Organisatoren überrascht von großer Resonanz

Tausende Motorradfahrer demonstrieren gegen drohende Fahrverbote

Demonstration gegen drohende Fahrverbote am Wochenende - Schwerin
© dpa, Jens Büttner, jbu sab

06. Juli 2020 - 10:03 Uhr

Allein 8.000 Teilnehmer in Stuttgart

Die Erwartungen wurden übertroffen: Viele tausend Motorradfahrer haben bundesweit gegen mögliche Fahrverbote an Sonn- und Feiertagen demonstriert. Allein in Friedrichshafen am Bodensee kamen rund 5.000 Motorradfans zu einem Demo-Korso zusammen. Die Veranstalter hatten mit rund 1.000 Teilnehmern gerechnet. Auch in Stuttgart überstieg die Zahl der Biker die Erwartungen: Nach Angaben der Polizei trafen sich dort bis zu 8.000 Motorradfahrer - das führte zu erheblichen Verkehrsbehinderungen. Die Biker wollten mit den Demo-Korsos Flagge zeigen gegen eine Initiative des Bundesrats zur Reduzierung von Motorradlärm.

6.000 in München trotz Verbot

04.07.2020, Dresden: Ein geparktes Motorrad mit einem kleinen Banner mit der Aufschrift "Biker for Freedom Ich bin GEGEN Fahrverbote für Motorräder". Mehr als 1.000 Biker und Bikerinnen sind zu einer Demonstration gegen drohende Fahrverbote für Motor
Demonstration gegen drohende Fahrverbote am Wochenende - Dresden
© dpa, Daniel Schäfer, daniel schäfer gfh

In München war die geplante Groß-Demo eigentlich verboten worden. Dennoch waren mehrere Tausend Biker in der Stadt unterwegs. Die Polizei sprach von mehr als 6.000 Menschen, die mit ihren Maschinen über den Mittleren Ring rollten. Gegen Mittag seien die meisten dann wieder abgefahren.

In Wiesbaden demonstrierten ebenfalls einige Tausend Biker gegen eine mögliche strengere Regulierung von Motorradlärm. Wie ein Sprecher der Polizei sagte, kamen auch hier deutlich mehr Motorradfahrer als erwartet, ebenso wie in Dresden mit rund 5000 Bikern. In Schwerin kamen mehr als 1.000 Menschen zu einer Demo zusammen. Organisiert wurden die bundesweiten Aktionen unter anderem von der Gruppe "Biker for Freedom".

Verkehrsminister Scheuer gegen weitere Fahrverbote für Motorräder

04.07.2020, Baden-Württemberg, Stuttgart: Cheyenne Kust (l) übergibt Winfried Hermann (r) (Bündnis 90/Die Grünen), Verkehrsminister von Baden-Württemberg, eine Unterschriftenliste. Motorradfahrer demonstrieren bundesweit gegen drohende Fahrverbote an
Aktivistin Cheyenne Kust (l) übergibt dem baden-württembergischen Unmweltminister Winfried Hermann eine Unterschriftenliste.
© dpa, Tom Weller, gfh

Hintergrund der Proteste ist ein langer Streit über Motorradlärm. Die Bundesländer hatten sich Mitte Mai dafür eingesetzt, dass die Fahrzeuge weniger Lärm verursachen sollen. So sollen die zulässigen Geräusch-Emissionen auf einen Wert begrenzt werden, der in etwa der Lautstärke eines vorbeifahrenden Lkw oder eines Rasenmähers entspricht. Der Bundesrat will zudem beschränkte Motorrad-Fahrverbote an Sonn- und Feiertagen ermöglichen.

Die Bundesregierung entscheidet, ob sie die Anregung der Länderkammer umsetzen will. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) sieht den Beschluss aber kritisch und hatte sich gegen weitere Verbote für Motorradfahrer ausgesprochen.