Hier ist es noch extrem trocken

Jahrhundertflut und Dauerdürre: Krasse Kontraste beim Regen in Deutschland

05. Oktober 2021 - 15:10 Uhr

Niederschlag: Deutschlandweite Werte haben nur begrenzte Aussagekraft

Seit Beginn der Aufzeichnungen des Deutschen Wetterdienstes im Jahr 1881 hat die jährliche Niederschlagsmenge in Deutschland um knapp zehn Prozent zugenommen. Das hört sich doch erstmal gut an. Die einzelnen Jahresniederschlagswerte variieren dabei jedoch stark und auch regional gibt es riesige Unterschiede. In den Jahren 2018 und 2019 herrschte extreme Dürre, in den Jahren 2014 bis 2017 gab es teilweise verheerende Unwetterereignisse, doch noch nie waren die Auswirkungen von Starkregen so flächendeckend wie bei der Flutkatastrophe im Westen Deutschlands im Juli 2021.

Video: Hier regnet es in den nächsten 24 Stunden

Jährliche Niederschlagsmengen in Deutschland 1881 bis 2020

Im Durchschnitt sind die Regenmengen ganz ok, aber die Mittelwerte sagen hier nicht viel aus.
Ab Mitte der 1960er Jahre traten einige sehr regenreiche Jahre auf. Aber auch Jahre mit regelrechter Dürre sind verzeichnet.

2010 bis 2021: Zu trockene und zu nasse Jahre in Deutschland

Die Animation der Karten zeigt die Abweichung des Niederschlages vom langjährigen Mittel. Beispiel 2018: in ganz Deutschland gab es ein enormes Niederschlagsdefizit. Beispiel 2013: Das Jahr war insgesamt gesehen und auch in großen Teilen zu nass. Nur im Nordwesten und im Nordosten gab es Regionen, die sogar zu trocken waren. Durchschnittswerte helfen dem Baum oder der Blume nicht weiter, wenn gerade sie auf dem Trockenen sitzen. Machen Sie den Dürre-Check für Ihre Region und schauen Sie nach, wie es im Jahr 2021 bei Ihnen aussieht.

RTL NEWS empfiehlt

Anzeigen:

Zu wenig Regen: Natur leidet in drei Stufen

Regen, der längere Zeit ausbleibt, trifft die Natur in drei Stufen.

  1. Als erstes trifft es die Felder, Wiesen und auch den heimischen Garten. Die Pflanzen hier wurzeln nicht tief und brauchen ständig Wassernachschub von oben, um nicht zu vertrocknen

  2. Bäume, deren Wurzeln weit ins Erdreich langen, können schon länger mit Trockenheit zurechtkommen. Aber bei extremer Dürre geht es auch den Wäldern und Forsten an den Kragen. Wenn bis in ein oder zwei Metern Bodentiefe kein Wasser mehr da ist, sterben auch Bäume ab.

  3. Hält die Trockenheit immer länger an, gibt es auch Probleme bei der Grundwasserneubildung. Das Grundwasser sinkt immer weiter und gleichzeitig wird auch in tieferen Schichten kein neues Wasser ankommen. Zudem fallen kleine Flüsse und Talsperren müssen Wasser abgeben, um die Schifffahrt aufrecht zu erhalten. Letztlich ist auch die Trinkwasserversorgung in Gefahr.
 Klimawandel - vertrocknete Maisstengel im Maisfeld. Agrarfoto von einem stark unter Wassermangel leidenden Maisbestand, stark verwelktes Blattwerk läßt die Sonne bis auf die Wurzeln scheinen. Landkreis Osnabrück Niedersachsen Deutschland *** Climate
Wer in der Landwirtschaft auf Mais gesetzt hat, wird in Dürrejahren gestraft.
© imago images/Countrypixel, via www.imago-images.de, www.imago-images.de

Zu viel Regen: Auf die Verteilung kommt es an

Mehr Regen als im langjährigen Mittel verteilt über 12 Monate ist nicht problematisch. Hier sind es die extremen Niederschlagsmengen in kurzer Zeit, die zu hohen Schäden führen können. Sturzfluten und Überschwemmungen haben enorme Kräfte, so dass sie Straßen und Häuser wegreißen können. Solche extremen Wetterereignisse werden zukünftig häufiger und heftiger auftreten.

Extremwetterereignisse wir die Flutkatastrophe im Ahrtal werden künftig häufiger.
Sechs Wochen nach der Flut im Ahrtal: Meterhoch türmen sich Wohnwagen, Gastanks, Bäume und Schrott an einer Brücke über der Ahr.
© deutsche presse agentur

RTL-Meteorologe zur Entwicklung

RTL-Meteorologe Björn Alexander: "In Deutschland und Mitteleuropa sind die Systeme des Wasserhaushaltes und der Wasserversorgung überhaupt nicht auf größere Dürren ausgelegt. Denn Wasser ist ja eigentlich immer in ausreichender Menge vorhanden gewesen. Gleichzeitig überfordern uns aber auch die intensiveren Starkniederschläge im Sommer. Insofern steuern wir – gerade im Frühjahr, wenn die Natur den Regen fürs Wachstum braucht, sowie im Sommer, wenn es für gewöhnlich die größten Regenmengen gibt, auf eine sehr schwierig Gemengelage hin."

Unsere Wettertrends und Themenseiten

Sollten Sie Interesse an weiteren Wetter-, Klima- und Wissenschaftsthemen haben, sind Sie bei wetter.de bestens aufgehoben. Besonders ans Herz legen können wir Ihnen auch den 7-Tage-Wettertrend mit der Wetterprognose für die kommende Woche. Dieser wird täglich aktualisiert. Falls Sie weiter in die Zukunft schauen möchten, ist der 42-Tage-Wettertrend eine Option. Dort schauen wir uns an, was auf uns in den kommenden Wochen zukommt. Vielleicht interessiert Sie eher wie sich das Klima in den vergangenen Monaten verhalten hat und wie die Prognose für das restliche Jahr aussieht. Dafür haben wir unseren Klimatrend für Deutschland.

Damit Sie auch unterwegs kein Wetter mehr verpassen, empfehlen wir unsere wetter.de-App für Apple- und Android-Geräte.

Wüstenstaat Deutschland - Die TVNOW-Doku im Online Stream

Streaming-Tipp: Wie trocken ist Deutschland? Welches Extremwetter uns wirklich erwartet.

(ctr)