16. Mai 2019 - 16:51 Uhr

von Lauren Ramoser

Wenig Regen und viel Sonne - so sieht ein perfekter Sommer für viele aus. Doch nach dem extrem heißen Sommer 2018 schlittern wir aktuell auf eine handfeste Wasserkrise zu. Mit dem sorglosen Umgang, den wir Deutschen mit unserem Trinkwasser bisher geführt haben, könnte es bald vorbei sein. Wir klären, wie schlecht es wirklich um unser Trinkwasser steht und was jeder einzelne tun kann!

Wenig Regen bedeutet wenig Trinkwasser

Nach dem extrem heißen Jahr 2018 sind Meteorologen in Sorge um unsere viel zu trockenen Böden. Zwar hat es in den vergangenen Tagen in manchen Teilen Deutschlands geregnet, ausreichend ist das aber noch lange nicht.

"Vor allem im Osten und Norden fehlt immer noch jede Menge Regen. In Berlin fielen seit dem 1. April ganze 16 Liter Regen, statt der im Mittel üblichen 75 Liter in diesem Zeitraum", so RTL-Meteorologe Christian Häckl.

Der wenige Regen hat zwar gereicht, um die meisten Talsperren zu füllen, doch sind die, laut Zahlen des Bundesumweltministeriums, nur für etwa 15 Prozent des Trinkwassers verantwortlich. Weitaus wichtiger ist das Grundwasser, das sich unter anderem durch einsickerndes Regenwasser speist.

"Aber dadurch, dass die Böden in der Tiefe immer noch so extrem trocken sind, bräuchten wir mehrere Tage oder sogar Wochen Regen, der dieses Defizit im Boden ausgleicht. Im Umkehrschluss bedeutet dies: Falls der Sommer 2019 ähnlich verläuft wie 2018, dann kriegen wir ein großes Problem", so Oliver Hantke, Diplom-Meteorologe von wetter.de.

Deutschland steuert auf eine Wasserknappheit zu.
Die Grafiken zeigen, wie ausgetrocknet der deutsche Boden aktuell ist.
© Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung

Wasser laufen lassen, spült die Rohre durch?

Dieser Mythos um die Wasserqualität hält sich hartnäckig: Damit Trinkwasser schön kühl und sauber aus dem Hahn läuft, soll man es ein bisschen laufen lassen, bevor man es verwendet. Ronja Walther vom Wasserversorger Rheinenergie hält das für eine gute Idee: "Übertriebenes Wassersparen ist nicht gut, sonst müssen wir spülen. Der Verbraucher sollte Wasser ruhig laufen lassen, das reinigt die Rohre." Rohre, für deren Instandsetzung der Wasserversorger selbst verantwortlich ist. Das Laufenlassen spült also vor allem Geld in die Kassen der Wasserversorger.

Fakt ist, dass unser Trinkwasser sehr hohen Qualitätskontrollen unterliegt. "Und die Qualität ist sehr gut – wenn es nicht so wäre, müssten wir das sofort melden", so Walther. Das geben alle verantwortlichen Stellen gerne an – schließlich zeichnet das auch ihre Arbeit aus. 

Wasser-Mythen im Check

  • Wasser laufen lassen spült die Rohre durch - stimmt, hilft aber nur den Wasserversorgern und verbessert die Qualität des Wassers nicht!
  • Trinkwasser unterliegt sehr hohen Qualitätskontrollen - stimmt!
  • Mineralwasser enthält mehr Mineralien als Leitungswasser - stimmt, aber nur unwesentlich!

„Mit der Selbstverständlichkeit könnte es bald vorbei sein“

Umso überraschender wirkt diese Aussage der "Wasser-Impuls"-Kampagne des Deutschen Vereins des Gas- und Wasserfaches (DVGW): "Sauberes, klares und wohlschmeckendes Trinkwasser aus dem Hahn – überall, jederzeit und zu geringen Kosten: An diese Situation haben sich die Menschen in Deutschland über Jahrzehnte hinweg gewöhnt."

Soll das heißen, dass diese Selbstverständlichkeit bald vorbei ist?

​Im Interview rudert Dr. Dennis Rendschmidt vom DVGW zurück: "Aktuell gibt es keinen Grund zur Sorge, aber wenn wir jetzt nicht frühzeitig die Weichen stellen, dann könnte es mit der Selbstverständlichkeit zu Ende sein."

530.000 Kilometer mögliche Probleme

Heißt konkret: Die 530.000 Kilometer Wasserrohre, die Deutschland mit Trinkwasser versorgen, sind anfällig für Probleme. "Wir haben ein System, das seit 100 Jahren im Boden liegt. Und dieses System muss eben auch erneuert werden und in Stand gehalten werden, damit die Qualität auch weiterhin so hoch bleiben kann wie sie heute ist" gibt Dr. Rendschmidt zu bedenken.

Wohlwollend lässt sich sagen, der DVGW ist um unsere Wasserversorgung in Sorge. Dem Allgemeinwohl dient diese Sorge primär aber nicht. Denn seine Mitglieder, unter anderem die deutschen Wasserversorger, sind schließlich dafür verantwortlich – und verdienen ihr Geld mit unserem Wasser. Die schwierig zu fassende Kampagne und das Ziel "Wasser in den Fokus" zu rücken, soll also mehr Geld in die Kassen der Wasserversorger spülen.

Wasser-Not macht erfinderisch

Wie verrückt Ideen um die Wasserversorgung sein können, zeigt ein Vorschlag aus Südafrika. Während die Wasserkrise bei uns noch in den Kinderschuhen steckt, dürstet Kapstadt seit Monaten nach Wasser und Forscher haben eine skurrile Idee entwickelt: Wir zeigen im Video, wie irre das Wasserproblem künftig gelöst werden soll. 

Fazit: Die Lage spitzt sich zu

Es wird klar, dass der sorglose Umgang, den wir über Jahre hinweg mit unserem Trinkwasser gepflegt haben, bald vorbei sein könnte. Die Schlinge um unser Trinkwasser zieht sich langsam zu, denn das trockene Klima dreht unserem Grundwasser nach und nach den natürlichen Hahn zu.

Die beteiligten Vereine und Versorger haben das erkannt und wollen aufmerksam machen - auch, um aus dem schwindenden Wasser ein Geschäft zu machen. Noch sind die Wasserkosten für Verbraucher relativ gering. Spitzen sich die Probleme zu, wird das nicht so bleiben. Denn egal wo es herkommt, wenn unser Trinkwasser knapp wird, sind wir alle betroffen.