Drohnen erledigen autonom lebensgefährliche Jobs

Bei AirShield ist die sb4-1200-Drohne mit einem Gasmessgerät ausgestattet.

07. September 2012 - 7:24 Uhr

Willkommen im Zeitalter der Drohnen

Die meisten von uns haben bei dem Wort 'Drohne' Bilder von US-Kampfdrohnen im Kopf, die Raketen auf Terroristen schießen. Manche von uns machen sich Sorgen, die Polizei könnte Drohnen missbrauchen, um unsere Privatsphäre auszuspionieren. Doch es gibt auch viele Menschen, die ganz andere Möglichkeiten sehen. Drohnen können viele Aufgaben übernehmen, die für Menschen zu gefährlich oder unmöglich sind.

So können sie beispielsweise mit hochempfindlichen Messgeräten nach giftigen Gasen suchen. Im Fall einer Katastrophe liefern sie außerdem schnell Luftbilder, die helfen, die Lage einzuschätzen. Deshalb stehen sie bei manchen Feuerwehren und dem THW ganz oben auf der Wunschliste. Aber auch Meteorologen und Archäologen setzen die neuen Flugmaschinen immer häufiger ein. Zusätzlich liefern sie TV- und Filmproduktionen Bildmaterial, das sonst nur mit teuren Hubschrauberflügen gemacht werden könnte.

Der Bundestag hat Anfang des Jahres 2012 den Weg frei gemacht für den Einsatz von zivilen Drohnen im deutschen Luftraum. Im Gesetz sind die unbemannten Flugroboter als Luftfahrzeuge definiert und werden UAS (Unmanned Aerial System) genannt. Das System besteht dabei aus dem Luftfahrzeug (UAV = Unmanned Aerial Vehicle) und einer Kontrolleinheit. Diese wird von mindestens einem Piloten oder Operator bedient.

"Schneller und flexibler als Hubschrauber"

Feuerwehr Dortmund Drohne Test
Die sb4-1200-Drohne wurde am IFR in Dortmund ausgiebig getestet
© H.Kaczmarek

Die Drohnen, die derzeit in Deutschland im Einsatz sind, gehören zur Kategorie der Klein- und Kleinstdrohnen. Sie fliegen maximal ein paar hundert Meter hoch und können aufgrund ihres Batteriebetriebs nur kurze Zeit (maximal 90 Minuten) in der Luft bleiben. Doch auch diese relativ kurze Flugzeit ist meist ausreichend, um bestimmte Aufgaben zu erledigen.

Mehrere deutsche Universitäten haben zusammen mit dem Unternehmen microdrones eine 'Feuerwehr-Drohne' entwickelt. Sie ist mit Gasmessgeräten ausgestattet und kann bei Katastrophen von Feuerwehren oder dem THW eingesetzt werden. Am Institut für Feuerwehr- und Rettungstechnologie der Feuerwehr Dortmund (IFR) wurde die Drohne ausgiebig getestet. Mit der sb4-1200-Drohne können zukünftig an gefährlichen Orten Gaskonzentrationen gemessen werden. So ist es nicht mehr nötig, dass sich Feuerwehrleute dorthin begeben. "Drohnen können beim Einsatz gut unterstützen", sagt Dr. Hauke Speth, Institutsleiter des IFR und ergänzt: "Sie sind schneller und flexibler einsetzbar als Hubschrauber. Wenn das Gerät auch noch mit Kameras ausgerüstet wird, können wird auch Opfer orten."

Das Unternehmen Aibotix verwendet seine Hexacopter zur Inspektion von Hochspannungsleitungen. Diesen lebensgefährlichen Job haben zuvor Industriekletterer oder Helikopterteams übernommen. Außerdem lassen sich mit den Drohnen Gebäudefassaden, Pipelines, Brücken und Windkraftanlagen auf eventuelle Schäden inspizieren.

Durch den Einsatz von Drohnen hat sich auch die Erstellung von Geländekarten verändert. Das sogenannte Mapping erlaubt es mit Hilfe von UAVs 3D-Karten zu erstellen. Nicht nur Archäologen bleibt so das mühsame Kartografieren ihrer Fundstellen erspart. Das Erstellen beliebigen Kartenmaterials ist dadurch innerhalb kürzester Zeit möglich.

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Wofür die NASA Drohnen einsetzt

Die NASA erforscht Orkane mit großen Drohnen

Nasa, Globalhawk, Drohnen: Feuerwehreinsatz, Landvermessung und Luftbilder
Eine 'GlobalHawk'-Drohne der NASA ist fast 40 Meter breit.

Meteorologen verwenden bereits seit vielen Jahren Drohnen, um ihre Vorhersagen zu verbessern. Mit ihnen erhalten die Wissenschaftler Messdaten aus Regionen, die nur schwer erreichbar sind oder zu gefährlich, um dort bemannte Flugzeuge einzusetzen.

Seit Mitte August bereitet die NASA ein neues Programm vor. In der diesjährigen Wirbelsturm-Saison werden erstmals zwei 'GlobalHawks', die eine Flügelspannweite von fast 40 Metern haben, über dem Atlantik eingesetzt. Sie können bis zu 30 Stunden in der Luft bleiben und erreichen Höhen von bis zu 19 Kilometern. Damit können sie über den Orkanen fliegen und von dort Messsonden in die Stürme abwerfen.

Die Zukunft der Drohnen-Technologie

Laut den US-Marktforschern der Teal Group wird sich das Marktvolumen für UAS bis zum Jahr 2020 verdoppeln. Rund 80 Milliarden Dollar werden weltweit allein die Militärs zwischen 2010 und 2020 für Drohnen ausgeben. Die USA sollen mit 55 Milliarden dabei sein. Der zivile Bereich steckt noch in den Kinderschuhen. Auch hier sind enorme Zuwachsraten zu erwarten, nachdem in Deutschland und den USA die Luftfahrtgesetze geändert wurden.

Von Frank Endres