26. Juni 2019 - 15:33 Uhr

Ungewöhnliche Zeremonie auf dem Düsseldorfer Nordfriedhof: Schüler des Friedrich-Rückert-Gymnasiums haben dort feierlich ihr Schulskelett zu Grabe getragen. "Das Skelett war Anfang der 1970er Jahre für die naturwissenschaftliche Sammlung angeschafft worden", sagte die stellvertretende Schulleiterin Sabine Husemeyer am Mittwoch der dpa. Die "Rheinische Post" hatte zuvor über die Beerdigung am Dienstag berichtet.

Die Knochen einer anonymen Körperspenderin waren jahrzehntelang im Unterricht eingesetzt worden. Das Skelett stammt von einer Frau aus Asien, vermutlich aus Indien, wie eine DNA-Analyse ergeben hatte. Das sei für die damalige Zeit nicht ungewöhnlich gewesen. "Heute klingt das sehr makaber, aber damals haben die Hersteller Skelette asiatischer Menschen verwendet, weil sie kleiner waren und deswegen besser unterzubringen", Husemeyer.

Der Name der Toten ist unbekannt, entsprechend auch das Grab anonym. Als Schulskelett soll sie Eva genannt worden sein. Die Knochen seien in dem weißen Pappkarton beerdigt worden, in dem sie von der DNA-Analyse an der Düsseldorfer Universität zurückgekommen seien. Die Schüler hätten noch Symbole der verschiedenen Weltreligionen auf den Karton gemalt, weil ja unklar sei, welcher Religion die Tote angehört habe.

Als feststand, dass das defekte Skelett aus der Sammlung der Schule ausgemustert wird, sei schnell klar gewesen, dass es ordnungsgemäß bestattet werden müsse. Etwa 30 bis 40 Schüler hätten an der Zeremonie teilgenommen. Der Schulpfarrer habe den Abschiedsgottesdienst gestaltet. "Es war eine skurrile, aber trotzdem sehr würdige Veranstaltung", sagte Husemeyer. Im Unterricht sei das Skelett bereits vor einiger Zeit durch ein künstliches Skelett ersetzt worden.

"Es gibt von unserer Seite keine Vorgaben, wie damit umzugehen ist", sagte eine Sprecherin des NRW-Schulministeriums am Mittwoch auf Anfrage. Neue Skelette als Lehrmittel für den Unterricht würden aber seit geraumer Zeit nicht mehr aus Menschenknochen, sondern nur noch aus Kunststoff angeboten. Bei Tierpräparaten sei dies nicht unbedingt der Fall.

Vor drei Jahren hatte ein Gymnasium in Stolberg bei Aachen sein Schulskelett bestattet. Die Frau, von der die Knochen damals stammten, kam vermutlich aus Vietnam. Der Deutsche Lehrerverband hatte damals empfohlen, im Unterricht keine echten Skelette mehr einzusetzen. "Immerhin handelt es sich um menschliche Überreste", hieß es. Wie viele echte Skelette sich noch im Besitz der Schulen befinden, ist unklar.

Quelle: DPA