Ebola-Virus: Kampf schon längst verloren?

9. November 2014 - 15:08 Uhr

UN: Ebola-Ausbruch Test für Solidarität der Welt

Der Kampf gegen den Ebola-Ausbruch in Westafrika ist nach Ansicht der Mediziner-Organisation Ärzte ohne Grenzen längst verloren. Die Welt habe viel zu spät und dann zu langsam auf die Gefahr reagiert. Die Vereinten Nationen sehen in der Epidemie eine ähnlich große Herausforderung für die internationale Gemeinschaft wie der Tsunami im Indischen Ozean 2004 oder das Erdbeben in Haiti 2010.

Ärzte Leichensäcke Ebola Liberia
Mediziner der Organisation 'Ärzte ohne Grenzen' desinfizieren Leichensäcke in Liberias Hauptstadt Monrovia. (Foto: Caroline Van Nespen/dpa)
© dpa, Caroline Van Nespen

"Staaten mit der Möglichkeit, auf einen solchen Ausbruch zu antworten, müssen sofort Experten und Material in die betroffenen Regionen schicken", hieß es von der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen. Viele Länder könnten zivile oder militärische Teams entsenden, tun es aber nicht. "Die bloße Ankündigung von Spenden oder das Einfliegen von ein paar Experten lösen das Problem nicht", sagte Chefin der Organisation Joanne Liu.

"Es ist eine der schwersten Gesundheitskrisen, die die UN je zu bewältigen hatten", sagte UN-Vize-Generalsekretär Jan Eliasson in New York. "Die Situation ist kritisch, ängstigend, aber wir werden es schaffen". Die Epidemie sei ein Test für die Infrastruktur der betroffenen Länder und die Solidarität der Welt.

"Dieser Ausbruch ist größer, komplexer und ernster als alles, was wir in der 40-jährigen Geschichte von Ebola gesehen haben", sagte die Chefin der Weltgesundheitsorganisation, Margaret Chan. "Etwa 3.500 Fälle, etwa 1.500 Tote - solch eine Dimension hatte es noch nie gegeben. Diesmal sind auch erstmals dicht besiedelte Gebiete betroffen, das ist die besondere Herausforderung". Die Welt müsse helfen, mit Experten, Material oder Geld. "Es ist eine globale Bedrohung. Aber dieser Ausbruch kann und wird kontrolliert werden. Wir wissen, was zu tun ist und wir werden es tun".

Ärzte ohne Grenzen: Viele Tote durch andere Krankheiten

Weil die rasant fortschreitende Ebola-Epidemie alle medizinische Hilfe beansprucht, sterben in Sierra Leone, Liberia und Guinea immer mehr Menschen an anderen Krankheiten. Vielerorts seien zudem Gesundheitsstationen unbesetzt, weil die örtlichen Kräfte sich selbst mit Ebola infiziert hätten oder aus Angst vor Ansteckung nicht zur Arbeit gingen, berichtet Ärzte ohne Grenzen.

"Das hat zur Folge, dass es nun auch immer mehr Menschen gibt, die an behandelbaren Krankheiten wie Malaria oder Durchfall sterben. Und bei Geburten gibt es kaum noch Möglichkeiten für Kaiserschnitte", sagte Mariano Lugli, Direktor für Internationale Einsätze.