Drohnen-Forscher bauen neues Testzentrum in Sachsen-Anhalt

Andreas Volkert (r) und Joonas Lieb (l), wissenschaftliche Mitarbeiter im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), hantieren mit einer Forschungsdrohne in Cochstedt. Foto: Ronny Hartmann/dpa
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17. Juni 2020 - 17:03 Uhr

Kreuzen sich zwei Drohnen über einer Großstadt, muss jemand entscheiden, welche Drohne Vorfahrt hat. In ein paar Jahren sollen das die Fluggeräte möglichst selbst untereinander klären.

Um solche Abläufe zu entwickeln und sie testen zu können, ohne dass eine Drohne mitten in den Großstadtverkehr abstürzt, baut das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) das Nationale Erprobungszentrum für Unbemannte Luftfahrtsysteme (UAS) auf. Erste Flugtests gab es auf dem Flughafen in Cochstedt, mitten in der Provinz Sachsen-Anhalts, bereits.

Aktuell sei die Einrichtung noch ein recht unbeschriebenes Blatt, sagte ihr Leiter Daniel Sülberg. "Aber die Vision sieht anders aus: Wir wissen genau, wo wir mit Cochstedt hin wollen". Der Flughafen soll als Freiraumlabor, aber auch als Schmelztiegel dienen für die 18 DLR-Institute, die in ganz Deutschland zu dem Thema forschen. Ebenso für Unternehmen, die ihre Entwicklungen dort testen wollen. Erste Firmen hatte das Zentrum ursprünglich für August erwartet, wegen der Corona-Pandemie verschieben sich die Pläne nun.

Neben der Entwicklung der Technologie sollen in Cochstedt auch Drohnen zertifiziert werden, eine Art Zulassungsstelle für die Fluggeräte. Auch die Bedienung der Drohnen soll eines Tages auf dem Drohnen-Testzentrum geschult werden. Ab Mitte nächsten Jahres sollen dann auch wieder Verkehrsflugzeuge landen. Das eröffnet der Forschung einen weiteren Bereich, der sich nur selten unter Realbedingungen untersuchen lässt: Der Parallelbetrieb von tief und eher langsam fliegenden Drohnen und schnell und hochfliegenden Düsenjets.

Deutschland habe mit der Einrichtung gute Chancen auf eine globale Führungsposition in der Drohnen-Technologie, sagte der Koordinator der Bundesregierung für die Deutsche Luft- und Raumfahrt, Thomas Jarzombek (CDU), bei dem Termin am Mittwoch. Viele Menschen würden bei Drohnen aber noch immer zuerst an Nachbarn denken, die mit Hobbygeräten und hochauflösenden Kameras die Schlafzimmer der Anwohner ausspionieren. Doch Drohnen seien sehr viel mehr als Spielzeug, sagte Jarzombek. Das der Öffentlichkeit zu vermitteln, gehört auch zu den Aufgaben, die sich das Zentrum aufgetragen hat: Ängste und Vorbehalte sollen abgebaut und die Menschen für die Zukunftstechnologie begeistert werden.

Der ehemalige Militär- und spätere Verkehrsflughafen hatte sich unter 20 Bewerbern durchgesetzt. Dabei profitierte der Salzlandkreis vor allem von einer Eigenschaft, die eine erfolgreiche Nutzung Cochstedts als Verkehrsflughafen vereitelt hatte und der Gegend auch sonst eher zu schaffen macht: ihrer Abgelegenheit. Mehr als 30 Kilometer ist die nächste Großstadt Magdeburg entfernt. Auf 37 Quadratkilometer erstreckt sich das potenzielle Testgebiet - eine Fläche knapp doppelt so groß wie die Ostseeinsel Hiddensee.

Quelle: DPA