Durch Samenspende zur Welt gekommen: Miriam K. klagt in München um den Namen ihres Vaters

09. November 2017 - 14:55 Uhr

Muss der Arzt den Namen herausrücken?

Vor zwei Jahren erfährt Miriam K. von ihrer Mutter, wie sie gezeugt wurde. Die Eltern konnten auf normalem Wege keine Kinder bekommen und griffen deshalb 1984 auf einen Samenspender zurück. Jetzt möchte K. wissen, wer ihr biologicher Vater ist. Das Landgericht München muss nun darüber entscheiden, ob der Arzt den Namen herausgeben muss.

"Es wäre schöner, wenn man nicht mit so viel Energie für dieses Grundrecht kämpfen müsste"

Der Prozesstermin endete für die Klägerin allerdings enttäuschend. Der Arzt von damals, der die künstliche Befruchtung durchgeführt hat, ist inzwischen tot. Sein Nachfolger, der nun vor Gericht stand, konnte glaubhaft versichern, dass ihm keine Akten zu dem Samenspender mehr vorliegen. Sein Vorgänger hat alle Unterlagen vernichtet.

Im Prozess geht es auch um das Recht auf Kenntnis der eigenen Abstammung. Das steht Kindern in Deutschland seit neuestem zu. Anfang Juli hatte der Bundesrat die Einführung eines zentralen Samenspenderegisters gebilligt. Ab Mitte nächsten Jahres sollen dort die Daten der Samenspender festgehalten werden. Kinder dürfen sie dann abrufen.

Für Miriam K. und - nach Schätzungen - etwa 100.000 weitere Kinder, die seit den 1970er Jahren dank einer anonymen Spende geboren wurden, kommt der neueste Beschluss zu spät. "Es wäre schöner, wenn man nicht mit so viel Kraft und Energie für dieses Grundrecht kämpfen müsste, sondern wenn es einem zugestanden würde und allgemein akzeptiert wäre", zitiert der 'Bayerische Rundfunk' die Klägerin. Und Miriam hat noch etwas loszuwerden: "Ich fände es sehr schön, wenn die Debatte insgesamt dadurch etwas offener gestaltet wird."

BGH entscheidet für minderjährige Mädchen

Geführt wird die Debatte schon länger. Nicht erst seit sich der Bundesgerichtshof 2015 mit eben jener Frage beschäftigte, ob Kinder grundsätzlich das Recht haben, frühzeitig den Namen ihres biologischen Vaters zu erfahren. Ja, entschied damals der BGH. Ein Mindestalter sei nicht erforderlich. Geklagt hatten zwei Mädchen im Alter von 12 und 17 Jahren.

Aber: Die Erziehungsberechtigten dürften entscheiden, wann sie ihren Kindern die Daten aushändigen. Und: Die Interessen des Kindes müssten schwerer wiegen als die des Samenspenders. Viel Spielraum für Interpretationen. Und mit der möglichen Folge für Spender, dass ihnen nach Preisgabe der Identität Unterhalts- oder Erbschaftsklagen drohen könnten.

Deshalb gibt es seit 2007 auch dazu eine neue gesetzliche Regelung: Samenspender müssen darüber aufgeklärt werden, dass Kinder später Kontakt zu ihnen suchen könnten. Die Daten müssen 30 Jahre lang aufbewahrt werden.

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Viele Beschlüsse - doch im Einzelfall wird es schwer

In der Praxis tragen die vielen Entscheide laut des Vereins 'Spendenkinder' jedenfalls nicht zur Erleichterung der Einzelfall-Entscheidung bei. Die Ärzte würden sich weiter schwertun, Informationen herauszugeben. Bei Fällen 'von früher', wie dem von Miriam K., landeten Akten nach spätestens zwölf Jahren im Papierwolf.

Klagen kosten Geld und Zeit. Deshalb setzt sich der Verein auch für ein Spenderegister ein. Bei den Spendern selbst herrscht nicht zuletzt seit dem neuesten Beschluss Verunsicherung. Für Menschen wie K. aber auch das sicher kein Grund, auf den Kampf um den Namen ihres biologischen Vaters zu verzichten.