DZI-Chef Burkhard Wilke im RTL/ntv Frühstart

Spendenbereitschaft mindestens so stark wie im Vorjahr

20. Dezember 2019 - 12:09 Uhr

Spendenbereitschaft auf Vorjahresniveau

Die Spendenbereitschaft der Deutschen ist ungebrochen. In diesem Jahr, so die Anzeichen, werde sich das Aufkommen mindestens auf Vorjahresniveau einpendeln. "Auf keinen Fall weniger, eher sogar leicht mehr", sagte der Chef des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen (DZI), Burkhard Wilke, der RTL/n-tv Redaktion.

Zahl der Spender nimmt eher ab

Nach DZI-Berechnungen gaben die Bundesbürger im vergangenen Jahr rund 8,3 Milliarden Euro an Vereine und Organisationen. Zusammen mit den Geldern von Unternehmen summierte sich das Spendenvolumen damit auf 16 bis 17 Milliarden Euro.

Allerdings deute sich an, dass die Zahl der Spender laut Umfragen eher abnimmt, sagte Wilke. "Aber die, die spenden, spenden mehr." Er sprach von einer Umbruchsituation. "Junge Leute kommen immer schwieriger in berufliche Lebenssituationen hinein, in der sie Geld verlässlich verdienen", etwa wegen Praktika oder befristeter Arbeitsverträge. "Das erschwert eher die Möglichkeit, zu spenden", sagte Wilke.

Doch die Bereitschaft sei grundsätzlich auch bei der jungen Generation da. "Gut drei Viertel der Spenden gehen an karitative, humanitäre und soziale Zwecke im In- und Ausland. Der Rest verteilt sich auf Tierschutz, Umweltschutz, Bildung und Sport", so Wilke im RTL/n-tv Frühstart. Umfragen zufolge spenden nach DZI-Angaben zwischen 30 und 50 Prozent der Bundesbürger.

Spenden kommen bei den meisten Organisationen an

Erfahrungen des Instituts zeigten, dass "bei den weitaus meisten Organisationen das Geld auch wirklich ankommt", sagte Wilke. Allerdings verbreiteten die relativ wenigen Organisationen, die nicht transparent arbeiteten, die das "Geld in die eigene Tasche oder nicht überwiegend in die Satzungszwecke" steckten, "überproportional viel Verunsicherung".

Bei den 230 Organisationen, die das DZI-Spendensiegel tragen, flössen 88 Prozent der Spendensumme in die jeweiligen Programme und die verbleibenden 12 Prozent in Werbung und Verwaltung. Dies aber seien keine verloren Kosten, denn gute Verwaltung und gute Werbung seien nötig. Daher erachte das Institut einen Anteil von 12 Prozent für diese Ausgaben als "sehr angemessen", so Wilke.

DZI-Chef rät zu gezielten Spenden

Das DZI verleiht das Siegel seit 1992. Kriterien seien unter anderem eine gut aufgestellte Leitung und Aufsicht der Organisationen, eine ethisch ausgerichtete Spendenwerbung sowie eine wirksame und wirtschaftliche Verwendung der Spendengelder.

Mit Blick auf das Spendenverhalten sagte Wilke, dass namhafte Beträge eher nach einer klaren Seriositätsprüfung überwiesen werden sollten. "Über Bargeldspenden etwa für bettelnde Menschen auf der Straße kann dagegen ruhig das Bauchgefühl entscheiden", sagte Wilke. Er empfahl, Spenden nicht zu sehr auf verschiedene Organisationen zu streuen. "100 Euro auf zehn Projekte zu verteilen, verursacht nicht nur zehn Mal Verwaltungskosten, sondern zieht auch reichlich künftige Spendenwerbung nach sich." Letztlich sei in diesem Fall bei der Beschränkung auf eine oder zwei Organisationen nicht nur die Seriositätsprüfung einfacher, sondern der Spender minimiere auch die Verwaltungskosten.