissten die Selbstliebe zur krankhaften Sucht. Sie leben in Ihrer eigenen Welt, in der sich alles nur um sie selbst dreht. Der krankhafte Narzisst hält sich für großartig, ohne wirklich Großartiges zu leisten.

Im Vergleich zu an Egoismus leidenden Menschen besitzen Narzissten trotz der krankhaften Eigenliebe ein geringes Selbstwertgefühl und werden von Minderwertigkeitskomplexen geplagt. Diese Minderwertigkeitskomplexe wurden oftmals in der frühen Kindheit durch abweisendes Verhalten der Eltern begünstigt, denen der spätere Narzisst nie gerecht werden konnte. Aufgrund dessen, suchen Narzissten immerzu den direkten Vergleichen mit anderen.

Ist Egoismus per se schlecht?

Tatsächlich ist Egoismus von Zeit zu Zeit wohl in jedem von uns in irgendeiner Art und Weise vorzufinden – und bis zu einem bestimmten Maße ist das auch durchaus sinnvoll. Würden wir nicht ab und an unsere eigenen Interessen verfolgen, sondern durchgehend aus reiner Selbstlosigkeit handeln, liefen wir Gefahr, von manchen Menschen ausgenutzt zu werden, die unsere Hilfsbereitschaft und den Gemeinschaftssinn als Schwäche ansehen.

Egoismus ist also keine grundsätzlich schlechte Charaktereigenschaft, denn um im Leben weiter zu kommen, muss man sich nun mal über sich und seine Wünsche und Ziele Gedanken machen. Wie bei vielem anderen macht auch hier die Dosis das Gift.

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