Ebola-Kranker in USA hatte vor Klinik-Einweisung Kontakt mit Kindern

14. Oktober 2014 - 18:23 Uhr

80 Menschen zur Sicherheit unter Beobachtung

Der Ebola-Patient in Texas hat nach offiziellen Angaben in den USA Kontakt mit mehreren Kindern gehabt. Die Schulbehörde des amerikanischen Bundesstaates teilte mit, fünf Kinder aus vier verschiedenen Schulen seien mit dem Infizierten vor dessen Einweisung auf eine Isolierstation in Kontakt gekommen. Die Kinder seien unter Beobachtung gestellt worden, zeigten bislang aber keine Symptome.

Ebola-Kranker in USA hatte Kontakt mit Kindern
In dieser Klinik in Dallas wird der erste Ebola-Patient außerhalb Afrikas behandelt.
© dpa, Richard Rodriguez

Insgesamt werden laut CNN nun 80 Menschen überwacht – neben den nach jüngsten Angaben 20 Menschen, die mit dem Patienten in Berührung gekommen sein könnten, deren Kontaktpersonen der letzten Zeit. Laut der Gesundheitsbehörde in Dallas hat keiner von ihnen bisher Ebola-Symptome und wird auch nicht isoliert. Vier nahe Verwandte des Erkrankten sollen mindestens bis zum 19. Oktober zuhause bleiben und keinen Besuch empfangen.

Es ist das erste Mal seit Beginn der aktuellen Epidemie, dass ein Mensch sich in Afrika mit Ebola infizierte und dann außerhalb des Kontinents erkrankte. Der Mann war vor etwa zehn Tagen aus dem westafrikanischen Liberia in die USA geflogen. Das Virus sei in einem Labor zweifelsfrei nachgewiesen worden, sagte der Leiter der US-Gesundheitsbehörde CDC, Thomas Frieden.

Unterdessen mehrt sich in den USA Kritik am Vorgehen des Texas-Health-Presbyterian-Krankenhauses in Dallas, wo der schwer erkrankte Patient behandelt wird. Er hatte sich erstmals am 26. September mit Symptomen dorthin begeben, war aber zunächst nicht auf Ebola hin untersucht und mit Medikamenten wieder nach Hause geschickt worden.

Wie das Onlineportal 'Dallas News' berichtete, soll er einer Krankenschwester gesagt haben, dass er aus Afrika eingereist sei. Da er nur Fieber und Bauchschmerzen gehabt habe, hätten ihm die Mitarbeiter der Notaufnahme Antibiotika verabreicht und ihn nach Hause geschickt. Die Information sei innerhalb des Krankenhauses nicht weitergegeben worden, zitierte die 'New York Times' einen Vertreter des Krankenhauses. Erst als sein Neffe die US-Gesundheitsbehörde CDC kontaktiert habe, sei der Mann behandelt worden, berichtete der Sender NBC. Im Krankenhaus wurde er dann zwei Tage später positiv auf Ebola getestet.

Ebola-Patient soll in Frankfurt behandelt werden

Im Flugzeug ist von dem Patienten nach Einschätzung des Hamburger Virusexperten Jonas Schmidt-Chanasit noch keine Ansteckungsgefahr ausgegangen. "Der Mann war nicht erkrankt, als er im Flieger war. Da ist das Risiko null", sagte der Leiter der Virusdiagnostik des Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin. Mitreisende könnten sich nur bei erkrankten Personen infizieren, die Fieber haben oder andere Beschwerden zeigten.

Durch den internationalen Flugverkehr sei es möglich, "dass mal so ein Fall nach Deutschland importiert wird". "Es wird aber niemals bei uns zu so einem Ausbruch kommen wie in Westafrika. Unser Gesundheitssystem und unsere kulturellen Voraussetzungen sind ganz andere."

Mindestens 1.500 Dosen eines experimentellen Ebola-Impfstoffes sollen Anfang 2015 für medizinisches Personal und andere Helfer in Westafrika eingesetzt werden. Kanada spendete der Weltgesundheitsorganisation die Substanz, die erstmals in den nächsten Tagen in den USA an gesunden Probanden getestet werden soll. Tests mit einem zweiten erfolgversprechenden Impfstoff laufen bereits seit September in den USA und Großbritannien.

Ein an Ebola erkrankter Mitarbeiter einer Hilfsorganisation soll voraussichtlich in Hessen behandelt werden. Geplant sei, den Patienten auf der Isolierstation der Frankfurter Universitätsklinik zu versorgen, sagte eine Sprecherin des Sozialministeriums in Wiesbaden. Der Gesundheitszustand des Mitarbeiters sei aber derzeit so schlecht, dass er nicht transportfähig sei. Es sei daher noch offen, ob und wann der Ebola-Patient eingeflogen werde. In welchem Land sich der Mann angesteckt hat, ist noch nicht bekannt. Bereits am 27. August war ein Ebola-Patient aus Westafrika nach Deutschland gekommen und in die Uniklinik Hamburg-Eppendorf gebracht worden.

Eine Hoffnung machende Nachricht kommt heute aus Genf: Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sieht leichte Anzeichen für eine Besserung der Ebola-Situation in Westafrika. Die Zahl der gemeldeten Neuerkrankungen sei in den drei am stärksten betroffenen Ländern Guinea, Liberia und Sierra Leone die zweite Woche in Folge gesunken, teilte die Organisation mit. Allerdings würden nicht alle Infektionen den Behörden gemeldet. Insgesamt sind in den drei Ländern bis zum 28. September 7.157 Erkrankungen (bestätigte und Verdachtsfälle) und 3.330 Todesfälle registriert worden. Unter den Toten waren 216 Helfer aus dem Gesundheitsbereich.