Sein Herz schlägt für zwei Frauen

Eberhard und seine Schildkröte Bertha sind seit 60 Jahren unzertrennlich

Schildkröten-Liebe
Bertha und Eberhard- seit 60 Jahren unzertrennlich
RTL

Tierisches Familienmitglied wie ein Kind

Als Eberhard seine Bertha kennenlernt, kann er noch nicht so richtig etwas mit ihr anfangen. Sie war für ihn uninteressant. 60 gemeinsame Jahre später mag er sie aus seinem Leben nicht mehr wegdenken. Und auch seine Ehefrau akzeptiert, dass Eberhards Herz für zwei Frauen schlägt: für sie und für seine Sumpfschildkröte Bertha.

Von Cathleen Bergholz

Schildkröte kaum größer als ein 2-Mark-Stück

Es ist der 16. September 1960: Eberhard Griebsch steckt noch in seinen Kinderschuhen und feiert seinen vierzehnten Geburtstag. Schon damals war der Berliner ein großer Tierliebhaber und staunt nicht schlecht, als in einem seiner Geschenke eine Schildkröte steckt. „Eine Schildkröte war für mich als 14-jähriger uninteressant. Schildkröten sind kalt und nass, wenn man sie anfasst. Nicht wie Katzen- die sind schön kuschelig“, sagt er im Telefoninterview mit RTL. Eberhard hatte schon viele Tiere: Hamster, Wellensittiche, Kaninchen, Meerschweinchen, doch mit einer Schildkröte konnte er zu Beginn nichts anfangen. Das Tier war damals auch kaum größer als ein 2-Mark-Stück.

Ich kenne meine Schildkröte länger als meine eigene Frau

Haustier für die Ewigkeit
Sumpfschildkröte Bertha- mit ihr kann Eberhard gemeinsam alt werden
privat

Seine Liebe zu Bertha wächst erst mit der Zeit. „Im Laufe der Jahrzehnte wurde sie mit dem Alter immer interessanter“, verrät der Berliner fröhlich. Er kennt Bertha nun schon 60 Jahre lang - länger als seine eigene Frau. „So lange begleitet sie mich schon im Leben- das hat Respekt in mir hervorgerufen“. Oft schon wurde Eberhard gefragt, was er mit einer Schildkörte wolle. Wenn er dann verrät, wie alt seine tierische Herzensdame schon ist und wie viele Jahre sie gemeinsam erlebt hat, verstehen die Leute ihn.

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Bertha hört sogar auf ihren Namen

Bertha hieß nicht immer Bertha. Die ersten 25 Jahre war sie einfach „die Schildkröte“. „Als Kind habe ich sie nicht angesprochen“, erklärt der Tierliebhaber. „Doch eines Tages fragte mich meine Schwiegermutter, wie sie heißt.“ Als Eberhard sagte, er habe keinen Namen, war es seine Schwiegermutter, die meinte: „Nenn sie doch Bertha“. Inzwischen ruft er die Schildkröte auch beim Namen und die? Die hört sogar. „Wenn ich ganz leise Bertha rufe, dann guckt sie mit dem Kopf aus dem Panzer. Ich glaube auch, sie erkennt mich an dem Geruch.“

Bertha ist eine Kämpferin

Schildkröten-Teich
Bertha in ihrem grünen zu Hause
privat

Hinter Bertha und Eberhard liegen inzwischen viele Erlebnisse, die zusammenschweißen, denn mehr als ein Mal wäre die europäische Sumpfschildkröte fast gestorben. Das erste Mal war es relativ zu Beginn ihrer Begegnung im Herbst. Damals lebte Bertha draußen im Garten in einem Aquarium. „Den einen Abend habe ich vergessen, das Aquarium reinzubringen.“, erzählt der heute 73-jährige. Das Wasser im Aquarium und auch Bertha frieren ein. „Ich dachte: jetzt hast du sie umgebracht.“ Im Flur lässt er das Aquarium wieder auftauen und plötzlich krabbelt auch Bertha wieder los. Jahre später, inzwischen lebt die Schildkröte, draußen in einem kleinen Teich im Garten, greift sie ein Waschbär an und beißt das erste Glied einer Vorderpfote und den Schwanz ab. Bertha überlebt den Angriff. Für Eberhard das schlimmste und schönste Erlebnis zugleich. Denn nach all den Jahren ist sie ihm sehr ans Herz gewachsen.

Schlafenszeit für Bertha

Seit einigen Tagen ist Bertha nun aber im Keller des Hauses in Berlin Mahlsdorf untergebracht, denn bis März heißt es nun: Winterschlaf. Bis dahin hat Eberhards Frau ihren Mann wieder ganz für sich allein.

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