Ebola-Virus: Die wichtigsten Fakten

Die Menschen in Westafrika sind aufgrund der Ebola-Epidemie verzweifelt.
Die Menschen in Westafrika sind aufgrund der Ebola-Epidemie verzweifelt.
© dpa, Ahmed Jallanzo

07. Oktober 2014 - 11:17 Uhr

Zweijähriges Kind soll Patient Null sein

Die Antworten auf die wichtigsten Fragen zum Ebola-Virus geben wir Ihnen nachfolgend:

Was ist Ebola?

Ebola ist ein Virus, das hoch ansteckend ist. Betroffene leiden an hohem Fieber, schweren Erbrechen und Durchfall. Hinzu kommen äußere und innere Blutungen. In neun von zehn Fällen endet der Krankheitsverlauf tödlich. Das Virus befällt neben Menschen auch Gorillas, Schimpansen und Antilopen. Auch bestimmte Flughunde können die Krankheit übertragen. In Westafrika leben Fledermäuse, die die Viren verbreiten ohne selbst daran zu erkranken.

Wo hat das Virus seinen Ursprung?

Forscher haben laut einer nun veröffentlichten Studie, die vom 'New England Journal of Medicine' in Auftrag gegeben worden war, herausgefunden, dass die aktuelle Epidemie wohl von einem zweijährigen Kind ausging. Dieses hätte sich zuvor durch Buschfleisch oder den Kontakt zu Fledermäusen angesteckt. Angeblich starb es bereits am 6. Dezember 2013 in Guéckédou, in Guinea. Die Forscher konnten den Weg der Epidemie anhand des Erbgutes der bei Patienten isolierten Viren zurückverfolgen. So breitete sich der Erreger über die Schwester, die Mutter und die Großmutter des Kindes aus, die allesamt an der Infektion starben. Durch die Beerdigungen fand das Virus weitere Wirte.

Wie wird das Virus übertragen?

Ebola überträgt sich über Körperflüssigkeiten. Das heißt, dass Betroffene direkten Körperkontakt mit Erkrankten oder Verstorbenen haben müssen, um sich zu infizieren. "In Afrika wird das Virus bei der Pflege von Erkrankten in der Familie, bei der Waschung der Verstorbenen durch Familienangehörige und durch direkten Kontakt zum Verstorbenen auf den Begräbnissen übertragen", so Professor Stephan Günther vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin.

Gibt es ein Gegenmittel gegen die Krankheit?

Bislang ist kein wirksames Mittel gegen die Infektion bekannt. Dennoch fordern jetzt immer mehr Ebola-Experten, noch nicht ausgetestete Impfstoffe und Medikamente zuzulassen. Damit hoffen sie eine weitere Ausbreitung der Seuche einzudämmen oder gar ganz zu verhindern. Zwei Amerikaner wurden bereits mit einem Testserum der Biotech-Firma Mapp Biopharmaceutical behandelt, das möglicherweise zu einer Verbesserung ihres Zustands beitrug. Die Arznei besteht aus einem Cocktail von monoklonalen Antikörpern – speziellen Proteinen, die an das Ebola-Virus andocken und ihn ausschalten sollen. Im vergangenen Jahr wurde ZMapp an Affen getestet, die mit Ebola infiziert waren und bereits Fieber und andere Symptome zeigten.

Kampf gegen das Virus durch kulturelle Unterschiede erschwert

Warum schaffen es die Experten in Afrika nicht, die Seuche einzudämmen?

Liberia, Sierra Leone, Guinea und Nigeria sind entweder durch blutige Bürgerkriege traumatisiert oder sogenannte Failing States, 'Versagende Staaten', in denen wegen überbordender Korruption fast nichts im öffentlichen Raum funktioniert. Bildung und medizinische Versorgung gibt es nur für die wenigen Reichen.

Ein weiteres Problem stellt der Umgang vieler Afrikaner mit der Krankheit dar. Sie misstrauen den Helfern, die weiße Schutzanzüge tragen und halten die Krankheit für einen Fluch. Verschwörungstheorien tragen zusätzlich zur Verunsicherung der Bevölkerung in Westafrika bei. Außerdem gehen einige Einheimische davon aus, dass die Krankheit dem Organraub dient und Patienten deswegen umgebracht werden. Eine der von ihnen gezogenen Konsequenzen ist das Verstecken der Erkrankten. Außerdem werden in den betroffenen Ländern Kranke fast immer zu Hause gepflegt, ohne Schutzanzug und Desinfektionsmittel. Meist wohnt die ganze Familie unter einem Dach. Verstorbene umarmt und küsst man vor der Beerdigung. Oftmals mangelt es auch an der richtigen Aufklärung. So wissen viele im Seuchen-Gebiet nicht, welche Symptome typisch für Ebola sind. In vielen der betroffenen Länder vertrauen die Menschen lieber traditionellen Heilern, Wunderkuren und Zaubermittel. Hinzukommt eine schlechte Infrastruktur und der Mangel an Helfern und medizinischer Ausrüstung.

Wie reagieren die betroffenen Länder auf die Ebola-Epidemie?

Die Grenzen betroffener Städte und Länder werden dicht gemacht. Man kommt dort weder rein noch raus. In Liberia wurden Schulen geschlossen und öffentliche Gebäude großflächig desinfiziert. In Nigeria verordnete die Katholische Kirche ein Händeschüttel-Verbot während des Gottesdienstes. Außerdem solle die Hostie nur noch auf die Handfläche gelegt werden und nicht wie vorher direkt in den Mund der Gläubigen.

Wie wird in Deutschland mit Reisenden aus den betroffenen Ländern umgegangen?

Von Frankfurt aus fliegt die Lufthansa täglich zwei Ziele in Nigeria an: Lagos und Abuja. Aus diesem Grund bekommen eintreffende Passagiere Info-Material ausgehändigt, das sie über die Krankheit und ihre Symptome informiert. Wenn die Zahlen jedoch steigen, würde routinemäßig jede aus Nigeria ankommende Maschine kontrolliert. Ein Arzt befrage dann Passagiere mit auffälligen Symptomen. Ein Notfallplan für den Umgang mit gefährlichen Infektionen auf dem Frankfurter Flughafen existiert seit Jahren.

Kann das Virus auch in Deutschland ausbrechen?

Laut Lars Schaade, Vizepräsident des Robert-Koch-Instituts, ist dieses Szenario kaum denkbar: " Selbst für den unwahrscheinlichen Fall ist Deutschland bereits bestens ausgerüstet", erklärt er. Das European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) hingegen hält es für möglich, dass Reisende das Virus mitbringen und hier weitere Menschen infizieren. "Das Risiko von Touristen, sich während eines Aufenthalts in den betroffenen Regionen mit dem Ebola-Virus zu infizieren, ist trotzdem extrem gering", schreibt die Behörde.