Düsseldorf: Mann gab sich als 'Heiliger' aus, manipulierte Frauen und zwang sie zur Prostitution – zehn Jahre Haft

Der selbsternannte Sekten-Guru machte zwei Frauen von sich abhängig und zwang sie zur Prostitution.
© dpa, Caroline Seidel, aba lof

18. November 2016 - 14:32 Uhr

Als Sex-Sklavinnen ausgebeutet - Richter: Taten sind "abstoßend" und "abartig"

Mohamed H. hat sich als 'Heiliger' ausgegeben und so vier Frauen manipuliert, sich für ihn zu prostituieren. Die Frauen mussten für ihn bis zu 18 Stunden am Tag im Rotlichtmilieu arbeiten. Dafür muss der 30-Jährige nun für zehn Jahre ins Gefängnis. Sein Komplize Dennis B. (27) wurde zu acht Jahren Haft verurteilt.

Opfer begrüßten ihn mit: "Mein Körper ist dir"

Für das Gericht steht fest, dass die Frauen von ihm und seinem Partner unter Druck gesetzt wurden. Als Sex-Sklavinnen mussten sie ihre Freier fast ohne Pause befriedigen. Wenn sie sich weigerten, wurden sie teils bis zur Bewusstlosigkeit geschagen.

Durch bizarre Rituale wurden die Opfer systematisch psychisch manipuliert, von der Außenwelt isoliert und gefügig gemacht. Einer Frau hätten die zuhälter 'DH2' als Abkürzung für 'Die Heiligen 2' auf die Halsschlagader tätowieren lassen, um sie "wie ein Vieh mit einem Brandzeichen zu markieren", erklärte der Richter.

Außerdem ließ sich das Zuhälter-Duo mit den Worten begrüßen: "Gesandter, darf ich dir meine Hingabe erweisen. Mein Körper ist dir. Danke, was du aus mir gemacht hast." So wurde ihre Abhängigkeit weiter gesteigert.

Ihre Tageseinnahmen von bis zu 1.500 Euro mussten sie ihnen überlassen. An 'freien' Tagen sollen sie zudem von ihrem Peiniger brutal vergewaltigt worden sein. Richter Guido Noltze nannte die Taten "abstoßend" und "abartig". 

Komplize schickte sie von Bordell zu Bordell

Der Komplize des Hauptangeklagten, Dennis B., war zeitweise ebenfalls von ihm abhängig. Er habe sogar seine Schlafenszeit und seine Ausgaben vom 'Guru' genehmigen lassen. Außerdem habe er sich die Kuppe seines kleinen Fingers abgeschnitten haben, um den Frauen zu verdeutlichen, was ihnen droht, wenn sie nicht gefügig sind. Seine Aufgabe sei es gewesen, die Frauen von Bordell zu Bordell zu schicken.

Er soll es auch gewesen sein, der mit den Frauen eine Beziehung eingegangen ist, um sie dazu zu bringen, Bankkredite aufzunehmen, die sie nicht zahlen konnten. Daraufhin hätten sie sich zur Prostitution überreden lassen, in der Hoffnung, so das Geld aufzutreiben.

Schuldig wegen Menschenhandel, Zuhälterei, gefährlicher Körperverletzung und Betrug

Das alles haben die beiden Frauen offenbar über sich ergehen lassen, weil sie von den beiden mutmaßlichen Tätern geschickt manipuliert worden sind. Sie waren verliebt und ihnen hörig.

Der selbsternannte Sektenführer stilisierte sich dazu als 'Heiliger', der angeblich Kontakt zum toten Vater einer der Frauen aufnehmen kann. Dieser habe über den 'Heiligen' von ihr verlangt, sich zu prostituieren. Mit dieser Masche, so gaben die beiden Angeklagten zu, wollten sie noch mehr Geld aus den Frauen herausholen.

Von dem erbeuteten Geld von insgesamt 600.000 Euro leistete sich der 'Guru' ein luxuriöses Leben. Er wohnte mit Frau und Kind in einem luxuriösen Einfamilienhaus in Köln.

Das Gericht sprach Mohamed H. und Dennis B. wegen Menschenhandels, Zuhälterei, gefährlicher Körperverletzung und Betrugs schuldig.