Dürfen Dieselautos bald nicht mehr in die Städte?

16. April 2013 - 14:41 Uhr

Umweltverbände beklagen Gesundheitsschäden

Ihr moderner Rußpartikelfilter sichert Autofahrern die grüne Plakette, ihr geringer Spritverbrauch schont das Portemonnaie - und trotzdem verstoßen Dieselfahrzeuge gegen die Abgasnorm der EU. Denn ihre Rußpartikelfilter verhindern nicht, dass beim Verbrennen Unmengen schädlicher Stickstoffoxide- und Dioxide ins Freie gelangen. Weil Dieselfahrzeuge also zu einem immer größeren Problem für die Gesundheit werden, fordern Umweltverbände nun sogar ein Fahrverbot.

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Dieselmotoren verbrauchen wenig Sprit, verpesten die Umwelt aber mit Stickstoff.
© dpa, Patrick Pleul

Die von Dieselautos abgelassenen Stickstoffoxide reizen Schleimhäute, verursachen Husten, verschlimmern Asthma und schaden der Lunge. Argumentieren können die Umweltverbände mit dem Luftreinhaltegesetz der EU, welches die Städte eigentlich einhalten müssten. Doch der Giftgehalt der Luft überschreitet besonders in Großstädten regelmäßig die Richtlinien.

Um sich Zeit zu kaufen, hat Deutschland bei der EU einen Antrag auf Fristverlängerung zur Einhaltung der Stickstoffdioxid-Grenzwerte gestellt. Am 20. März kam die Ablehnung für 33 deutsche Ballungsräume, darunter nahezu alle deutschen Großstädte. Berlin, Hamburg, München, Köln, Stuttgart und die Rhein-Main-Metropolregion verstoßen seitdem gegen EU-Recht. Mit Strafzahlungen von 50.000 Euro pro Stadt und Tag der Überschreitung von Grenzwerten müsse gerechnet werden, warnt Axel Friedrich, der Verkehrsexperte der Deutschen Umwelthilfe (DUH) ist.

Vom Auto auf den Bus umsteigen?

Die Städte brauchen dringend ein Konzept, mit dem sie das Problem auch nachhaltig angehen können. Denn die EU hat sogar noch schärfere Abgasnormen beschlossen, die mit der 'Euro 6' 2015 eingeführt werden sollen. Wer ein Dieselauto fährt, braucht deswegen aber noch lange nicht in Panik geraten. Denn Dieselfahrzeuge zu verbieten, ist nicht so einfach möglich.

Stattdessen könnten die Städte mit intelligenten Verkehrskonzepten extrem luftbelastende Staus verhindern oder etwa Berufs-Pendler veranlassen, ihre Stickstoff-Schleudern stehen zu lassen und auf saubere Busse umzusteigen. Zu einer Verbesserung der Luft würde das aber nur führen, wenn die städtischen Busse richtig in Schuss wären.

Tatsächlich beruht die Stickstoffdioxid-Belastung deutscher Großstädte allerdings zu 70 Prozent auf den Abgasen der Stadtbusse, die Verunreinigung durch Dieselruß sogar zu 90 Prozent. "Damit sind die Diesel-Linienbusse für einen überproportional hohen Anteil der Luftbelastung in den Großstädten verantwortlich", erklärt der Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe Jürgen Resch. Grund sind unzureichende technische Vorkehrungen. Wünschenswert wäre die Einführung von Hybridbussen, die mit Wasserstoff betrieben werden.

Doch der Umstieg lässt noch auf sich warten. Durch Hamburg fahren immerhin schon vier Busse, die mit Wasserstoff angetrieben werden. Ab 2020 will man dort gar keine Diesel-Busse mehr kaufen.