Tebuka Raratu hat seine Tochter zwei Jahre nicht gesehen

Durch die Pandemie in Hamburg gestrandet: Seeleute aus Kiribati können wohl endlich nach Hause

Tebuka Raratus sechsjährige Tochter vermisst ihren Papa sehr.
Tebuka Raratus sechsjährige Tochter vermisst ihren Papa sehr.
© RTL Nord

25. Februar 2021 - 7:33 Uhr

Monatelang warten die Männer schon auf eine Einreiseerlaubnis

Sechs Jahre ist die Tochter von Seemann Tebuka Raratu alt, aber seine Tochter hat er das letzte Mal vor 20 Monaten gesehen, da war sie vier. "Meine Tochter fragt mich immer: Daddy, wann kommst du zurück? Und ich sage: Es dauert noch", berichtet er traurig einer RTL Nord-Reporterin.

Auswärtiges Amt macht Hoffnung

Seeleute aus Kiribati in Hamburg gestrandet.
Tebuka Raratu sitzt seit Monaten in Hamburg fest und war zuvor lange auf See.
© RTL Nord

Tebuka Raratu ist einer von 139 Seeleuten von den Kiribati (Inselgruppe im zentralen Pazifik). Eigentlich hätte der Seemann elf Monate auf einem Containerschiff arbeiten sollen. Doch dann kam Corona dazwischen und seine Regierung machte die Inseln dicht, aus Angst, dass mit den Seeleuten auch der Coronavirus die Inseln erreicht. Nun sitzt er seit Monaten in Hamburg fest. Doch endlich zeichnet sich eine Lösung ab. Wie eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes am Mittwoch in Berlin sagte, hat die Republik Fidschi eine Einreisegenehmigung für zunächst 70 Betroffene zugesagt, damit diese von dort nach Kiribati weiterreisen können. "Wir hoffen, dass jetzt schnell eine gestaffelte Ausreise der kiribatischen Seeleute erfolgt."

Kiribati machte Grenzen auch für Einheimische dicht

Corona auf Kiribati wäre eine Katastrophe, erklärt uns der Seemanspastor Thomas Ristau, der sich seit November um die gestrandeten Männer in Hamburg kümmert: "Nach Fidschi sind es fünf Stunden mit dem kleinen Flugzeug. Dort sind kleine Krankenhäuser. Die spezialisierten Krankenhäuser sind in Neuseeland, das ist 5000 Kilometer entfernt." Kiribati gilt als eines der wenigen coronafreien Länder. Wegen der Pandemie hatte der pazifische Inselstaat seine Grenzen allerdings auch für eigene Landsleute geschlossen, um ein Einschleppen des Coronavirus zu verhindern. Die Republik Fidschi, wo es im vergangenen Juli den ersten Corona-Todesfall gab, gestattet derzeit grundsätzlich nur eigenen Staatsangehörigen die Einreise.

Wegen der langen Trennung lassen sich Frauen scheiden

Seeleute aus Kiribati in Hamburg gestrandet.
Seeleute aus Kiribati in Hamburg gestrandet.
© RTL Nord

Und deswegen strandeten viele Seemänner im vergangenen Herbst in einer Hamburger Jugendherberge in Hamburg-Horn und können seitdem nicht weg. Statt Lagunen und Sandstrände, Wärme und ganz viel Sonne, erleben sie nun den dunklen kalten Winter in Deutschland und leben jetzt an einer vierspurigen Straße weit weg von ihren Familien. Die Stimmung ist entsprechend. "Und dann in dieser Situation, wo man nicht weg kann. Das ist eigentlich für alle kaum auszuhalten", so der Seemannspastor RTL Nord gegenüber und weiter berichtet er: "Es haben schon Frauen gesagt, ich lass mich scheiden, ich trenn mich von dir. Verlobte die gesagt haben, ich will das nicht mehr. Weil sie das nicht glauben. Weil sie nicht glauben, dass sie hier festhängen."

Reeder bemüht sich seit fast einem Jahr um die Heimreise

Aber richtig freuen, können sich die Seeleute nicht. Zu viel kann schiefgehen, das weiß auch Reeder Frank Leonhard, der sich seit fast einem Jahr um die Heimreise seiner Seeleute bemüht - bisher immer erfolglos. "Das ist ja nicht einfach nur ein Flugzeug von hier bis zur Heimat", so Leonhardt gestern noch zu RTL Nord. Er gehe noch nicht davon aus, dass sie in den nächsten Tagen nach Hause können, aber er gebe die Hoffnung nicht auf.

Bis dahin bleibt den Seeleuten weiterhin nur das Gespräch per Telefon zu ihren Familien und die Gemeinschaft der Matrosen. Wenn es aber nun doch demnächst in die Heimat geht, ist für viele Seeleute aus Ozeanien endlich eine quälend lange Zeit der Trennung von ihren Familien zu Ende.