EC-Karten-Betrug immer dreister!

10. Mai 2011 - 19:41 Uhr

Schaden von 60 Millionen Euro

Die Kriminalität mit gefälschten EC-Karten steigt sprunghaft an. Nach am Dienstag veröffentlichten Schätzungen des Bundeskriminalamtes (BKA) stieg der Schaden im vergangenen Jahr auf 60 Millionen Euro nach 40 Millionen Euro 2009.

Vor allem osteuropäische Banden verschafften sich an manipulierten Bankautomaten die Konten-Daten der Privatkunden und würden dann damit außerhalb Deutschlands Geld abheben, sagte BKA-Präsident Jörg Ziercke in Berlin. Das genaue Ausmaß der ergaunerten Abhebungen sei unbekannt. Ein Großteil der Straftaten werde nicht angezeigt, da die Betroffenen in der Regel die Gelder von ihren Banken erstattet bekämen. Die Kreditinstitute aber seien sehr zurückhaltend mit der Veröffentlichung ihrer Verluste durch den Kartenmissbrauch.

Im vergangenen Jahr wurden nach Angaben Zierckes 3183 Geldautomaten manipuliert. Dies entspricht einem Anstieg von 55 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Bei dem sogenannten Skimming wird am Automaten oder im Raum eine kaum zu erkennende Minikamera angebracht, mit der die Eingabe der PIN-Geheimzahl aufgenommen wird. Außerdem wird vor dem Kartenschlitz ein Lesegerät angebracht, mit dem die Daten aus der EC-Karte ausgelesen werden.

Chiptechnologie sicherer als Magnetstreifen

Mit den so gewonnenen Daten werden dann gefälschte EC-Karten hergestellt, sagte Ziercke. Mit ihnen sei in der ersten Jahreshälfte 2010 vor allem in Großbritannien, Italien, den Niederlanden, Bulgarien und Russland Geld abgehoben worden. Im zweiten Halbjahr 2010 habe sich das illegale Geldabheben auf außereuropäische Länder verlagert. Grund dafür sei, dass in Europa zunehmend der in den Karten integrierte Chip zum Einsatz komme, während in vielen nicht-europäischen Ländern die Geldautomaten auf die manipulationsanfälligeren Magnetstreifen in den Karten zugreife. Der ZKA erklärte, er setze sich insbesondere bei den Kreditkartenfirmen Mastercard und VISA für den weltweiten Einsatz der Chiptechnologie ein.

Um Missbrauch zu verhindern, hätten Banken und Sparkassen 2010 über 300.000 Karten gesperrt, sagte Ziercke. Die Karten-Betrüger würden auch neue Strategien entwickeln. So seien im vergangenen Jahr erstmals Benzin-Zapfsäulen mit Bezahlautomat manipuliert worden. An einer Tankstelle seien mit den entwendeten Kontendaten über 600.000 Euro kassiert worden. In diesem Jahr seien auch zum ersten Mal manipulierte Ticket-Automaten der Deutschen Bahn entdeckt worden.

Laut Ziercke stammen die Tatverdächtigen wie in den Vorjahren fast ausschließlich aus Osteuropa, meistens aus Bulgarien oder Rumänien. Sie würden meist in kleinen Gruppen vorgehen und hielten sich immer nur relativ kurze Zeit an einem Ort auf.