Ebola-Epidemie in Westafrika: "Ausbruch entwickelt sich schneller als die Maßnahmen, ihn zu kontrollieren"

11. August 2014 - 14:44 Uhr

Emirates fliegt Guinea nicht mehr an

Der Ebola-Ausbruch in Westafrika ist außer Kontrolle geraten. Diese dramatische Einschätzung stammt von der Weltgesundheitsorganisation WHO. Zwar sagte WHO-Generaldirektorin Margaret Chan bei einem Krisentreffen mit den Regierungschefs der am stärksten betroffenen Staaten, dass der Ausbruch noch gestoppt werden könne. Gleichzeitig räumte sie jedoch auch ein, dass sich "der Ausbruch schneller entwickelt als die Maßnahmen, ihn zu kontrollieren".

Ebola-Ausbruch in Westafrika: WHO schlägt Alarm.
Schutz vor Ebola: In Liberia sind Gummihandschuhe und Desinfektionsmittel nahezu überall ausverkauft.
© dpa, Ahmed Jallanzo

Laut Chan besteht auch die Gefahr einer Ausweitung der Epidemie auf andere Länder. Die Seuche könne demnach zur Zerrüttung von Wirtschaft und Gesellschaft führen. Die Präsidenten von Guinea, Liberia und Sierra Leone entschieden deshalb, das gemeinsame Grenzgebiet zu isolieren und zur Quarantänezone zu erklären. "Wir, die Staatschefs, möchten der internationalen Gemeinschaft versichern, dass sich die Epidemie nicht auf andere Länder ausbreiten wird und dass wir an den internationalen Grenzpunkten entsprechende Maßnahmen getroffen haben", hieß es in einer Mitteilung.

Die WHO hatte zuvor bereits ein 100 Millionen US-Dollar schweres Sofortprogramm für die betroffenen westafrikanischen Länder beschlossen und auch die internationale Staatengemeinschaft zu verstärkten Anstrengungen aufgerufen.

Das Auswärtige Amt stellt nach eigenen Angaben 500.000 Euro im Kampf gegen das tödliche Virus zur Verfügung, mit dem Geld soll die Organisation 'Ärzte ohne Grenzen' unterstützt werden. Das Amt rät zudem von Reisen nach Liberia, Sierra Leone und Guinea ab. Die USA gaben eine Reisewarnung für die drei betroffenen Länder heraus. Die arabische Fluggesellschaft Emirates kündigte an, bis auf weiteres Guinea nicht mehr anzufliegen. Die Lufthansa hatte zuvor erklärt, derzeit gebe es keine Notwendigkeit, die Sicherheitsvorkehrungen zu verschärfen.

Erkrankter Amerikaner nach Hause gefolgen

Ebola Virus
Der amerikanische Arzt Kent Brantly hat sich in Liberia selbst mit dem Ebola-Virus infiziert.
© dpa, Handout

Nach Angaben der WHO sind seit Februar mindestens 729 Menschen an der Seuche gestorben, darunter 60 medizinische Kräfte. Allein in Liberia gab es innerhalb weniger Tage 80 neue Fälle. In den Metropolen der am meisten betroffenen Länder breitet sich innerhalb der Bevölkerung immer mehr Panik aus. "Wenn jemand derzeit nur den Namen Ebola erwähnt, bekommen die Leute Angst", sagt Winston Daryoue aus Monrovia/Liberia. "Immer häufiger hören wir, dass Freunde und Bekannte sich angesteckt haben oder gar schon gestorben sind. Das ist wahnsinnig frustrierend."

Erstmals wird in den USA ein Ebola-Patient behandelt. Der infizierte amerikanische Arzt Kent Brantly wurde mit einer Chartermaschine aus Liberia ausgeflogen. Ein Krankenhaus in Atlanta (Georgia) wird sich um ihn kümmern. Ein mit einer Isolationskammer ausgerüsteter Flieger soll auch noch eine Amerikanerin aus Liberia holen. Beide hatten sich während ihres humanitären Einsatzes in Westafrika infiziert. Der leitende Klinik-Arzt Bruce Ribner nannte den Gesundheitszustand beider Patienten "stabil". Er versicherte, dass alle nötigen Maßnahmen getroffen worden seien, um eine Ausbreitung der Krankheit in den USA zu verhindern.

Das Virus hat die Menschen in dieser Region völlig unvorbereitet getroffen: Noch nie war dieser Teil des Kontinents von dem gefährlichen Zaire-Ebolavirus betroffen - die Krankheit grassierte stets anderswo, im weit entfernten Kongo etwa, in Uganda oder im Sudan. Augenzeugen berichten, dass die Bürger versuchen, sich durch das Tragen von Gummihandschuhen und die Benutzung von Desinfektionsmitteln selbst zu schützen. Die Nachfrage sei so groß, dass die Geschäfte kaum noch Vorräte hätten, berichtete die Zeitung 'Daily Observer'. "Es ist schon ein seltsames Gefühl, wenn die Leute auf der Straße plötzlich Handschuhe tragen, aber immerhin scheinen hier in Monrovia fast alle begriffen zu haben, wie ernst die Situation ist", sagt Daryoue.

Einige Kliniken etwa in Monrovia sind inzwischen derart überlastet, dass sie bereits mögliche Ebola-Patienten abweisen. "Einer meiner Bekannten, der sich seit zwei Tagen ständig erbrach und Blut im Urin hatte, wollte sich in einem Krankenhaus testen lassen", erzählt eine Bürgerin aus Monrovia. "Aber ihm wurde gesagt, der zuständige Arzt sei nicht da. Also wurde er auf Malaria und Typhus getestet und dann mit einem Antibiotikum nach Hause geschickt." Das St. Joseph's Catholic Hospital könnte Berichten zufolge ganz geschlossen werden, nachdem sich dort zwei weitere Krankenhausmitarbeiter mit Ebola infiziert haben.

Nach Informationen der Zeitung 'Front Page Africa' haben sich allein in Liberia 47 Ärzte und Pfleger mit dem Virus angesteckt. 28 sind bereits gestorben. Guinea, Liberia und Sierra Leone tun ihr Bestes, um die Epidemie in den Griff zu bekommen - bisher aber ohne durchschlagenden Erfolg. Obwohl zwei der drei Länder sogar den Notstand ausgerufen und neue Maßnahmenpakete verabschiedet haben, steigt die Zahl Neuinfizierter unaufhörlich.