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"Düsseldorfer Terrorzelle" vor Gericht

"Düsseldorfer Terrorzelle" vor Gericht

Terrorprozess gegen Düsseldorfer Zelle
Mitglieder der "Düsseldorfer Terrorzelle" vor Gericht: Die Angeklagten scheinen gut gelaunt zu sein.
dpa, Federico Gambarini

Sie wollten "Mord, Totschlag, Angst und Schrecken verbreiten"

Die Kleidung ist europäisch, die Haare sind kurz, die Umarmungen herzlich: Vier mutmaßliche Al-Kaida-Terroristen betreten im Hochsicherheitstrakt des Oberlandesgerichts Düsseldorf die mit Panzerglas abgeschirmte Anklagebank.

Der als Anführer der Düsseldorfer Al-Kaida-Zelle beschuldigte Abdelabdim El-K. sieht gut gelaunt aus. Das sei nicht gespielt, sagt sein Anwalt Johannes Pausch: "Er blickt dem Verfahren relativ gelassen entgegen."

Laut Bundesanwaltschaft hatte El-K. (31) einen gewaltigen Bombenanschlag mit Metallsplittern in einer großen Menschenmenge in Deutschland geplant. Nach dem Eintreffen von Rettungskräften sollte eine zweite Bombe zünden. Mit "Mord und Totschlag Angst und Schrecken zu verbreiten" sei das Ziel der Männer gewesen, sagt Ankläger Michael Bruns. Ihnen drohen bis zu zehn Jahre Haft. Spektakulär sei der Prozess schon deshalb, weil Al-Kaida selbst hinter den Anschlägen stecke, sagt Bruns.

In einem Ausbildungslager von Al-Kaida habe El-K. das terroristische Handwerkszeug erlernt: Schusswaffentraining, Bomben- und Zünderbau, konspiratives Verhalten wie die Nutzung der Verschlüsselungsprogramme "Camouflage" und "Mudschahedin secrets".

Ein Anruf aus Waziristan beim Bundeskriminalamt im November 2010 soll die Ermittler auf die Spur der Terrorzelle gebracht haben. Al-Kaida habe bereits vier Leute in Deutschland und plane dort einen Anschlag, ließ der Anrufer wissen. Ein Abgleich mit den Geheimdiensten habe ergeben, dass der Anrufer ernst zu nehmen sei. Die Bundesregierung entschloss sich zu einer spektakulären Terrorwarnung und schärferen Sicherheitsmaßnahmen an Bahnhöfen und Flughäfen.

Terror gegen die "Hunde"

Drei Vertreter der Bundesanwaltschaft zitieren vor Gericht aus Emails, die sie dem Marokkaner El-K. zurechnen: "Oh unser Scheich, wir halten unser Versprechen. Sieg oder Märtyrertum. Nach Abschluss der Vorbereitungen werden wir mit dem Schlachten der Hunde, der Söhne der Gelben beginnen." Mit den Gelben seien die Europäer gemeint gewesen.

In einer Bilddatei auf einem Speicherchip versteckt fanden die Fahnder Anleitungen zum Mixen der Sprengstoffe HMTD und TATB sowie Bombenbauanleitungen. Vergeblich hätten sich die Terroristen bemüht, ein Scharfschützengewehr und Pistolen zu kaufen und seien dabei einem Betrüger aufgesessen, der sie um mehr als 1.000 Euro geprellt habe.

Zur Finanzierung des Terrors hätten die Terroristen aber auch selbst auf Betrug gesetzt. 36 Fälle listet die Bundesanwaltschaft auf. Mit gefälschten Pässen seien etwa Konten eröffnet und nicht existierende Waren verkauft worden.

Beim Zugriff durch die Spezialeinheit GSG 9 in einer Düsseldorfer Wohnung im April 2011 stießen die Einsatzkräfte auf Utensilien zum Bombenbau. Obwohl in der Düsseldorfer Wohnung schon Grillanzünder köchelten, aus denen die Sprengstoff-Grundsubstanz Hexamin gewonnen werden konnte, ist die Planung des Terroranschlags nicht als Straftat angeklagt. Die Vorbereitungen seien noch nicht weit genug gediehen gewesen, erklärte eine Vertreterin der Bundesanwaltschaft.

Erst im Nachhinein habe sich auch herausgestellt, dass die Männer ohnehin die falschen Grillanzünder gekauft hatten. "Trotzdem konnten wir es nicht riskieren, noch länger abzuwarten. Stellen sie sich vor, es wäre in der Wohnung in der Düsseldorfer Innenstadt zu einer Explosion gekommen."