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Ecuador: 79 Tote bei Gefängnis-Aufständen - Videos zeigen kriegsähnliche Zustände

Rivalisierende Gangs liefern sich Blutbad

Ecuador: 79 Tote bei Gefängnis-Aufständen- Videos zeigen kriegsähnliche Zustände

Verfeindete Banden hatten innerhalb der Haftanstalt gekämpft Polizei stürmt Gefängnis
00:44 min
Polizei stürmt Gefängnis
Verfeindete Banden hatten innerhalb der Haftanstalt gekämpft

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Im Video: Polizei stürmt Gefängnisse in Ecuador

Mit Pistolen, Macheten und Messern töteten sich die Häftlinge in den Anstalten gegenseitig: Rivalisierende Banden haben sich in mehreren ecuadorianischen Gefängnissen heftige Kämpfe geliefert. Mindestens 79 Menschen starben, Medien sprachen von einem „Blutbad“. Auf Videos, die die Polizei beim Sturm eines Gefängnisses zeigt, sind kriegsähnliche Zustände zu sehen. Mittlerweile ist die Situation laut Behörden wieder unter Kontrolle – doch wie lange?

Oberster Gang-Anführer im Dezember getötet - jetzt läuft der Kampf um die Nachfolge

Auslöser der Auseinandersetzungen war offenbar ein interner Machtkampf innerhalb der Bande Los Choneros, nachdem deren oberster Anführer im Dezember getötet worden war. Nach Angaben der Gefängnisverwaltung hatte ein Justizvollzugsbeamter zuletzt Schusswaffen in das Gefängnis von Guayaquil geschmuggelt. Die Waffen sollten offenbar für Anschläge auf Mitglieder rivalisierender Gruppen innerhalb der Gang dienen. Als die Bandenmitglieder davon erfuhren, brachen die Kämpfe aus.

Los Choneros ist die mächtigste kriminelle Organisation Ecuadors. Die Bande ist in Drogenhandel, Schutzgelderpressung und Auftragsmorde verwickelt und soll mit mexikanischen und kolumbianischen Verbrechersyndikaten zusammenarbeiten.

Gefangene legen Feuer und greifen Polizisten an

Als die Polizei die Gefängnisse stürmte, um die Aufstände zu beenden, legten die Gefangenen Brände und griffen auch die Polizisten an. Die Polizei reagierte ebenfalls mit Gewalt und warf Tränengaskartuschen in die einzelnen Zellentrakte.

Der Polizeichef des Landes, Patricio Camillo, sieht ein strukturelles Problem. „Der Hass, die Rachsucht und die Grausamkeit, die wir in den Gefängnissen des Landes gesehen haben, sind nicht nur Botschaften des organisierten Verbrechens, sondern auch Ausdruck des mentalen Zustand des Systems“, schrieb Polizeichef Patricio Carrillo auf Twitter. „Die Polizei kann reagieren, sie verfügt aber nicht über die Kompetenz, sich um die soziale Wiedereingliederung der Häftlinge kümmern.“

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Extremer Personalmangel: Häftlinge bleiben oft sich selbst überlassen

In ecuadorianischen Gefängnissen herrscht ein extremer Personalmangel. Den rund 38.000 Häftlingen stehen gerade einmal 1.400 Gefängniswärter und rund 1.000 an die Gefängnisverwaltung „ausgeliehene“ Polizisten gegenüber, wie der Sicherheitsexperte Ricardo Camacho der Zeitung „La Hora“ sagte. Der Leiter der Gefängnisverwaltung, General Moncayo, bestätigte, dass nur rund 30 Prozent der notwendigen Stellen besetzt seien. Oftmals sorgten die Sicherheitskräfte lediglich dafür, dass die Gefangenen in den Haftanstalten bleiben. Innerhalb der Mauern blieben sich die Häftlinge dann weitgehend selbst überlassen.

Quelle: dpa/RTL.de